Youssoufa Moukoko: Zu gut, um erst zwölf zu sein?

BVB-Jugendspieler

Youssoufa Moukoko ist zwölf Jahre alt. Der BVB-Nachwuchsspieler läuft für die Schwarzgelben aber in der B-Jugend auf - bei den 16-Jährigen. Wie bei vielen außergewöhnlichen Leistungen schlägt dem ehemaligen Spieler von St. Pauli eine Welle der Skepsis entgegen.

Dortmund

, 31.10.2017, 09:00 Uhr / Lesedauer: 4 min
Youssoufa Moukoko: Zu gut, um erst zwölf zu sein?

Ein Zwölfjähriger unter Siebzehnjährigen: Youssoufa Moukoko spielt seit diesem Sommer in der U17 von Borussia Dortmund.

Diesen kleinen, fast schon privaten Jubel will er sich dann doch gönnen. Aus 18 Metern hat Youssoufa Moukoko gerade mit aller Selbstverständlichkeit dieser großen und so bunten Fußballwelt den Ball ganz hoch oben in die linke Ecke des Leverkusener Gehäuses geschlenzt, ein Treffer der Marke „Tor des Monats“. Nun hüpft er in die Luft, nun verschränkt er die Arme für einen innigen Moment vor der Brust, nun lässt er sich feiern.

Doppelpack gegen Leverkusen

Schon eine halbe Stunde zuvor hat der Stürmer der B-Junioren von Borussia Dortmund die Zuschauer jubeln lassen, da nahm er einen langen Ball mit aller Finesse mit der Brust an, umkurvte Gegenspieler und Torwart und schob cool und lässig zur BVB-Führung ein. Erstmals war er in diesem Spitzenspiel der B-Junioren-Bundesliga explodiert, zuvor hatte er eher brav ein wenig Laufarbeit geleistet und auf Ballkontakte weitgehend verzichten müssen. Das war im Heimspiel des BVB-Nachwuchses gegen Bayer Leverkusen. Zwei Treffer. Im nächsten Spiel lässt Moukoko zwei weitere Tore folgen. 6:0 gewinnt der BVB in Duisburg. Es sind Moukokos Tore 22 und 23 - im zehnten Ligaspiel.

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Diese Statistik ist der Beweis, welch toller Fußballer da auf dem Platz steht und das schwarzgelbe Trikot trägt. „Der kann das eben“, sagt ein begeisterter Frührentner, und er schnalzt fast mit der Zunge, „der hat den Drang und die Technik, solche Dinger zu machen“.

Offenbar keine Grenzen

Youssoufa Moukoko ist der derzeit wohl bekannteste Nachwuchsspieler in diesem Land. Weil er ein ganz besonderer Fußballer ist, dem offenbar keine Grenzen gesetzt sind, der vor Spielfreude und Lust am Sport nur so strotzt, der sich in den Dienst der Mannschaft stellt und keine Sekunde den Alleinunterhalter spielt.


Und damit wäre eigentlich alles gut, wäre da nicht sein Alter. Youssoufa Moukoko ist nämlich erst 12 Jahre alt, passt aber von Figur und Körper, von den sportlichen Leistungen und seinem Benehmen auf- und abseits des Feldes perfekt in dieses Bild von 16-jährigen jungen Männern, die sich in der B-Junioren-Bundesliga für höhe Aufgaben empfehlen wollen. Und so wie in diesem Land fast schon grundsätzlich alle besonderen sportlichen Leistungen mit dem Doping-Argwohn begleitet werden, schlägt auch diesem 12-jährigen Ausnahmetalent, oder darf man auch vielleicht sogar Wunderkind sagen, eine Welle der Skepsis entgegen, weil ja nicht sein kann, was eben so ungewöhnlich ist.

Leichtfertige Behauptungen

Und so melden sich gerade aus jeder Ecke Laien und Experten, die schlichtweg behaupten, „der Junge ist sicher keine zwölf Jahre alt“. Wo auch renommierte Mediziner nicht davor zurückschrecken, mit einer gewissen Leichtfertigkeit zu behaupten, „da stimmt doch was nicht“.

Wirklich nicht? In solchen Fällen, in denen plötzlich die Glaubwürdigkeit eines Sportlers auf dem Spiel steht, da hat die Fifa in Sachen Alterstest eine sogenannte Magnetresonanztomographie auf ihrer Agenda. Bei diesem Verfahren werden die Handgelenke untersucht unter der Maxime: „Je älter der Mensch ist, desto stärker sind die Handgelenke bereits verknöchert“. Über die Tauglichkeit dieses Verfahrens aber wird gestritten, Wissenschaftler und auch die Zentrale Ethikkommission der Bundesärztekammer sind mehr als skeptisch, ob sich so ein Altersbetrug nachweisen lässt.

Offizielle Geschichte ist schnell erzählt

Die offizielle Geschichte des Youssoufa Moukoko ist schnell erzählt. Er hat einen kamerunischen Migrationshintergrund, er wurde, so die Geburtsurkunde, am 20. November 2004 in Yaounde geboren. Nun mag es ja sein, dass es dort nicht immer selbstverständlich ist, dass die Kinder direkt nach der Geburt beim Standesamt angemeldet werden - sein Vater Joseph, der seit den 1990ern als deutscher Staatsbürger in Hamburg lebt, beteuert aber genau diesen Fakt. Er habe Youssoufa sogleich dem deutschen Konsulat in Yaundé gemeldet.

Laut einer Sprecherin erfolgte 2016 im Standesamt Hamburg-Harburg eine Nachbeurkundung der Geburt von Moussoufa. Und da eine behördliche Nachbeurkundung immer den gleichen Stellenwert wie eine deutsche Geburtsurkunde hat, verweist der BVB laut Mediendirektor Sascha Fligge auch darauf: „Uns liegen die Geburtsurkunden vor, sowohl aus Kamerun als auch aus Deutschland“. Nebst beglaubigter Übersetzung.

2014 nach Deutschland

Youssoufa wuchs in seinen ersten zehn Lebensjahren bei seinen Großeltern in Kameruns Hauptstadt Yaoundé im überwiegend muslimisch geprägten Stadtviertel Briqueterie auf. Vater Joseph holte seinen Sohn im Sommer 2014 nach Deutschland.

Beim FC Sankt Pauli können sie sich noch gut daran erinnern, wie er eines Tages mit seinem Sohn vor der Tür stand und bescheiden anfragte, ob sein Junge denn wohl hier mitkicken dürfe. Durfte er - als Stürmer - und erzielte in 13 Spielen 23 Tore als Stürmer in der U15-Regionalliga. Mit seiner Beweglichkeit, seiner Spielintelligenz und seinem Instinkt war er allen weit voraus, „er war eben besser als die Anderen“, heißt es aus Hamburg. Der FC Bayern München, Manchester United, RB Leipzig, Schalke 04 und eben Borussia Dortmund standen schnell auf der Matte. Der Wechsel war nur eine Frage der Zeit, der damalige Geschäftsleiter Sport vom FC St. Pauli, Thomas Meggle, sagte: „Natürlich hatten wir alles versucht, ihn zu halten. Aber mit den großen Klubs konnten wir nicht mithalten.“

Zweifel sind geblieben

Nun trägt er also das schwarzgelbe Trikot, die Zweifel sind geblieben. Zumal die Einlassung von Vater Joseph, seine Mutter sei ja erst 28 Jahre alt, Youssoufa könne also gar nicht älter sein, nicht unbedingt überzeugend ist. Und auch die Geschichte, dass der 12-Jährige eine Freundin habe, die in der U21 des FC Sankt Pauli spiele, ist zumindest schon mal geschrieben worden.

Alles nicht so einfach für einen Jungen, der so fröhlich lachen kann, der einfach nur munter und vor allem gut Fußball spielen will. Klar nimmt ihn der BVB aus jeder nur möglichen Schusslinie. Lars Ricken, Nachwuchskoordinator des Vereins, sagt schlicht und deutlich: „Er ist zwölf, das ist einfach Fakt. Daran gibt es keinen Zweifel.“ Und auch der Deutsche Fußball-Bund hat sich längst vernehmlich gemeldet: Da die Jugendordnung den Einsatz eines Spielers in einer höheren Altersklasse nicht verbietet, hat Youssafa im September sein Debüt in der U16-Nationalelf gegeben - und im zweiten Spiel gleich zweimal getroffen.

Frage nach der Sinnhaftigkeit

Überhaupt stellt sich bei allen Bedenken die Frage, welchen Sinn es machen sollte, den Jungen um ein paar Jahre jünger zu machen. Schließlich kann er so erst in mehreren Jahren die wirkliche Karriere starten, noch spielt er vorerst in Jugendmannschaften, selbst mit einer Ausnahmegenehmigung kann er erst mit 15 bzw. 16 Jahren im Seniorenbereich auflaufen, kann erst dann gut dotierte Verträge abschließen.

Wie viele Spekulationen und Zweifel auch im Raum sein mögen, Youssoufa, der in Dortmund bei Pflegeeltern lebt, zeigt sich zumindest nach außen davon unbeeindruckt. Mit einer herrlichen Selbstverständlichkeit bringt er tolle Leistungen auf den Rasen, schießt munter seine Tore, ist im Mannschaftskreis akzeptiert und integriert.

„Er ist ein Geschenk“

„Wenn Du so einen Jungen in Deinen Reihen hast, dann darfst du glücklich sein. Er ist ein Geschenk“, meldet sich noch einmal der Frührentner zu Wort. Vielleicht können damit auch diejenigen leben, bei denen weiter das Misstrauen regiert.

DAS IST YOUSSOUFA MOUKOKO
Youssoufa Moukoko ist am 20. November 2004 in Yaoundé, Kamerun geboren. Seit Juli 2016 spielt er in der Jugendabteilung von Borussia Dortmund. Zuvor spielte er zwei Jahre in Hamburg beim Nachwuchs des FC St. Pauli. Beim BVB spielt er mit zwölf Jahren bereits in der U17 des Vereins. Moukoko hat die deutsche und die kamerunische Staatsbürgerschaft. Im September dieses Jahres debütierte er für die deutsche U16-Nationalelf.
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