Barkenberg ist ein reizvoller Ortsteil von Dorsten mitten im Grünen - die Belvona will die Wohnqualität in ihrem Viertel deutlich erhöhen. © www.blossey.eu
Energiewende

4.100 Haushalte heizen mit Strom – den könnten lokale Windräder liefern

Ein Ortsteil in Dorsten heizt mit Strom. Was für 4.100 Haushalte ein Segen war, ist heute ein Fluch. Windräder und Wasserstofftechnik könnten die Energiewende herbeiführen. Auch anderenorts.

Dieter Mende ist in Haltern geboren und hat dort lange Jahre gelebt. Heute wohnt der Elektrotechniker und Netzwerker in Dorsten-Lembeck. Wegen seiner langjährigen und guten Kenntnisse der Region und der Energiewirtschaft weiß er, wie man Hauptakteure im Energiesektor und in den Gemeinden in der Metropole Ruhr zusammenbringen kann, um die Energiewende herbeizuführen.

Dieter Mende ist nebenberuflich seit Januar 2003 für das Anwenderzentrum h2herten als Schlüsselfigur zwischen Kooperationspartnern tätig, die die Energiewende über die Ausschöpfung von Windenergie, Solarenergie und Brennstoffzellen vorantreiben möchten. © privat © privat

„Landes- und bundesweit denken und vor Ort handeln ist kein Widerspruch, sondern vielmehr dynamische Energiepolitik. Die Energiewende ist sehr viel mehr, als nur die zunehmende Nutzung der Erneuerbaren Energien“, sagt Dieter Mende. Er sieht im „grünen Wasserstoff“ einen bedeutenden Energieträger und Energiespeicher in einer zukunftsfähigen Infrastruktur in der Energiewende.

Ehrenamtlich tätiger Netzwerker

Dieter Mende hat bei seinen Aktivitäten als ehrenamtlich tätiger Netzwerker in dem von ihm 1995 gegründeten Energiedialog „Energie-Energiewirtschaft-Zukunftsenergien“ (EEZ) unermüdlich die Strippen gezogen, um Ideen zu sammeln, Energieversorger und Energielieferanten an einen Tisch zu bringen und EU-Gelder zu akquirieren. Damit sollen lokale CO2-neutrale Projekte angestoßen werden. Eines davon könnte kurzfristig mithilfe von Fördermitteln der EU im Dorstener Ortsteil Wulfen-Barkenberg umgesetzt werden.

Die Idee: „Die Stromerzeugung von regionalen und älteren Windkraftanlagen, deren Förderzeitraum nach 20 Jahren endet, zu nutzen, um die Nachtspeicheröfen in den 4.100 Haushalten in Wulfen-Barkenberg direkt damit zu beliefern“, sagt Mende. Die größte Herausforderung der Energiewende sei lange Zeit der Transport und die Speicherung erneuerbarer Energien aus Wind- und Sonnenenergie gewesen.

Windenergieanlagen in Lembeck und Heiden könnten den Strom für die Barkenberger Haushalte direkt liefern. © privat © privat

„Die großen deutschen Energieversorger zahlten und zahlen noch Abermillionen Euro an andere europäische Länder, damit sie uns den Strom aus Erneuerbaren Energien abnehmen.“ Damit der Strom hierzulande gespeichert werden kann, gibt es nun aber eine tragfähige und klimaneutrale Lösung. „Die Speicherung von Energie in Wasserstoff und deren Rückgewinnung durch Brennstoffzellen“, sagt Mende. Das Know-how und die technischen Möglichkeiten des Wasserstoffzentrums h2herten bieten sich dafür an.

Herten war einst die größte Bergbaustadt Europas

Energie, so Dieter Mende, war in den vergangenen 135 Jahren in Herten immer ein dominierendes Thema: erst als größte Bergbaustadt Europas, heute als einer der bedeutendsten Standorte für die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie. „Wegweisend ist hierbei auch die Gewinnung von sogenanntem grünem Wasserstoff durch Windstromelektrolyse“, erklärt Mende. Darauf sei h2herten spezialisiert. Das Zentrum gewinne Strom aus Wasserstoff. So werde auch sichergestellt, dass die Barkenberger Haushalte in einer Windflaute zuverlässig ihren Strom weiter beziehen können.

Das Zentrum von h2herten ist der Dreh- und Angelpunkt für den Energiespeicher Wasserstoff. Windkraftanlagen in Dorsten und um Dorsten herum liefern den Strom für die Brennstoffzellen- und Wasserstofftechnik. © privat © privat

Die Wasserstoff-Brennzellentechnik ist mittlerweile bundes- und europaweit anerkannt. Als Mende 1995 erstmals seine Idee vom Energiespeicher Wasserstoff vortrug, wurde er entweder müde belächelt oder „gleich als Spinner abgetan“. Sein Image hat sich wegen seiner Aktivitäten und seiner guten Vernetzung mit Entscheidungsträgern in der Politik und Wirtschaft seitdem erheblich verbessert. Zahlreiche Referenzen, etwa von der Energieagentur NW, der Städte Dortmund, Gelsenkirchen und Herten, weisen ihn als Mann mit Fach- und Sachverstand zur Wasserstoff-Brennstoffzellentechnik aus.

Konzept für die Direktlieferung steht

Das Konzept für die direkte Stromlieferung an Wulfen-Barkenberger Haushalte steht laut Information von Dieter Mende nun schon in weiten Teilen. „Es fehlt lediglich die Zustimmung von Westnetz, langfristig als Stromlieferant zu fungieren.“ Grundsätzlich sei das Versorgungsunternehmen aber wohl interessiert an dem Projekt, den Wind- und Wasserstoffstrom nach Barkenberg durchs Netz zu leiten.

Die Chancen auf eine Förderung des Projektes Speicherstadt Barkenberg stehen laut Dieter Mende sehr gut. „Wir haben vorher bei der EU gefragt, was genau Aussichten auf eine Projektbewilligung hat und unser Konzept nach den Vorstellungen der EU formuliert.“ Millionen von Euro an Fördergeldern stünden europaweit zur Verfügung, hat Mende dabei erfahren. „Das Geld für die Begleitung und Finanzierung der Energiewende wird aber noch viel zu selten abgerufen.“

Westnetz äußert sich zurückhaltend

Westnetz äußert sich zurückhaltend, ist aber dem Thema Wasserstoff nicht abgeneigt: „Westnetz steht zu diesen Themen im Austausch mit der Stadt Dorsten. Wir prüfen alle Möglichkeiten für die 2100 Gebäude in Dorsten-Wulfen, von denen 80 Prozent mit Heizstrom versorgt werden“, sagt uns Unternehmenssprecherin Katrin Frendo. Prinzipiell sei ihr Unternehmen überzeugt, „dass Wasserstoff einen wesentlichen Beitrag zur Dekarbonisierung von Industrie, Verkehr und Wärmeerzeugung leisten wird. Wasserstoff ist ein entscheidender Faktor, um die noch einmal verschärften Klimaziele zu erreichen. “

Die Barkenberger Versorgung mit CO2-neutraler Stromerzeugung könnte eine positive Ausstrahlung auf andere Regionen haben. 3.818 Windräder gibt es in Nordrhein-Westfalen. Weitere sind in Planung. Für viele der älteren Anlagen im Land (2.670) endet jetzt der 20-jährige Förderzeitraum. Der Strom wird danach ungefördert vermarktet, wie das Beispiel der Anlagen in Heiden und Lembeck zeigt. „Entscheidend ist, dass die lokalen Energieversorger mitspielen und die Durchleitungsverträge besiegeln“, so Dieter Mende.

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Über die Autorin
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Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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