Dan-Axel Zagadou nimmt beim BVB eine sensationelle Entwicklung. Nach dem 1:0 in Wolfsburg gibt es wahre Lobeshymnen auf den 19-Jährigen. Dabei hat Zagadou schwierige Monate hinter sich.

Wolfsburg

, 04.11.2018, 19:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Heiß ist es in Pittsburgh an diesem Juli-Tag, im Shuttle-Bus läuft die Klimaanlage auf Hochtouren. Der vorletzte Tag der USA-Reise von Borussia Dortmund ist vollgepackt mit Training, am Nachmittag bringt der Kader dazu auch noch einige PR-Termine hinter sich.

Pflichtprogramm mit müden Beinen. Auch Dan-Axel Zagadou ist anzumerken, dass er sich wohl lieber auf dem Hotelbett ausruhen würde. Der Franzose sitzt direkt unter einem Gebläse, das einen Höllenlärm veranstaltet. Aber davon bekommt Zagadou nicht viel mit. Er hat sich mit Kopfhörern abgeschottet, die Augen sind geschlossen.

Weitgehend außen vor

Auch später, als es mit der „Duquesne Incline“, einer der beiden noch in Betrieb befindlichen Seilbahnen Pittsburghs, in die Höhe geht und es weit oberhalb der Stadt einen spektakulären Blick auf die City gibt, wirkt der 19-Jährige in sich versunken. Er steht abseits, als sich Mitspieler unter die Gruppe von VIPs und Sponsoren mischen. Es ist ein Bild, das symbolisch steht für seine Situation beim BVB. Denn auch im Kader der Schwarzgelben ist er weitgehend außen vor nach einer sehr schwierigen ersten Saison. Zagadous Körpersprache hier und auch auf dem Trainingsplatz ist bedenklich. Glück sieht anders aus. Zufriedenheit auch.

Sebastian Kehl: „Wie er das in seinem Alter löst, das ist herausragend.“

Nicht einmal vier Monate später aber hat sich das Bild komplett gewandelt. Vom unbeachteten Ergänzungsspieler zum strahlenden Stern am Dortmunder Abwehrhimmel, und das in nur 120 Tagen. Was ist passiert?

Zagadou lieferte auch beim 1:0 der Borussia in Wolfsburg eine beeindruckende Vorstellung ab. Und die Lobeshymnen prasseln danach nur so auf ihn herab. Trainer Lucien Favre attestiert dem 1,96-Meter-Riesen eine „fantastische Entwicklung“, Lizenzspieler-Chef Sebastian Kehl sagt: „Wie er das in seinem Alter löst, das ist herausragend.“ Auch Sportdirektor Michael Zorc gerät ins Schwärmen. Zorc sagt auf Anfrage dieser Redaktion: „Seine Entwicklung überrascht mich ehrlich gesagt nicht. Er hat großes Potenzial, er ist sehr professionell in der täglichen Arbeit. Das zahlt sich jetzt aus.“

Figur eines Türstehers

Zagadou ist das beste Beispiel, wie schnell es nach oben gehen kann. An seiner Person lässt sich aber auch festmachen, wieviel Geduld, den Glauben an sich selbst, Glück und das richtige Timing es braucht. Nach regelmäßigen Einsätzen in der Hinrunde der vergangenen Saison, allerdings auf der ungewohnten Position des Linksverteidigers, fand Peter Stöger in der Rückrunde kaum einmal Verwendung für den Mann „mit der Figur eines Türstehers“, wie Zorc schmunzelnd umschreibt. Der BVB hatte Manuel Akanji verpflichtet, und im März zog sich Zagadou auch noch einen Muskelbündelriss zu, der quasi seine Saison beendete.

„Türsteher“ Zagadou ist der neue Stern am BVB-Abwehrhimmel

Nach schwierigen Monaten gehört Zagadou mittlerweile zu den konstantesten BVB-Spielern. © Inderlied/Kirchner

Es schien auch im Sommer nicht besser zu werden. Abdou Diallo kam aus Mainz, die Aussicht auf einen Stammplatz war für Zagadou so gering wie die Wahrscheinlichkeit einer Schalker Meisterschaft. „Er musste lange warten“, gesteht Kehl, „aber als er die Chance bekam, hat er sie vom ersten Tag an wahrgenommen.“ Erst Diallos Rote Karte in Hoffenheim spülte Dan-Axel Zagadou ins Dortmunder Team. Seither hat er jede Minute der folgenden neun Pflichtspiele bestritten. Und die meisten davon sehr, sehr ordentlich.

Neuer Konkurrenzkampf in der Innenverteidigung

Was vor allem auffällt: Dan-Axel Zagadou lässt sich kaum einmal aus der Ruhe bringen. „Es ist beeindruckend, dass er fast alle Situation spielerisch löst“, sagt Kehl. Auch Zorc lobt die spielerischen Fähigkeiten Zagadous, „man traut sie ihm wegen seiner Statur vielleicht nicht zu, aber er hat diese Qualität.“ Das alles gerade einmal vier Monate, nachdem er offiziell kein Jugendspieler mehr ist.

Heute vermittelt der 19-Jährige ein ganz anderes Bild als noch vor vier Monaten. Nach dem hart erarbeiteten Sieg in Wolfsburg sah man Zagadou, den Mann mit dem ansonsten immer unergründlichen Gesichtsausdruck, sogar grinsend und hüpfend vor der Fan-Kurve. Und ganz plötzlich gibt es in der Innenverteidigung einen echten Konkurrenzkampf.

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