21-Jähriger sagte aus, um den eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen

Betrug bei Ebay

Eine 60-jährige Frau war angeklagt, mit einem fingierten Ebay-Angebot mehrere Käufer betrogen zu haben. Doch sie wurde selbst betrogen und am zweiten Verhandlungstag freigesprochen.

Castrop-Rauxel

, 16.06.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Um ein Fitness-Armband (Symbolbild) ging es vor dem Amtsgericht Castrop-Rauxel.

Um ein Fitness-Armband (Symbolbild) ging es vor dem Amtsgericht Castrop-Rauxel. © dpa / Michel Winde

Bereits im März war eine 60-jährige Frau angeklagt, im Mai 2018 über die Kleinanzeigen-Plattform ein hochwertiges Fitness-Armband zum Verkauf angeboten zu haben.

Und das nicht nur einmal. Nachdem der erste Interessent bereit war, 85 Euro zu zahlen, wurde exakt dieses Armband noch drei weitere Male erfolgreich verkauft. Für 80, 50 und zuletzt 75 Euro.

Angeklagte lenkte Verdacht auf Bekannte

„Ich weiß nichts davon“, hatte die Angeklagte vor drei Monaten im Castrop-Rauxeler Amtsgericht beteuert. Sie wisse gar nicht, wie man diesen Online-Handel betreibt. Das Guthaben-Konto bei der lokalen Bankfiliale gehöre aber tatsächlich ihr. Jeweils zu Monatsbeginn hebe sie das Arbeitslosengeld II ab. Mehr nicht.

Ein böser Kommentar auf Facebook ließ sie damals aufmerken. Der Absender reklamierte die Zusendung der bezahlten Ware. Da habe sie geahnt, dass ihr wohl übel mitgespielt worden sei, so die Angeklagte in der ersten Verhandlung. Und hatte einen Verdacht geäußert.

Der fiel auf die Tochter ihrer – damals – besten Freundin, die im selben Haus wohnte. Die heute 18-Jährige sei mit einem Bekannten bei ihr gewesen, habe darum gebeten, ihr Konto für ein paar Gutschriften und die entsprechenden Abhebungen nutzen zu dürfen, da sie selbst über kein eigenes Bankkonto verfüge.

Die 60-Jährige willigte gutgläubig ein, händigte die Karte aus, nannte die Pin-Nummer. Ein Freundschaftsdienst, der sie vor Gericht brachte. Jetzt, zum zweiten Verhandlungstag, konnte sie nicht kommen, lag im Krankenhaus. Dafür war nun zumindest ein Zeuge da. Während von der 18-Jährigen keine aktuelle Adresse bekannt war, war der junge Mann aus dem Frankfurter Raum erschienen.

Zeuge wusste bei Vernehmung von Betrug

Der 21-Jährige machte es dem Richter nicht leicht. „Hab nix damit zu tun“, sagte er und gab sich zunächst ahnungslos. Erst als der Richter zunehmend ärgerlich wurde, ließ er sich zu ein paar weiteren Angaben bewegen. Auch, um sich vor angedrohten Konsequenzen zu retten. Gab zu, von dem Betrug, den die Schwester seiner Freundin eingefädelt habe, gewusst zu haben. Er selbst habe früher auch schon mal Leute über Ebay geprellt, sei bei dieser Sache aber unbeteiligt gewesen.

Er sei einfach nur mitgegangen, als sich die 18-Jährige die Kontokarte der Angeklagten besorgt habe. Von dem ergaunerten Geld, 290 Euro insgesamt, habe er keinen Cent erhalten.

Für Staatsanwaltschaft und Richter war klar, dass die Angeklagte wirklich unschuldig war, sie wurde trotz Abwesenheit freigesprochen. Doch der Fall wird das Gericht wohl noch weiter beschäftigen. Die 18-Jährige, die im Gericht schon länger keine Unbekannte mehr ist, wird nun Post von der Staatsanwaltschaft erhalten.

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