Wie eine zweifelhafte Schiedsrichterentscheidung Hoppy Kurrat und Co. zum Verhängnis wurde

Zeitspiel

Die Europapokal-Träume von Borussia Dortmund endeten 1964 gegen Inter Mailand abrupt - auch wegen eines ausgebliebenen Pfiffs. Später holten Schiedsrichter Tesanic die Geschehnisse ein.

Dortmund

von Gerd Kolbe

, 29.04.2019, 13:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wie eine zweifelhafte Schiedsrichterentscheidung Hoppy Kurrat und Co. zum Verhängnis wurde

Dieter „Hoppy“ Kurrat musste 1964 gegen Inter Mailand einen wuchtigen Tritt in den Unterleib hinnehmen. Der Pfiff durch Schiedsrichter Branco Tesanic blieb aus - der BVB verlor. © imago

Lynn Oslo, Benfica Lissabon, Dukla Prag - das waren die Stationen, über die der BVB 1963/64 im Europacup der Landesmeister bis ins Halbfinale vordrang. Der nächste Gegner hieß Inter Mailand. Inter, das Team von „Sklaventreiber“ Helenio Herrera, die Elf des deutschen Fußball-Legionärs Horst Szymaniak. Eine Mannschaft, insgesamt geradezu gespickt mit Weltklassekickern aus aller Herren Länder.

2:2 im Hinspiel war schmeichelhaft für Mailand

Das Hinspiel in Dortmund endete am 15. April 1964 mit einem für Mailand schmeichelhaften 2:2. „Das Glück war mit Inter“, schrieb der „Sport-Beobachter“, der „Kicker“ meinte: “Sogar in Mailand Chancen!“

Vielleicht hätte der BVB am 29. April 1964 wirklich in Mailand Chancen gehabt, sich durchzusetzen. Wäre nicht, ja, wäre nicht ein gewisser Branco Tesanic aus Jugoslawien Schiedsrichter dieser Partie gewesen. Tesanic leitete die entscheidende Partie um den Einzug ins Finale in außerordentlich einseitiger Manier und bevorzugte konsequent den Gastgeber. Als williger Helfer entpuppte sich einer der beiden Linienrichter namens Alexander Skoric.

Tritt in den Unterleib bleibt ungeahndet

Der Höhepunkt der Leitungswillkür durch den „Unparteiischen“ war in der 21. Minute gekommen, als Mailands Suarez den gezielten Versuch unternahm, durch einen wuchtigen Tritt in den Unterleib von Hoppy Kurrat dessen Hoffnung auf familiären Nachwuchs ad acta zu legen. Das Foul war für jeden der 90.000 im Stadion San Siro und für Millionen Fernsehzuschauer derart klar erkennbar, dass alle wie selbstverständlich auf die Entscheidung „Platzverweis“ warteten.

Wie eine zweifelhafte Schiedsrichterentscheidung Hoppy Kurrat und Co. zum Verhängnis wurde

Dieter „Hoppy“ Kurrat hatte 1964 in Mailand nicht nur den Ball zwischen den Beinen. © imago

Sie warteten vergebens, denn Tesanic hatte nichts, aber auch gar nichts gesehen. Insbesondere keine Suarez-Regelwidrigkeit. „Alles Märchen. Suarez versuchte zwar, dem deutschen Spieler einen Schlag zu versetzen, weil ihn dieser an der Ausführung eines Freistoßes behinderte, aber Suarez schlug nicht zu, wie man jetzt behauptet,“ so Tesanic später. „Alles verlief normal und regulär!“

Suarez führte Mailand zu 2:0-Erfolg

Nun war Suarez nicht irgendein Spieler der Mailänder, sondern der anerkannte Kopf des Teams. Sein Ausscheiden hätte die sportliche Waagschale zwangsläufig zu Gunsten des Gastes ausschlagen lassen müssen. Der BVB war unter diesen Vorzeichen dem italienischen Meister nicht gewachsen und verlor mit 0:2. Vorbei der Traum vom Endspiel.

Für Tesanic allerdings kam der persönliche „Schlusspfiff“ seiner Schiedsrichterlaufbahn einige Zeit später. Seine Sünden holten den Pfeifenmann ein. In seiner Heimat hatte man nämlich die merkwürdige Regelauslegung nicht nur stirnrunzelnd zur Kenntnis, sondern auch zum Anlass genommen, die Hintergründe zu recherchieren.

Mailänder Gastgeschenke für Schiedsrichter-Gespann

Und siehe da, es stellte sich heraus, dass sowohl Tesanic als auch „Linie“ Skoric auf Kosten des Inter-Vorstandes ihren Mailand-Aufenthalt gestaltet und trotzdem ihre FIFA-Spesen in Devisen eingestrichen hatten. Darüber hinaus soll sich schon im Hotelzimmer der beiden ein opulentes Gastgeschenk befunden haben, das sich später golden schimmernd am Handgelenk des Duos befunden haben soll.

Der jugoslawische Verband war entsetzt, aber keineswegs handlungsunwillig. Deshalb strich man die beiden lebenslänglich von der Liste der nationalen und internationalen Schiedsrichter. Übrigens: Der zweite Linienrichter hatte - aus guten Gründen - die Einladungen von Inter ausgeschlagen.

Genugtuung in Dortmund - Inter siegt im Finale

Borussia nahm das Aus für Tesanic mit Genugtuung zur Kenntnis. Moralisch fühlte man sich bestätigt, sportlich allerdings war für die Schwarzgelben nichts mehr zu korrigieren. Inter hingegen feierte mit einem 3:1 gege Real Madrid am Ende sogar im Finale den ganz großen Triumph.

Ein kleines Zuckerbrot gab es zum Ende der Saison aber doch noch für den BVB. Im Länderspiel Deutschland - Finnland setzte der neue Bundestrainer Helmut Schön mit Hans Tilkowski, Theo Redder, Willi Sturm, Timo Konietzka und Aki Schmidt (25. Länderspiel) fünf Borussen ein. BVB-Rekord!

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