24-Stunden-Job im Hundehotel Peacock‘s Manor: „Das ist mein Traumberuf.“

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Peacock’s Manor heißt die Hundepension am nördlichsten Zipfel Castrop-Rauxels. Urlaub gibt es für Besitzer Benjamin Pfau und seine Familie nicht. Trotzdem sagt er: „Das ist mein Traumberuf.“

Becklem

, 17.08.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 4 min

Am nördlichsten Zipfel von Castrop-Rauxel, im letzte Haus vor Recklinghausen sozusagen, gibt es ein Hotel. Nur sind die Gäste hier keine Menschen, sondern in erster Linie Hunde, Katzen und Pferde.

Das Peacock’s Manor von Benjamin Pfau (35) ist seit 2011 eine Hunde- und Katzenpension. Der alte Bauernhof hat heute mit Landwirtschaft eigentlich nichts mehr zu tun. „Hier steht und fällt alles mit der Kleintierbetreuung. Und zwar an 365 Tagen im Jahr“, sagt Benjamin Pfau.

24-Stunden-Job im Hundehotel Peacock‘s Manor: „Das ist mein Traumberuf.“

© Tobias Weckenbrock

„Für mich ist es ein absoluter Traumjob.“
Benjamin Pfau
24 Hunde, 30 Katzen und 15 Pferde

In 12 Boxen kommen auf Peacock’s Manor bis zu 24 Hunde unter, zwischen 20 und 30 Katzen kann die Tierpension aufnehmen und in 15 Boxen gibt es Platz für Pferde.

Alles ist ein reiner Familienbetrieb, wie Pfau betont. Seine Frau Janine, die Eltern, der Bruder - alle packen mit an. Jeden Tag im Jahr. Einzige Ausnahme: Sonntags können die Gäste nicht an- oder abreisen. Für die Tiere ist Familie Pfau natürlich trotzdem da.

Die berufliche Erfüllung fand Pfau bei den Hunden

Das letzte Mal im Urlaub waren Benjamin und Janine Pfau 2010. Also ein Jahr vor der Eröffnung der Tierpension (2011). „Für mich ist es ein absoluter Traumjob“, sagt Pfau. Bevor der professionelle Tierhotelier eine Ausbildung zum Tierpfleger gemacht hat, war er aber beruflich auch noch anderweitig unterwegs.

Erst absolvierte er eine kaufmännische Lehre, dann eine zweite für landwirtschaftlichen Maschinenbetrieb. Die Erfüllung fand Pfau aber bei Hunden. Zunächst in der Zucht von englisch Bulldoggen.

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Vom Hundezüchter zum Hundehotelier

„Die neuen Besitzer der Bulldoggen haben dann gefragt, ob wir denn nicht die Hunde auch mal betreuen können, wenn sie im Urlaub sind.“ So entstand die Idee, mit dem Hotel für Hunde und Katzen.

24-Stunden-Job im Hundehotel Peacock‘s Manor: „Das ist mein Traumberuf.“

Mehrmals am Tag dürfen die Hunde auf Peacok‘s Manor raus aus dem Zimmer. Dann wird Gassi gegangen oder sie dürfen sich auf dem Außengelände der Hundepension austoben. © Tobias Weckenbrock

„Aber für eine Hundepension hat man so viele gesetzliche Auflagen und Vorschriften, dass wir die Zucht haben komplett einschlafen lassen und dann das Hauptaugenmerk auf die Betreuung der Gäste gelegt haben.“

Very British

Woher kommt der Name Peacocks Manor?

  • Weil Benjamin und Janine Pfau früher englische Bulldoggen gezüchtet haben, ist auch der Name dem englischen entlehnt.
  • Peacock ist die englische Übersetzung für Pfau, also dem Familiennamen.
  • Manor bedeutet Anwesen.
  • Auf deutsch heißt Peacocks Manor also „Pfaus Anwesen“.

Fast wie in einer Kita

Neben den Urlaubsgästen sind mittlerweile sechs Hunde als Dauergäste auf Peacock’s Manor untergebracht. Das heißt, die Besitzer bringen sie morgens hin und holen sie abends wieder ab.

Fast wie in einer Kita. Start ist morgens um 6 Uhr. Die berufstätigen Herrchen gehen vorher nicht Gassi mit den Hunden, also steht das als Erstes an. Dann gibt es Frühstück und anschließend ist Spielzeit.

Auf dem knapp 5000 Quadratmeter großen Außengelände können die Gäste sich so richtig auspowern. Mittags gibt es eine Ruhepause, bevor das Programm nachmittags wieder anfängt.

24-Stunden-Job im Hundehotel Peacock‘s Manor: „Das ist mein Traumberuf.“

Benjamin Pfau führt auf dem alten Hof Berkel in Becklem eine Hunde- und Katzenpension. © Tobias Weckenbrock

Einzelhaltung oder Gruppenbetreuung?

Währenddessen kümmert sich Janine Pfau als ausgebildete Tierarzthelferin um die Katzen. Etwa 15 bis 20 Stubentiger sind immer in Peacock’s Manor untergebracht. Wahlweise in Einzel- oder in Gruppenhaltung.

Um Konflikte zwischen den Tieren zu vermeiden, arbeiten die Pfaus immer mit den Informationen, die sie von den Besitzern bekommen. „Manche sagen, der geht nicht mit größeren/kleineren, dieser oder jener Rasse“, erläutert Benjamin Pfau.

Fernseher für Hunde

Damit die Tiere in der Ruhezeit auch ordentlich entspannen können, hat jeder Hund auch einen eigenen Fernseher und eine Musikanlage auf seinem Zimmer. Ja, richtig gelesen.

24-Stunden-Job im Hundehotel Peacock‘s Manor: „Das ist mein Traumberuf.“

Jeder Hund hat einen eigenen Fernseher. Meistens läuft hier Entspannungsmusik, damit die Tiere sich besser einleben können. © Tobias Weckenbrock

„In erster Linie läuft da Entspannungsmusik“ sagt Pfau. Einige Hunde kennen das von zu Hause. Da laufen Radio oder Fernseher dann auch schon mal. Es schaffe für die Tiere ein Stück weit Vertrautheit.

Preise

Was zahlt der Kunde?

  • Hund: 25 Euro pro Tag.
  • Katze: 15 Euro (Einzelzimmer) und 12 Euro (in Gesellschaft) pro Tag.
  • Auf Peacocks Manor machen alle Gäste all-inclusive Urlaub. D.h. in den Preisen sind Unterbringung, Betreuung und Futter enthalten.
  • Kontakt und weitere Informationen gibt es auf der Homepage von Peacock’s Manor.

Gerade in der Eingewöhnungsphase helfe das den Tieren. „So kann man denen beibringen, dass es hier gar nicht so schlimm ist. Dass die Welt gar nicht so böse ist. Wir sind lieb, hier meckert keiner, hier schreit keiner.“

Wenn Herrchen und/oder Frauchen dann nach dem Urlaub die Tiere wieder abholen, „gucken die einmal, sehen Herrchen/Frauchen, denken sich ‚super‘, und wollen wieder rein“, sagt Pfau. Das heiße nicht, dass es bei ihm besser sei als zu Hause, nur anders eben.

Durch das Programm über den ganzen Tag ist immer Action angesagt. Langeweile kommt nicht auf.

Alles auf eine Karte

Dass das Konzept so gut funktionieren würde, hatten die Pfaus sicherlich gehofft, als sie den Hof 2008 von Josef Berkel gekauft haben und alles auf eine Karte setzten. Viel musste umgebaut werden.

„Der Hof war damals eben ein klassischer Bauernhof. Das hat sich mit meinen Ideen nicht so vertragen“, sagt Pfau. Also wurde viel um-, bzw. neugebaut und abgerissen.

Jetzt sei Peacocks Manor für die Pfaus auch so etwas wie ihr Wohnzimmer. Aus gutem Grund. „Wenn wir Feierabend machen, so gegen 22 bis 23 Uhr, dann ist nicht mehr viel zu Hause. Dann machst du dich noch sauber und am nächsten Tag spätestens gegen 6 Uhr bist du wieder hier.“

Arbeiten rund um die Uhr

Also dienstfrei nur nachts? Nicht ganz, denn auch dann muss man auf einige Gäste ein Auge haben. „Weil wir sehr oft stark kranke Tiere hier haben. Diabetiker, Epileptiker, stark herzkrank.“ Deswegen sind alle Bereiche auch videoüberwacht. So hat Pfau notfalls auch nachts ein Blick aufs Geschehen.

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Die Gästezimmer auf Peacock‘s Manor sind komfortabel eingerichtet. © Tobias Weckenbrock

Hinschauen ist dabei für die Tierhoteliers das eine, handeln das andere. „Wir mussten sämtliche Schulungen besuchen, damit wir auch spritzen dürfen.“ Die haben die Pfaus übrigens auch für die Betreuung der sogenannten Listenhunde.

Das Angebot von Peacock’s Manor ist bei Tierbesitzern offensichtlich sehr beliebt. Die Kunden kommen aus dem weiten Umkreis, sagt Benjamin Pfau. Witten, Bochum, Dortmund und Castrop-Rauxel natürlich.

Und der Kreis werde immer größer, „weil immer mehr Pensionen zumachen. Das können wir hier gar nicht nachvollziehen, denn die Nachfrage ist da.“

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Partyscheune und Ferienwohnung

Neben der Tierbetreuung bietet Peacock’s Manor aber auch noch ein Angebot für Menschen: die Partyscheune. Besonders im Sommer sei die sehr beliebt. Bis zu 100 Gäste können hier feiern, grillen und so laut sein wie sie wollen. „Die nächsten Nachbarn in jede Richtung sind einige hundert Meter weit weg.“

Auch Hochzeitsgesellschaften sind hier regelmäßig zu Gast. Das ländliche, rustikale sei sehr beliebt. „Und natürlich ist die Umgebung mit den Tieren hier auch toll für Kinder“, sagt Pfau.

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Blick vom Parkplatz auf die Hundepension Peacock‘s Manor in Becklem. © Tobias Weckenbrock

Übrigens: Wer seinen Hund lieber gleich mit in den Urlaub nehmen möchte, kann sich ebenfalls bei Benjamin Pfau melden. Denn er vermietet auch noch Ferienhäuser an der Nordsee. Zwischen Bremerhaven und Cuxhaven.

„Eigentlich wollten wir das Haus nutzen, um uns auch mal ein wenig zurückziehen zu können“, erklärt Pfau den Grund des Kaufs. Aber die Gäste hätten nach einer Mietmöglichkeit gefragt und so sei das Ganze zu einem weiteren Geschäftszweig geworden. Natürlich gilt auch hier: Hunde sind herzlich willkommen.

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