Wie Spezialtrainer Otto Addo die BVB-Talente in die Spur bringt

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Borussia Dortmund setzt auf die Jugend. Die hoffnungsvollsten Talente fördert Otto Addo (45) als Spezialtrainer mit Analysen – und ist nicht immer nur nett.

Dortmund

, 22.09.2020, 19:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehr als ein verhaltenes Nicken ist ihm meist nicht anzumerken. Wie automatisiert tippt sein Finger auf die richtige Stelle der Analyse-Software auf dem Smartphone. Giovanni Reyna, 17 Jahre jung, Torschütze, ballt die Fäuste, jubelt. Otto Addo, Borussia Dortmunds Spezialtrainer für die Toptalente, sitzt am Spielfeld und ist zufrieden. Fast.

BVB-Talente jubeln: Otto Addo verliert nicht den analytischen Blick

Während Fußballeuropa mit aufgerissenen Augen auf die jüngste Tor-Produktion aller Zeiten starrt, als sich Jude Bellingham und Reyna beim 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach den Ball zuspielen, verliert Addo nicht den analytischen Blick. Selbstverständlich habe er sich gefreut, sagte er, „aber die beiden können auch noch viel besser spielen“. Nüchtern, nah dran, nicht nur nett: Der 45-Jährige, ein lockerer und sympathischer Ex-Profi, zeigt viele Facetten, um den hoffnungsvollsten Nachwuchskräften beim vielleicht schwersten Schritt in ihrer Karriere zu helfen. Beim komplizierten Übergang vom Juniorenbereich zu den Profis.

„Es war wichtig, einen Trainer zu haben, der diese Schnittstelle abbildet zwischen den Nachwuchs- und den Lizenzspielern. Diese engere Verzahnung tut Borussia Dortmund richtig gut, das ist ein echter Mehrwert“, sagt Sebastian Kehl über die Arbeit seines ehemaligen Mitspielers. Wer sich Addo dabei nur als guten Kumpel vorstellt, der seine Schützlinge motiviert, liege falsch. „Otto hat eine tolle Ansprache, er kann aber auch sehr hart sein, das habe ich mehrfach erlebt. Er geht sehr kritisch mit den Jungs um“, sagt der Lizenzspielerchef.

Beim BVB fängt die Reise für viele Talente erst richtig an

Beide sind sich einig, dass dies bei den gehypten Teenagern genau der richtige Weg sei. Viele, manchmal zu viele Leute klopften den Toptalenten auf die Schulter, manche fühlten sich mit der Ankunft beim BVB am Ziel ihrer Träume, „doch da fängt die Reise eigentlich erst an“, sagt Kehl. „Das Niveau in unserem Jugendbereich ist sehr hoch, aber zu den Profis ist es dann nochmal ein sehr, sehr großer Schritt.“

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Addo beim 19:09-Talk: "Moukoko macht immer mehr als er muss" (Highlights)

Mit einem Drei-Säulen-Modell, das auf seinen eigenen Erfahrungen und Überlegungen fußt, will Addo „die paar Prozentpunkte herausholen, die vielleicht am Ende den Unterschied ausmachen“. Individuelle Videoschulungen mittels Analyse-Software gehören ebenso dazu wie positionsspezifische Sonderschichten auf dem Rasen und schließlich persönliche Betreuung. In seiner Arbeit ist er Zulieferer und Helfer, Mahner und Unterstützer, großer Bruder und strenger Vater, Kummerkasten und Karriereratgeber. Die Chancen, Profi zu werden, seien selbst bei den besten deutschen Talenten nicht besonders groß, gibt er zu bedenken, und weltweit tobt ein Konkurrenzkampf um die besten sogenannten „high potentials“. Es sei „oberste Bürgerpflicht“, sagt BVB-Sportdirektor Michael Zorc, aus der eigenen Talentschmiede so viele Kicker wie möglich bei den Profis zu integrieren. Wohlwissend, dass der Durchbruch dort nur wenigen gelingt.

Otto Addo ist begeistert von BVB-Youngster Gio Reyna

Addo will die Chancen dazu erhöhen. Einer von diesen wenigen, die es geschafft haben nach „oben“, ist Gio Reyna, ein Bursche mit überbordendem Talent, der seit dem Winter in kurzer Zeit riesige Entwicklungssprünge macht und nahezu jede neue Herausforderung scheinbar mühelos adaptiert. „Gio sagst du etwas, er setzt es am nächsten Tag sofort um“, sagte Addo bei „19:09 – der schwarzgelbe Talk“ von Ruhr Nachrichten und Radio 91.2. „Das ist eine Qualität des Spielers.“ Während Reynas Reise beim BVB jetzt erst richtig losgeht, ist Addos Aufgabe bald beendet. Nach den ersten Profieinsätzen „übergibt“ er die Durchstarter sukzessive an das Trainerteam um Lucien Favre.

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Ein weiterer Junge, der in den ersten Trainingseinheiten bei den Profis keine Anpassungsschwierigkeiten gezeigt hat, ist Youssoufa Moukoko, der bald 200-Tore-Stürmer aus der U19. Im November wird der Torjäger 16, dann dürfte er regulär in der Bundesliga spielen. Versprechungen macht Addo nicht, er sagt nur: „Ich hoffe, dass er sein großes Potenzial ausschöpft.“ Borussias Toptalente-Trainer wird jede erdenkliche Hilfestellung geben, kritisch und konstruktiv.

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