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Dan-Axel Zagadou durchlebte seine zweite BVB-Saison im Wechselbad der Gefühle. Überragend die Hinrunde, zum Vergessen das Ende. Doch seine Perspektiven sind besser als vor einem Jahr.

Dortmund

, 10.06.2019 / Lesedauer: 5 min

In jede Richtung durfte und musste Dan-Axel Zagadou in der abgelaufenen Saison erleben, wie schnell sich das Rad dreht in der Fußball-Bundesliga, wie schnell sich Dinge zum Vor- oder Nachteil entwickeln können. Die Rot-Sperre von Abdou Diallo spülte ihn am 5. Spieltag urplötzlich in die Startelf, diese Chance nutzte der Franzose eindrucksvoll. Nach einer langwierigen Mittelfuß-Verletzung im Winter aber war er seinen Stammplatz wieder los – und kam in der Rückrunde nicht mehr in Tritt.

Erst Notnagel hinten links dann chancenlos unter Stöger

Wer Dan-Axel Zagadou im vergangenen Sommer beobachtete, der sah wenig Gründe, an eine erfolgreiche BVB-Zukunft des seit einer Woche 20-Jährigen zu glauben. Zagadou hatte ein schwieriges Eingewöhnungsjahr in Dortmund hinter sich, wo er als Notnagel zum Linksverteidiger umgeschult worden war und in der Rückserie, als sich die Borussia mühsam in die Champions League quälte, unter Peter Stöger gar keine Berücksichtigung mehr fand. Ein Muskelbündelriss beendete die Spielzeit schon im März – und als er im Sommer wieder gesund war, wirkte er irgendwie verloren, fast wie ein Fremdkörper.

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Zagadou war nun wieder innen eingeplant, verlor das Rennen um einen Stammplatz aber gegen Neuverpflichtung Abdou Diallo. Der war ein Wunschspieler des neuen Trainers Lucien Favre. Das Blatt wendete sich, als Diallo in Hoffenheim die Rote Karte sah. Die darauf folgende Partie, das 7:0 gegen den 1. FC Nürnberg, nutzte Zagadou. Er spielte grundsolide 90 Minuten, ohne groß gefordert zu sein. Das war ein Anfang, daraus zog er Selbstvertrauen.

Favre lobt „fantastische Entwicklung“ von Zagadou

Und es half ihm auch, dass Diallo durch die Verletzung von Marcel Schmelzer nach abgesessener Sperre links aushelfen musste. Zagadou spielte weiter gut, nahm jede Partie als Chance. Auch Favre lobte seine „fantastische Entwicklung“, einen Grund, den Franzosen aus dem Team zu nehmen, gab es nicht. Urplötzlich war Dan-Axel Zagadou gesetzt – und nach starken Leistungen in Serie aus der Mannschaft gar nicht mehr wegzudenken.

„Er hat großes Potenzial, er ist sehr professionell in der täglichen Arbeit. Das zahlt sich jetzt aus.“
Michael Zorc

„Er musste lange warten“, gesteht Lizenzspielerleiter Sebastian Kehl, „aber als er die Chance bekam, hat er sie vom ersten Tag an wahrgenommen.“ Auch Sportdirektor Michael Zorc, ohnehin ein Fan des bulligen Hünen, lobte den 1,96-Meter-Mann „mit der Figur eines Türstehers“ im Herbst in den höchsten Tönen. Zagadous Entwicklung, so Zorc, überrasche ihn nicht. „Er hat großes Potenzial, er ist sehr professionell in der täglichen Arbeit. Das zahlt sich jetzt aus.“

Zagadou ist der beste Zweikämpfer der Liga

Das Gefühl für den richtigen Zeitpunkt beim Tackling ist nur eine der Stärken des 20-Jährigen. Mit 70 Prozent gewonnener Duelle ist er der beste Zweikämpfer der Bundesliga. Sein Auge und seine Qualitäten beim Aufbaupass (91 Prozent Zuspielquote) sind auffällig, er scheut auch den Risiko-Ball ins tiefe Zentrum nicht. Der kam deutlich öfter an als nicht – und genau solche Spielertypen mag Favre.

Mit nur 13 Fouls in seinen 17 Bundesliga-Partien weist Zagadou eine weitere bemerkenswerte Statistik auf, die sich allerdings unterschiedlich werten lässt. Oft gelingt es ihm, eine knifflige Aufgabe durch sein gutes Stellungsspiel zu lösen, ohne dass er zu einem Foul gezwungen wäre. Das ein oder andere Mal resoluter zu sein, auch mal ein taktisches Foul zu begehen, um brenzlige Situationen schon in der Entstehung zu stoppen, gehört allerdings zu den Punkten auf der To-do-Liste für seine weitere Entwicklung.

Lange Pause kostet Zagadou den Rhythmus

Als er sich den Fuß vertrat beim 2:0-Heimsieg über den SC Freiburg am 1. Dezember, ahnte Zagadou wohl nicht, dass ihn diese Blessur über lange zwei Monate beschäftigen sollte. Er kehrte erst zum Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Tottenham zurück ins Team, doch die lange Pause hatte ihn Rhythmus und Form gekostet.

Zagadous Saison war ein Wechselbad der Gefühle - jetzt droht mehr Konkurrenz in der BVB-Abwehr

Fehlende Spielpraxis, fehlender Rhythmus. Seit dem Winter kam Dan-Axel Zagadou nicht mehr richtig in Fahrt. © imago

Zagadou kam nicht mehr in Tritt im weiteren Saisonverlauf. Ihm unterliefen einfache und grobe Fehler. So wie vor dem 0:1 in Augsburg, als er ausrutschte. So wie beim 0:5 in München, als er Robert Lewandowski den Ball aus drei Metern in die Füße spielte. Fehler, die sofort zu Gegentoren führten – und die auch zur Folge hatten, dass es mit seinem Selbstvertrauen nicht mehr weit her war. Das Saisonende verpasste er mit Knieproblemen und fuhr quasi ohne Spielpraxis zur U20-Weltmeisterschaft, die gerade in Polen läuft.

Zagadou scheitert mit Frankreich im Achtelfinale

Dort allerdings durfte er einige Erfolgserlebnisse feiern. Er traf zum wichtigen 1:0 beim mühsamen 2:0 gegen Panama und führte als Kapitän der Franzosen seine Mannschaft ungeschlagen ins Achtelfinale. Der Mit-Favorit schien auf Kurs, doch im K.o.-Duell mit den USA gab es eine unliebsame Überraschung. Nach dem 2:3 im Achtelfinale ist das Turnier für Zagadou beendet. Persönlich sicher eine Enttäuschung, seinen Klub in Dortmund hingegen dürfte es freuen, denn er wird nun pünktlich zum Trainingsstart am 3. Juli zurückerwartet.

Zagadous Saison war ein Wechselbad der Gefühle - jetzt droht mehr Konkurrenz in der BVB-Abwehr

Dan-Axel Zagadou leistete sich in der Rückrunde den ein oder anderen groben Schnitzer - wie hier vor dem 0:2 gegen Bayern München, als er Robert Lewandowski den Ball unbedrängt in die Füße gespielt hatte. © imago

Zagadou wird diese Erfahrungen wie auch die in der abgelaufenen Saison für seine weitere Entwicklung nutzen. Von seinem großen Potenzial sind sie beim BVB weiter vorbehaltlos überzeugt, schmerzhafte Fehler wie die in München oder Augsburg sind Teil des Lernprozesses, den, wie Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke betonte, ja schon andere jetzt etablierte Größen durchlaufen mussten. Stichwort „Kinderriegel“ um Mats Hummels und Neven Subotic.

Der Vergleich dürfte Zagadou anspornen, Und wenn er Anfang Juli wieder zum Team in Dortmund stößt, wird er einen neuen Anlauf nehmen. Dann sollen sie deutlich öfter wieder den Dan-Axel Zagadou der Hinrunde sehen. Einen unerschütterlichen Turm in der Schlacht.

Zagadous Perspektive für die Saison 2019/20

Der Franzose, dessen Vertrag noch bis 2022 läuft, steht vor einer wichtigen Spielzeit. Zagadou wird an der starken Hinrunde gemessen werden, sie ist auch für ihn die Messlatte. Die Konkurrenz allerdings wird größer.

Diallo wird, sollten sich außen nicht Mitspieler verletzen, vorrangig wieder innen eingeplant, Julian Weigl ist Stand jetzt auch noch da. Neben dem gesetzten Manuel Akanji geht es also nur um einen Platz in der Innenverteidigung. Um den bewirbt sich auch noch der junge Leonardo Balerdi.

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