In ein Schaufenster von Küchen Brauckhoff ist ein 83-jähriger Mann im Herbst 2020 gerollt. © Matthias Langrock
Prozess vor Amtsgericht

83-Jähriger steuert Wagen ins Küchenstudio – und begeht Fahrerflucht

Im Herbst 2020 ist ein Auto in das Schaufenster eines Castrop-Rauxeler Küchenstudios gerollt und hat erheblichen Schaden verursacht. Der Fahrer des Autos will davon nichts bemerkt haben.

Als ein 83-jähriger Mann vor einigen Tagen das Castrop-Rauxeler Amtsgericht verließ, war er sichtbar erleichtert. Er hatte seinen Führerschein wieder. Ein Dokument, das ihm im Alltag unentbehrlich ist, aber im vergangenen Herbst von der Polizei eingezogen worden war.

Ob er seine Fahrerlaubnis zurückbekommen würde, war vor der Verhandlung mehr als fraglich gewesen. Im vorangegangenen Strafbefehlsverfahren, gegen das der Senior Widerspruch eingelegt hatte, war er aufgefordert worden, seine Fahrerlaubnis freiwillig endgültig abzugeben.

Grund war ein Vorfall im September, der dem 83-Jährigen eine Anzeige wegen Fahrerflucht eingebracht hatte. Er hatte vor dem Schaufenster des Küchenstudios Brauckhoff an der Herner Straße geparkt, wollte wieder losfahren. Da rollte der Pkw erst nach vorn, bevor der Rückwärtsgang griff.

Nichts bemerkt

Dass er bei diesem Manöver zunächst die Schaufensterscheibe demoliert und dann beim Zurücksetzen obendrein einen Pfosten gerammt hat, will der Fahrer nicht bemerkt haben.

Zunächst stellte der Angeklagte gar infrage, dass eine Kollision überhaupt hätte möglich sein können, wies auf Bordsteinkanten hin, die seinen Wagen vor dem Kontakt mit der Scheibe hätten abbremsen können. Zudem habe sein Auto keinerlei Kratzer aufgewiesen. Doch das war schnell geklärt, es gab einen Augenzeugen.

Denn ein 22-Jähriger hatte gerade ganz in der Nähe geparkt und einen unverstellten Blick auf das Geschehen. „Ich habe gesehen, dass der Mann wohl Schwierigkeiten beim Ausparken hatte, ich glaube, er hat den Gang nicht gefunden“, sagte er aus. Auch Krach habe er gehört.

Beträchtlicher Schaden

Krach, der die Angestellten des Ladens aufschreckte und auf die Straße laufen ließ. Der Schaden war innen stärker als außen zu sehen. Eine blickdichte Folie hielt die Glasscherben des Schaufensters zusammen. Der Schaden war beträchtlich: fast 5000 Euro.

Ob der Fahrer hinter geschlossenen Scheiben diese Splittergeräusche hätte hören müssen, blieb unklar. Klar wurde dagegen, dass er darum kämpfte, weiterhin mit seinem fast neuen Auto fahren zu können. Weil seine Ehefrau nicht mehr so gut zu Fuß sei, auch die Tochter, selbst schon fast im Seniorenalter, ebenfalls Unterstützung wie einen Fahrdienst beim Einkaufen benötige.

200 Euro an das Kinderhospiz

Nicht dieser Situation, sondern vielmehr seiner agilen Verfassung hat es der Angeklagte zu verdanken, dass er weiterhin am Steuer sitzen kann. Der Richter stellte das Verfahren ein, verbunden mit der Auflage, 200 Euro an das Kinderhospiz in Datteln zu überweisen.

Im Gegenzug verzichtete der 83-Jährige auf Entschädigung etwaiger Unkosten, die durch den vorläufigen Entzug der Fahrerlaubnis entstanden sind.

Über die Autorin
Redaktion Castrop-Rauxel
Ich bin seit etlichen Jahren als freie Mitarbeiterin für die Lokalredaktion tätig, besuche regelmäßig Gerichtsverhandlungen, um darüber zu berichten, und bin neugierig auf alles, was in Castrop-Rauxel passiert.
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