Zwei individuelle Fehler führen zum 2:2 in Bremen und kosten Borussia Dortmund wohl alle Titelchancen. Die Ursachen für eine nicht meisterschaftsreife Rückrunde liegen aber tiefer. Dirk Krampe kommentiert.

Bremen

, 04.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Lucien Favre hatte gelernt aus der vergangenen Woche. Nein, meinte er diesmal, es sei noch nicht vorbei mit der Meisterschaft. Der BVB müsse gegen Düsseldorf gewinnen „und hoffen, dass die Bayern in Leipzig verlieren.“ Dann, die Rechnung ist so schwer nicht, sei am letzten Spieltag noch alles möglich. Der Glaube daran dürfte beim Schweizer Trainer allerdings nicht allzu ausgeprägt sein - auch wenn sich Favre angesichts der Dramaturgie am Derby-Wochenende eine so klare Aussage nach dem 2:2 in Bremen verkniff.

Borussia Dortmund muss sich wohl damit abfinden, die große Chance auf die neunte Deutsche Meisterschaft am Ende ziemlich kläglich auszulassen. Zehn Punkte weniger als die Bayern haben die Dortmunder in der Rückrunde geholt, nur acht der 15 Spiele bislang wurden gewonnen. Das ist beinahe vergleichbar mit den Vorjahren - und erfüllt lange nicht den Anspruch der Borussia.

Bis Februar auf klarem Titelkurs

Das 2:2 in Bremen stand stellvertretend für eine Entwicklung, die schleichend eingesetzt hat, die aber nicht mehr zu leugnen ist. Zum Rückrunden-Start siegte der BVB nach einer reifen Leistung in Leipzig - bis heute die einzige Rückrunden-Niederlage der „Bullen“. Dortmund schien auf klarem Titelkurs, ausgestattet mit einem unbeugsamen Willen, bis zum Schluss an ein gutes Ende zu glauben und darum unbändig zu kämpfen. Wo ist diese Mentalität nur geblieben?

Es wäre leicht, Keeper Roman Bürki in die Haftung zu nehmen. Erst sein Fehler brachte Bremen zurück in dieses Spiel. Und auch als ungelerntem Rechtsverteidiger sollte Manuel Akanji ein derartiger Fehler wie vor dem Ausgleich nicht passieren. Doch die Frage, die sich alle stellen müssen, ist die: Warum sorgt ein einziger Fehler dafür, dass das Gefüge sofort in sich zusammenbricht, warum reicht ein Fehler, um jegliche Souveränität zu verlieren? Und vor allem: Warum gelingt es der Elf nicht mehr, sich aufzubäumen? Warum wehrt sie sich nicht?

Zu viel spricht gegen Dortmund

In der Hinrunde noch war das eine der großen Stärken der Borussia. In Hoffenheim stand sie vor einer Niederlage, in Leverkusen lag sie zur Pause 0:2 zurück. Dazu die Spiele gegen Augsburg, Mainz, Bayern - all diese Partien lenkte die Borussia erst spät in die richtigen Bahnen. Weil sie immer an sich glaubte. Doch irgendwo auf dem langen Weg ist diese Qualität verschüttet worden. Die gravierenden individuellen Fehler sind nur der Auslöser.

Es fällt schwer, nach diesem erneuten Rückschlag noch an ein positives Ende zu glauben. „Wir sind keine Träumer“, hat Sportdirektor Michael Zorc gesagt. Er hat genau diesen Satz schon nach dem 2:4 gegen Schalke gesagt. Zu viel spricht nun gegen den BVB. Nicht nur die Fehler, die die Mannschaft verlässlich immer wieder niederstrecken. Meisterschaftsreif war die Rückrunde des BVB nicht. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sich das nach dem 34. Spieltag auch in der Tabelle widerspiegelt.

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