Millionen Zigaretten lagerten unter anderem in einer Castrop-Rauxeler Garage. (Symbolbild) © picture alliance / Carsten Rehder/dpa
Prozessauftakt am Landgericht Bochum

35,7 Millionen Schmuggelzigaretten: Garage in Castrop-Rauxel im Fokus

Eine XXL-Garage in Castrop-Rauxel soll jahrelang Umschlagplatz für eine professionelle Zigarettenschmuggler-Bande gewesen sein. Seit Dienstag steht ein weiterer Verdächtiger vor Gericht.

Mit einem weitreichenden Geständnis hat am Dienstag am Bochumer Landgericht ein zweiter Prozess um einen professionell organisierten Zigaretten-Schwarzhandel im Ruhrgebiet begonnen.

Es geht erneut um 35,7 Millionen Schmuggelzigaretten und fast sechs Millionen Euro Zoll- und Steuerschaden. Lagerstätte für die Schmuggler soll unter anderem auch eine XXL-Garage in Castrop-Rauxel gewesen sein.

„Dritter Mann“ angeklagt

Knapp acht Monate nach den Verurteilungen zweier Männer aus Oer-Erkenschwick und Herten ist nun vor der 6. Wirtschaftsstrafkammer auch der monatelang untergetauchte „dritte Mann“ des mutmaßlich hauptverantwortlichen Betrüger-Trios angeklagt.

Der 45-Jährige war im Herbst 2020 durch Zufall festgenommen worden, als er sich offenbar völlig unbedacht in Herne für eine Wohnung offiziell anmelden wollte.

Das mutmaßliche Schmuggler-Trio soll von 2016 bis Oktober 2019 mit unverzollten und unversteuerten Zigaretten aus dem Baltikum einen Großhandel aufgezogen haben.

Der Zigarettenschmuggel-Prozess findet am Bochumer Justizzentrum statt.
Der Zigarettenschmuggel-Prozess findet am Bochumer Justizzentrum statt. © Werner von Braunschweig © Werner von Braunschweig

Der jetzt Angeklagte soll sich überwiegend um „die Entgegennahme und den Absatz“ der Zigaretten gekümmert, die anderen um den Zigarettenankauf, die Finanzierung und die Auswahl der verschiedenen Lagerstätten. Ihre illegalen Tätigkeiten sprachen die drei eng ab, um so reibungslose Abläufe zu ermöglichen“, heißt es in der Anklageschrift.

Garage in Castrop-Rauxel war Lagerstätte

Als Umschlagplätze für die in Kleintransportern aus Osteuropa eingeschmuggelten Zigaretten diente laut Anklage vor allem eine XXL-Garage in Castrop-Rauxel. Aber auch in Waltrop, Bottrop und Herne hatte die Gruppierungen ähnliche Lagergaragen angemietet. Vor dort aus sollen sich sogenannte Zwischenhändler der Gruppierung immer wieder aufs Neue bedient haben und danach ausgeschwärmt sein, um ihre Stammkunden zu bedienen.

5,7 Millionen Euro Steuerschaden

Vor allem der Preis der Vollfälschungen der Zigarettenmarke L&M (eine „Schmuggelstange“ kostete nur knapp 18 Euro) machte zahlreiche Raucher regelrecht „heiß“: Im konkreten Fall sollen dem Staat bei 178.566 eingeschmuggelten und verkauften Stangen insgesamt 5,7 Millionen Euro Tabaksteuer entgangen sein.

Bereits im Juni 2020 waren die zwei mutmaßlichen Komplizen des 45-Jährigen am Landgericht in Bochum zu Haftstrafen von vier Jahren und elf Monaten beziehungsweise vier Jahren und vier Monaten verurteilt worden. Seinerzeit war im Prozess von dem nun Angeklagten zwar bereits die Rede, der 45-Jährige aber an einem unbekannten Ort untergetaucht. Für den Prozess sind vorerst noch Verhandlungstage bis zum 23. Februar 2021 anberaumt.

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