"Wir geben Klopp Zeit"

DORTMUND Da funken zwei auf einer Wellenlänge: Borussia Dortmunds KGaA-Chef Hans-Joachim Watzke (49) und der neue Trainer Jürgen Klopp (41). Mit einer mutigen, aber nicht ganz risikoarmen Philosophie wollen sie den BVB bis 2011 gemeinsam wieder auf Augenhöhe mit Klubs wie Bremen, Schalke und Stuttgart führen. Wir sprachen mit Watzke.

von Das Gespräch führte Sascha Fligge

, 04.07.2008, 17:32 Uhr / Lesedauer: 3 min

Lassen Sie uns kurz über einen unternehmerischen Fehler sprechen.Watzke: Über welchen?

Warum muss Trainer Jürgen Klopp auf teuren Plakaten in Dortmund um Dauerkartenkunden werben, wenn Ihnen die Fans doch angeblich alle Türen einrennen.Watzke: Kunden muss man pflegen. Ich habe nie behauptet, dass der Verkauf von Dauerkarten ein Selbstläufer ist. Seit die Plakate auf an der B1 zu sehen sind, hat der Vorverkauf noch einmal deutlich angezogen.

Früher haben sie derlei Kampagnen nicht nötig gehabt.Watzke: Das hat mit „nötig haben“ nichts zu tun. Aber wir müssen auch nicht drumherum reden: Klopp ist ein großer Sympathieträger für den BVB – und das soll er langfristig bleiben. Wir haben jetzt 45 000 Dauerkarten verkauft. Das zeigt doch, dass wir richtig liegen.

Alles eine kleine Show?Watzke: Nein, keine Show! Jeder Klub, der über einen Trainer mit hohen Sympathiewerten verfügt, versucht diese für sich nutzbar zu machen. Fragen Sie mal beim FC Bayern nach ...

Der Focus schrieb unlängst: „Wir wissen nicht wie der Dortmund-Trainer Klopp funktioniert, aber als TV-Experte ist er besser als manch ein Berufsreporter.“ Ist Klopp als Coach ein Fragezeichen?Watzke: Nein. Wer sieben Jahre in Mainz unter schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so hervorragende Arbeit geleistet hat, kann kein Fragezeichen sein. Es ist nicht entscheidend, welchen Titel man als Trainer holt, sondern was man aus seinen Möglichkeiten macht. Klopp hat bewiesen, dass er aus wenig sehr viel machen kann. Ich hoffe nur, die Leute bürden ihm nicht zu viel Druck auf.

Seine Vorgänger Jürgen Röber, Bert van Marwijk und Thomas Doll sind unter ähnlich euphorischen Begleitumständen gestartet. Und schwer abgestürzt ...Watzke: Klopp wird alle Zeit bekommen, hier ein Team zur Reife zu bringen. Die geben wir ihm.

Geduld mit seinen Trainern hat den BVB zuletzt nicht gerade ausgemacht.Watzke: Sie sollten Klopp nicht mit anderen Trainern vergleichen – ich werde das auch nicht tun. Klopp arbeitet gerne mit jungen Leuten, die aber bitteschön großes Potenzial haben sollen. Ich sage mal drei Namen: Felipe Santana, Neven Subotic und Mats Hummels. Da hätten viele andere Trainer „Oh Mann, sind die jung“ gesagt. Klopp bevorzugt diesen Spielertypus, er möchte entwickeln. Aber das geht nicht von heute auf morgen.

Aus Mainz verlautete, Sie hätten für den 19 Jahre jungen Subotic fünf Millionen Euro überwiesen.Watzke: Die Summe stimmt nicht. Ob das, was wir gezahlt haben, gerechtfertigt war, wird die Zukunft zeigen. Ich verweise darauf, dass der Preis vom Markt geprägt wird. Es gab großes Interesse an ihm – von sehr zahlungskräftiger Seite. Das Kicker Sportmagazin hat Subotic zum besten Innenverteidiger der 2. Liga gekürt – blind ist der Mann also sicher nicht. Wissen Sie, die Diskussion missfällt mir: Wenn ich für einen 31-Jährigen zwei Millionen auf den Tisch lege, beschwert sich keiner. Aber solche zwei Millionen sehen Sie doch nie wieder. Das weiß man schon am Tag des Vertragsabschlusses. Bei einem 19-Jährigen wie Subotic sieht der Fall ganz anders aus.

Im vergangen Jahr gab‘s die viel zitierte „Opa-Abwehr“ Wörns/Kovac. Jetzt stehen neben Kovac der 22-jährige Santana und Subotic parat. Ein Philosophiewechsel?Watzke: Wenn Sie so wollen. Anderer Trainer, andere Attitüden. Dieses Team wird nicht die Liga überrollen. Es soll aber Leidenschaft zeigen. Vielleicht gelingt das jungen Leuten sogar etwas besser. Nebenbei bemerkt: Wir sind wirtschaftlich zwar wieder gesund, kommen aber ad hoc nicht an die Möglichkeiten von Schalke und Bremen heran. Also mussten wir eine tragfähige, bezahlbare, wertige Philosophie entwickeln. Klopp kommt uns dabei zugute.

Werden wir ihn noch im Trainingsanzug auf dem Zaun vor der Südtribüne mit den Fans jubeln sehen?Watzke: Ich kann es mir nicht vorstellen. Jeder macht im Verlaufe seiner Karriere eine Entwicklung durch. Dortmund ist für Klopp die nächsthöhere Stufe. Er weiß das. Aber wenn Jürgen das Gefühl hat, er müsste auf den Zaun klettern, würde ich ihn nicht abhalten.

Wirtschaftlich nimmt der BVB eine Stufe nach der anderen. Sie haben gerade die Vertragsverlängerung mit der Signal Iduna bekanntgegeben. Stimmt es, dass bis 2016 mindestens 32 Mio. Euro das Konto wechseln?Watzke: Ich werde Ihnen keine Zahlen nennen. Unser Stadion hat einen gewissen Preis. Es ist nicht lange gefeilscht worden.

Die Gespräche über einen neuen Vertrag mit Hauptsponsor Evonik sollen unmittelbar vor dem Abschluss stehen – ist das korrekt?Watzke: Wir sind in intensiven Gesprächen – aber weit davon entfernt, an dieser Stelle Wasserstandsmeldungen abzugeben.

Gleiches gilt für den Ausrüstervertrag mit Nike?Watzke: Nike hat das Prä, wir sprechen zurzeit nur mit diesem Konzern und haben vor, die Gespräche in naher Zukunft zum Abschluss zu bringen. So oder so. Es sei Ihnen versichert: Wir haben ein gesundes Selbstbewusstsein.

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