„Es ist in Castrop-Rauxel möglich, einen Neubau ohne Strafe komplett schwarz hochzuziehen“

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Kreishandwerksmeister Hans-Joachim Drath stellt der Bekämpfung der Schwarzarbeit in Castrop-Rauxel und im Kreis eine ganz schlechte Note aus. „Die funktioniert nicht“, so sein Urteil.

Castrop-Rauxel

, 21.02.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schwarzarbeit führt zum Verlust von Steuern und Sozialabgaben und bedroht die legal wirtschaftenden Betriebe. Um der Schwarzarbeit besser Herr zu werden, haben sich die Städte im Kreis Recklinghausen 2017 zusammen getan und finanzieren seitdem gemeinsam eine dreiköpfige Truppe, die Schwarzarbeit verfolgt.

Im Januar 2018 ist die Truppe gestartet, die im Jahr 266.700 Euro kostet. 2018 hat sie (personell noch nicht komplett) rechtskräftige Bußgelder in Höhe von insgesamt 120.306 Euro verhängt, im Jahr 2019 waren es 188.510 Euro. Kostendeckend ist das bisher also nicht.

Zusammenarbeit soll verlängert werden

Obwohl auch für die Zukunft keine Kostendeckung erwartet wird, schlägt die Stadtverwaltung der Politik nun vor, die interkommunale Zusammenarbeit um drei Jahre zu verlängern. Denn, so entnimmt man der Verwaltungsvorlage, die in der Vergangenheit geleistete Arbeit „wurde sowohl vom zuständigen Ministerium (...) des Landes NRW als auch der zuständigen Handwerkskammer äußerst positiv bewertet und gewürdigt“.

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Das sieht Kreishandwerksmeister Hans-Joachim Drath freilich ganz anders. Den hatte Ausschuss-Chef Nils Bettinger am Dienstag in den Wirtschaftsförderungs-Ausschuss eingeladen, in dem das Thema zur Abstimmung stand.

„Es ist in Castrop-Rauxel möglich, einen Neubau ohne Strafe schwarz hochzuziehen“, stellte Drath im Ausschuss seine Sicht der Dinge dar. Es gebe die Schwarzarbeits-Bekämpfungstruppe, „aber die funktioniert nicht“, sagte der Castrop-Rauxeler Dachdeckermeister unumwunden.

Hans-Joachim Drath, Kreishandwerksmeister, sieht keine Erfolge im Kampf gegen organsierte Schwarzarbeit.

Hans-Joachim Drath, Kreishandwerksmeister, sieht keine Erfolge im Kampf gegen organsierte Schwarzarbeit. © Carsten Sander

Denn die drei Stellen seien viel zu wenig, um im gesamten Kreisgebiet wirklich wirksam gegen Schwarzarbeit vorgehen zu können. „Wenn ich Schwarzarbeit beobachte und beim Zoll oder dem Ordnungsamt anrufe und das melde, finde ich erst einmal keinen zuständigen Ansprechpartner“, machte Drath den Missstand deutlich.

„Ich rede nicht vom kleinen Malergesellen, der nebenbei der Oma ihr Badezimmer anstreicht.“
Hans-Joachim Drath

Und selbst wenn dann irgendwann jemand zu einer gemeldeten Schwarz-Baustelle heraus käme, „dann sind die Jungs da schon seit zwei Wochen fertig und weiter gezogen“. Drath weiter: „Ich rede dabei nicht vom kleinen Malergesellen, der nebenbei der Oma ihr Badezimmer anstreicht. Ich rede hier von organisierter gewerbsmäßiger Schwarzarbeit kompletter Firmen.“

Der Ausschuss samt Bettinger zeigte sich von diesen Ausführungen Draths beeindruckt und verschob daher eine Entscheidung über die Weiterführung der interkommunalen Schwarzarbeits-Bekämpfung. Denn einen „zahnlosen Tiger“ müsse man nicht finanzieren. „Wenn das eh nichts bringt, können wir uns das Geld dafür auch sparen“, brachte es Manfred Fiedler (Grüne) auf den Punkt.

Spätestens in der nächsten Ratssitzung soll das Thema vor einer Entscheidung noch einmal eingehend thematisiert werden.

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