Castrop-Rauxel, der Kreis Recklinghausen und die Umgebung, die man als Castrop-Rauxeler zurzeit noch betreten darf. © Google / Tobias Weckenbrock
Coronavirus

15-Kilometer-Regelung: Unverständnis überwiegt in Castrop-Rauxel

Die neue 15-Kilometer-Regelung sorgt für viel Verwirrung und Unverständnis in Castrop-Rauxel. Auch bei FDP-Chef Nils Bettinger, dessen Partei ja mit in der Landesregierung vertreten ist.
Nils Bettinger verteidigt seine neue Idee für die Xscape-Fläche.
Nils Bettinger verteidigt seine neue Idee für die Xscape-Fläche. © Volker Engel © Volker Engel

Die Reaktionen aus Castrop-Rauxel auf die am Montagabend (11.1.) vom Land NRW nun doch überraschend verhängte 15-Kilometer-Regel sind fast einhellig negativ. Zumal die Regelung, die am späten Abend verkündet wurde, viel Deutungsspielraum gelassen hat.

Eine Reaktion auf unseren ersten Bericht dazu auf Facebook fasst die Sicht vieler Menschen recht gut zusammen: „Hoffe dieser armin laschet erklärt heute ,warum die hotspots „bottrop, gelsenkirchen und Bielefeld“ aus der verordnung genomm wurde. Und warum es keine allgemeine verordnung für die 15 km regel gibt… Jetzt wird man ja echt im kreis re gemobbt.“ (Originalversion)

Vielfach verbales Kopfschütteln

Diese Reaktion spricht einen Punkt an, der vielfach für verbales Kopfschütteln sorgt, nämlich die bisher aus Düsseldorf unkommentierte Tatsache, dass die drei Städte Gelsenkirchen, Bielefeld und Bottrop trotz ebenfalls weit über der 200er-Marke liegender Corona-Inzidenzen bei der neuen Regionalverordnung außen vor gelassen wurden; obwohl sie nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur zunächst ebenfalls Bestandteil der neuen Verordnung waren.

Eine zweite Reaktion spricht einen weiteren Missstand der Verordnung an, nämlich ihre fehlende Eindeutigkeit: „Kann mir jemand beantworten, wie sich das auf die Leute auswirkt die in Castrop arbeiten, aber garnicht da wohnen ?! Falls die Frage blöd rüber kommt, sorry. Aber man blickt bei den ganzen Regelungen doch garnich mehr durch.“

Zwar steht in der Verordnung dazu eine Erläuterung, aber allein die Frage der Radius-Gültigkeit sorgte für viel Verwirrung: 15 Kilometer um meine Wohnadresse? 15 Kilometer um den Stadtmittelpunkt? 15 Kilometer um die Stadtgrenzen? Oder gar 15 Kilometer um die Kreis-Grenzen? Das wurde und wird im Netz, aber auch auf der Straße und in den Büros in Castrop-Rauxel diskutiert.

Unsere Redaktion hat dazu beim Düsseldorfer Ministerium von Karl-Josef Laumann nachgefragt, um Klarheit zu haben.

Bettinger: Kontrolle ist unmöglich

Der lokale FDP-Chef Nils Bettinger, dessen Partei bekanntlich mit in der Landesregierung vertreten ist, fand auch kritische Worte für die Neuregelung: „Das ist meiner Meinung nach so eine Maßnahme, die das Vertrauen in andere Maßnahmen schwächt. Zum einen habe ich noch keinen Wissenschaftler gehört, der empfohlen hätte, bundesweit Menschen nicht mehr als 15km fahren zu lassen – zum anderen macht die Vielzahl der Ausnahmen es unmöglich, diese Vorgabe zu kontrollieren. Was bleibt ist ein Appell im Verordnungsgewand. Dabei besteht immer die Gefahr, dass man bei Verordnungen, deren Sinn und Zweck man nicht nachvollziehen kann, auch weitere Verordnungen infrage stellt und sie nicht mehr so ernst nimmt.“Es gibt aber auch Mahner, die diese Neuregelung als nachvollziehbaren Versuch verstehen, die Corona-Pandemie endlich in den Griff zu bekommen. Eine Castrop-Rauxelerin etwa kommentierte die Botschaft unter einem Hinweis von Bürgermeister Rajko Kravanja auf die neuen Regelungen mit folgendem Post: „Ich finde es Traurig das es soweit überhaupt kommen Muß wir reißen uns woche für Woche den Arsch auf gehen nirgends hin mit den Kindern und andere Tun als wäre nix los und fahren durch Die Welt Geschichte. unfassbar Leute haltet euch doch einfach dran um so schneller sind wir die kacke los lg“

„An erster Stelle steht die Vernunft“

Christoph Kirchhelle, allseits bekannter Braumeister aus dem Brauhaus Rütershoff, appellierte ebenfalls an den gesunden Menschenverstand: „An erster Stelle steht die Vernunft. Da brauch man keinem 15km-Radius sondern nur Verstand.“ Nicht weniger als 312 Kommentare erntete Rajko Kravanja mit seinem Eintrag auf seiner Facebook-Seite, in dem er auf die Neuordnung eingeht. Mehr als fast alle anderen Beiträge. Es zeigt, wie sehr das Thema die Menschen bewegt.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter

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