Zeit bis zum Start wird knapp! Etablierte BVB-Kräfte geben Rätsel auf

dzKommentar

Der BVB präsentiert sich bei der Saisoneröffnung als große Baustelle. Systemdebatte, viele Gegentore und Leistungsträger, die Rätsel aufgeben. Die Zeit bis zum Liga-Start wird knapp.

Dortmund

, 29.08.2020, 12:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Borussen könnten es sich leicht machen. Sie könnten den enttäuschenden Testspiel-Doppelpack auf ihre lange Verletztenliste schieben. Sie könnten die sieglose Saisoneröffnung damit begründen, dass sie zwei bunt zusammengewürfelte, und mit Talenten aufgefüllte Mannschaften ins Rennen geschickt haben. Dass die intensiven Trainingsbelastungen der jüngsten Tage für müde Beine gesorgt hätten. Und dass Testspielen in der Vorbereitung ohnehin keine große Bedeutung beizumessen sei. Was man als hoch ambitionierter deutscher Vizemeister nach zwei extrem schwachen Auftritten gegen zwei mittelmäßige Zweitligisten eben schnell so sagen könnte. Doch damit würde der BVB die Augen vor den Problemen verschließen, die sich am Freitagabend auf dem heimischen Trainingsspielfeld am Aki-Schmidt-Platz zuhauf auftaten.

Der BVB ist meilenweit von seiner Wettkampf-Form entfernt

Nach den jüngsten 180 Testminuten bleibt festzuhalten: Drei Wochen vor dem ersten Bundesligaspiel der neuen Saison ist Borussia Dortmund von der nötigen Wettkampf-Form meilenweit entfernt. Statt eines funktionierenden Teams sahen die vielen tausend BVB-Fans, die den Livestream der Testspiele verfolgten, eine schwarzgelbe Baustelle, auf der noch eine Menge an Arbeit zu erledigen ist.

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Zwar fehlten im Testspiel-Doppelpack einige Stützen wie Raphael Guerreiro, Marco Reus oder Neuzugang Thomas Meunier, doch gegen Paderborn standen noch immer sieben Nationalspieler mit internationaler Erfahrung plus einige Top-Talente im BVB-Trikot auf dem Platz. Auch gegen Bochum bestand das Gros aus gestandenen Profis. Doch gerade die etablierten Kräfte gaben Rätsel auf. Emre Can leistete sich einige eklatante Fehlpässe, Jadon Sancho wirkte ideenlos, der eigentlich als Mentalitätsmonster bekannte Erling Haaland eher lustlos. Wenn Borussen positiv auf sich aufmerksam machten, dann waren es eben die Youngster aus der eigenen Talentschmiede wie Immanuel Pherai, Torschütze gegen Paderborn, oder der sehr agile Ansgar Knauff, die sich für weitere Chancen empfahlen.

Fehlende Power in der BVB-Offensive, große Lücken in der Abwehr

Offensiv gelang der Borussia wenig, es fehlte an Power und Dynamik, defensiv offenbarte der BVB mitunter große Lücken. Die anvisierte Rückkehr zur Viererkette dürfte das Trainerteam nach sieben Gegentoren in den jüngsten drei Tests gegen Feyenoord, Paderborn und Bochum nun noch einmal überdenken. Zumindest wäre das ratsam. Sogar Cheftrainer Lucien Favre kam nicht umher, „ein paar dumme Gegentore“ zu bilanzieren.

Eine Frage, die sich Favre darüberhinaus gefallen lassen muss, ist die nach seiner gewählten Formation. Warum mischt er die Teams bunt zusammen? Warum schickte er nicht zumindest in einem der Testspiele eine solche Elf auf den Rasen, die sich einspielen kann für den Saisonstart? Denn es dürfte womöglich die letzte Chance dafür gewesen sein: Zum finalen Testspiel am 7. September gegen Sparta Rotterdam werden die meisten Nationalspieler - und damit etliche Stammkräfte des BVB - noch nicht wieder von ihren Länderspielreisen zurück sein. Was ein weiteres Problem aufzeigt: Lucien Favre ist in seinen Möglichkeiten, in den nächsten Tagen am Feinschliff seines Teams zu arbeiten, arg eingeschränkt. Die Zeit, bis zum Saisonstart gegen Gladbach auf das Top-Niveau zu kommen, wird jetzt eng.

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