Der DFB hat Vorermittlungen gegen BVB-Mittelfeldspieler Jude Bellingham eingeleitet. © imago / Horstmüller
Fragen und Antworten

Wegen Zwayer-Aussage: Strafanzeige gegen Bellingham – BVB stellt sich hinter ihn

Jude Bellingham kritisiert die Schiedsrichter-Ansetzung beim Topspiel gegen Bayern - und weist auf den Hoyzer-Skandal hin. Der DFB will ermitteln, der BVB stellt sich hinter seinen Spieler. Fragen und Antworten.

Das Bundesliga-Topspiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München könnte für Jude Bellingham ein Nachspiel haben. Wir beantworten die wichtigsten Fragen:

Möglicher Ärger für Jude Bellingham – worum geht es?

Bellingham hat nach dem 2:3 gegen die Bayern dem norwegischen TV-Sender „Viaplay Footbal“ ein Interview gegeben und dort erklärt, er habe sich „über viele Entscheidungen des Unparteiischen geärgert“. Im weiteren Verlauf wies Bellingham auf die Beteiligung von Felix Zwayer am Manipulationsskandal 2005 um Robert Hoyzer hin und sagte: „Man gibt einem Schiedsrichter, der schon einmal ein Spiel verschoben hat, das größte Spiel in Deutschland. Was willst du da erwarten?“ Diese Aussage hat auch international für großes Aufsehen gesorgt.

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Welche Rolle hat Schiedsrichter Zwayer im Wettskandal um seinen Kollegen Robert Hoyzer gespielt?

Zwayer war seinerzeit Linienrichter im Team von Hoyzer. Er wurde für sechs Monate gesperrt, weil er die ihm bekannten Spielmanipulationen seines Schiedsrichterkollegen nicht gemeldet und vor einem Spiel des Wuppertaler SV gegen die zweite Mannschaft von Werder Bremen 300 Euro von Hoyzer angenommen hatte, um als Schiedsrichter-Assistent kritische Situationen für den WSV zu vermeiden.

Warum gibt es Vorermittlungen gegen Jude Bellingham?

Dr. Anton Nachreiner, Vorsitzender des DFB-Kontrollausschusses, erklärte am Sonntag, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) werde Bellinghams Aussagen auf eine „sportstrafrechtliche Relevanz“ überprüfen. Nachdem die „Bild“ bereits gemeldet hatte, dass der ehrenamtliche DFB-Schiedsrichter-Beobachter Marco Haase wegen Nachrede, Verleumdung und Beleidigung Strafanzeige gegen Bellingham gestellt habe, bestätigte am Montag ein Sprecher der Polizei Dortmund gegenüber dieser Redaktion, dass eine Strafanzeige bei der Polizei eingegangen sei, sie der Staatsanwaltschaft aber noch nicht vorliege. Laut „Bild“ soll es auch eine Anzeige gegen Ex-Schiedsrichter Manuel Gräfe geben. Gräfe hatte sich als Experte des ZDF am Samstagabend geäußert. Diese wird juristisch keine Chance haben, da es sich um so genannte „Antragsdelikte“ handelt, die vom Betroffenen selbst angezeigt werden müssten.

Ob ein offizielles Verfahren seitens des DFB gegen Bellingham eröffnet wird, hängt von der Prüfung des Sachverhalts ab. Der bekannte Sport-Strafrechtler Dr. Christoph Schickhardt sagte am Sonntag gegenüber dem „kicker“, Bellinghams Äußerung sei zwar „unanständig“, aber strafrechtlich nicht relevant und „klar durch die freie Meinungsäußerung gedeckt“. Schickhardt hatte 2005 auch Zwayer im Verfahren gegen Hoyzer vertreten. „Er hat damals einen Riesenfehler begangen, weil er als junger Schiedsrichter zu schwach war, um sich gegen Hoyzer zu wehren. Aber er hat seine Strafe abgesessen und ist längst resozialisiert.“

Welche Konsequenzen drohen Bellingham?

Falls es zu einer Anklage vor dem DFB-Sportgericht kommen sollte, könnte Bellingham nachträglich belangt werden. Dies ist aber nach aktuellem Sachstand unwahrscheinlich.

Was sagt Borussia Dortmund zum Sachverhalt?

Die sportliche Führung sprang dem 18-jährigen am Sonntag einstimmig zur Seite. „Wir stehen hunertprozenzig hinter Jude. Das war eine hochemotionale Situation, er war sehr enttäuscht und hat nur bekannte Fakten benannt“, erklärte Sportdirektor Michael Zorc am Sonntag im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke erklärte: „Um es klar zu sagen: Jude hat keine Lügen verbreitet, sondern in der Vergangenheit Geschehenes. Und man sollte vielleicht mal die Emotionen berücksichtigen, die hochkommen, wenn sich ein 18-Jähriger in so einem spektakulären Spiel um den Erfolg für seine Leistung gebracht sieht. Diese Aussage hätte natürlich nicht sein müssen, aber ich sehe dort nichts Unwahres. Ich rechne nicht damit, dass das noch ein Nachspiel für Jude hat.“

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BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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