47-Jähriger schläft beim Diebstahl einfach ein

dzComputerteile gestohlen

Vor dem Richter saß ein 47-Jähriger. Die Anklage: versuchter Diebstahl von Computerteilen. Die hatte er bereits seiner Freundin über den Zaun gereicht, doch auf ihn wartete sie vergeblich.

Castrop-Rauxel

, 18.06.2019, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Von Computern hat der 47-jährige gelernte Konstruktionsmechaniker Ahnung. Weiß, welche Hardware erforderlich ist und hat sicher schon das ein oder andere Mal einen PC zusammengebastelt. Das wollte er zu Jahresbeginn auch für seine damalige Freundin tun, denn Geld, um einen PC zu kaufen, war nicht da. Deshalb schlich sich das Paar kurz nach Mitternacht zum Gelände einer Firma an der Klöcknerstraße, wo ausgediente Computer in einem Container lagerten.

Der Angeklagte kletterte über den Zaun und bediente sich. Schnappte sich zwei Monitore. „Der eine hatte zwar keine Kabel mehr, sah aber von vorn gut aus“, sagte er. Der andere habe augenscheinlich eine intakte Verkabelung gehabt. Dazu gesellte sich ein Gehäuse. „Mit Motherboard, Grafikkarte, Arbeitsspeicher usw.“, erläuterte der 47-Jährige.

Freundin stand für ihn Schmiere

Die Beute reichte er über den Zaun. Sie wurde von der Freundin, die dort Schmiere stand, in Empfang genommen. Danach passierte zunächst nichts. Bis zwei Polizisten auf der Bildfläche erschienen. Weil denen die Auskunft der Frau, sie warte hier nur auf einen Bekannten, kurios erschien, inspizierten sie das Firmengelände. Und fanden den Freund neben dem Container. Selig schlummernd.

Er hatte die Tour sprichwörtlich verpennt, bot den Polizisten einen kuriosen Anblick. „Ich war todmüde“, erklärte der Angeklagte. „Die ganze Aktion war dämlich, ich hab mir nichts dabei gedacht.“ Dabei war der Mann wahrlich kein Anfänger in Sachen krumme Touren, sein Vorstrafenregister, zwölf Einträge lang, weist etliche einschlägige Delikte auf. Erst ein knappes Jahr zuvor war er das letzte Mal aus der Haft entlassen worden.

Kommt jetzt ein geregeltes Leben?

Auch diesmal wurde er zu einer Haftstrafe verurteilt, drei Monate auf Bewährung. Dazu muss der Mann 90 Sozialstunden ableisten. Damit verband der Richter die Hoffnung, dass der 47-Jährige endlich die Kurve kriegt, zurück in ein geregeltes Leben mit Job und Wohnung findet. Ein humanes Urteil auch deshalb, weil der Richter, anders als in der Anklage genannt, den Wert der fraglichen Computerteile nicht mit 100 Euro, sondern lediglich mit 25 Euro ansetzte. Somit ging es in der Wertung nicht mehr um einen Diebstahl in einem besonders schweren Fall.

Ob der 47-Jährige seinen Vorsatz, sich ernsthaft um eine Anstellung zu bemühen, in die Tat umsetzt, steht auf wackeligen Beinen. Denn auf Nachfrage des Richters gestand er kleinlaut ein, dass eventuell noch ein weiteres Verfahren auf ihn zukommen könnte. Wieder ging es um Computer. „Ich bin kürzlich auf einer Müllhalde angetroffen worden, wo ich nach Computerteilen gesucht habe“, gab er zu. So kann es sein, dass die Bewährung kippt.

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