Darum sind Martin Betker einige BVB-Stadionhefte mehr als 800 Euro wert

dzSchwarzgelbe Fan-Welt

Das erste BVB-Spiel sah Martin Betker im Januar 1978. Seitdem hat er unzählige Stadionhefte, Wimpel und Schals gesammelt - auch aus der Zeit davor. Für seine BVB-Schatzkammer hat er ein spezielles Ziel.

Dortmund

, 25.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Es gab Ärger mit seinem Trainer. Aber das war Martin Betker egal. Es ging schließlich um seine Borussia. Das erste Mal ins Westfalenstadion. Für diesen Moment hätte er wohl auf alles andere in der Welt verzichtet. Also ließ er das Spiel seiner Junioren des FC Brünninghausen sausen, nahm seinen Papa an die Hand und lief mit ihm zur Strobelallee. Drei Stunden später war die Liebe zum BVB endgültig entflammt im Herzen Martin Betkers.

Acht Jahre alt war er damals, am 21. Januar 1978, als er zusehen durfte, wie Borussia Dortmund gegen den 1. FC Kaiserslautern mit 4:0 gewann. Fortan schwärmte der gebürtige Dortmunder, der in Hörweite des Stadions oft mit seinen Freunden bolzte, mit Haut und Haaren für seinen BVB. Wie sein älterer Bruder. Wie sein Papa, der schon in der Roten Erde mit den Borussen gejubelt hatte. Doch sein Sohn avancierte zu einem ganz besonderen Fan.

Mit Heft eins fängt die Leidenschaft an

Denn das Stadionheft, das Martin Betker vor 41 Jahren von seinem ersten Stadionbesuch des BVB mit nach Hause genommen hatte, löste eine Leidenschaft in ihm aus. Er sammelte nun alle Stadionhefte, die zur Borussia nur irgendwie zu bekommen waren. Viele Exemplare heimste er persönlich ein, denn oft zählte Betker zu den treuen Fans, die ihre Borussia überall hin begleiteten.

„Jedes Heft ist etwas Besonderes, denn ich verbinde damit Erlebnisse, schöne Ereignisse oder Tore.“
Martin Betker

„Jedes Heft ist etwas Besonderes, denn ich verbinde damit Erlebnisse, schöne Ereignisse oder Tore“, erklärt der 49-Jährige. „Mein persönliches Highlight ist das Heft vom Weltpokalfinale 1997 in Tokio, das war eine unvergessliche Reise.“

Besondere Spiele, besondere Geschichten

Nahezu jedes Europapokal-Auswärtsspiel seines BVB in den 90er Jahren sah er live im Stadion. Maribor, Bukarest, La Coruna. „Diese Städte hätte ich ohne Borussia wohl nie gesehen, wir haben dort sehr nette Leute kennengelernt“, erinnert sich Betker. Besonders beeindruckt habe ihn die riesige Gastfreundschaft in Auxerre, zum Halbfinale des Uefa-Pokals 1993. „Da haben wir mit den Franzosen sogar nach dem Spiel noch herzlich und friedlich gefeiert.“

Darum sind Martin Betker einige BVB-Stadionhefte mehr als 800 Euro wert

Mehr als 100 Aktenordner auf 16 Quadratmetern - da braucht es keine Tepete mehr. © Klaverkamp

Das Wichtigste aber für ihn: Die Stadionhefte dieser Duelle. Alle haben sie Platz gefunden in seiner Sammlung, die mittlerweile schränkeweise dicke Aktenordner umfasst. Mehr als 100. Fein säuberlich sortiert und beschriftet. Ein ganzer Kellerraum ist nötig, um alles zu lagern. Eine 16 Quadratmeter große Schatzkammer, in der auch schon Buchautoren wie Gregor Schnittker für ihre Werke recherchiert haben.

Ambitioniertes Ziel: Das Stadionheft von jedem BVB-Pflichtspiel

Denn: Betker jagt auch nach Stadionheften aus früheren Zeiten und von Spielen, die er nicht besucht hat. Sein ambitioniertes Ziel: Von jedem Pflichtspiel des BVB, seitdem es Stadionhefte gibt, ein Exemplar zu besitzen. Nicht, um es in seinem Keller zu verstecken.

Darum sind Martin Betker einige BVB-Stadionhefte mehr als 800 Euro wert

Betkers Sammlung ist erst mit den entsprechenden Spielwimpeln, Tickets und Spielschals der BVB-Partien komplett. © Klaverkamp

„Ich möchte einmal eine Chronik der BVB-Spiele anhand dieser Hefte erstellen, authentischer geht es nicht“, erklärt er. In der AG Tradition der Borussia und für das Klubmuseum in Dortmund, das Borusseum, arbeitet Betker ebenfalls mit. Mittlerweile im Münsterland sesshaft geworden, lässt ihn der BVB einfach nicht los.

Drei Viertel aller Heimspiel-Stadionhefte

Befreundete Fans versorgen ihn mit aktuellen Heften, da er als Familienvater und Polizeibeamter im Schichtdienst längst nicht mehr zu jedem Spiel ins Stadion fahren kann. Und dann gibt es noch Tauschbörsen und Angebote im Internet, bei denen er zuschlägt. Drei Viertel aller Heimspiel-Stadionhefte der Borussia seit 1952 hat er so schon beisammen, entweder als Original oder in Kopie. „Die aktuelle gelbe Fußballvorschau“, so hieß das Stadionprogramm damals noch.

Darum sind Martin Betker einige BVB-Stadionhefte mehr als 800 Euro wert

Die aktuelle Fußballvorschau - ein Exemplar aus dem Januar 1956. © Klaverkamp

Widerstehen muss Betker auch schonmal Kaufanfragen anderer Sammler. Mehr als 800 Euro werden im Internet aufgerufen für das Heft vom November 1956, als der BVB in der Roten Erde 0:0 gegen Manchester United spielte. Zwei Jahre später fiel ein Großteil der United-Mannschaft, die berühmten „Busby-Babes“, einem Flugzeugunglück zum Opfer. „Ich würde dieses Heft nie abgeben“, betont Betker.

Die Erstausgabe von 1925 fehlt Betker noch

Ebensowenig wie die ältesten Stücke in seiner Schatzkammer. Die ersten Vereinszeitungen aus den 20er Jahren, als der BVB gerade seinen 16. Geburtstag feierte. „Eine Kopie von 1926 habe ich schon, aber ein Original von der Erstausgabe 1925 wäre natürlich das Nonplusultra“, gesteht Betker.

Und wer seit Jahrzehnten solch ein glühender Borussen-Fan wie Martin Betker ist, der hat sicher einen Lieblingsspieler, oder? „Früher war das Manni Burgsmüller, später dann Murdo McLeod. Aber meine Liebe gehört dem Verein, nicht einzelnen Spielern.“ Daran hat sich seit dem 21. Januar 1978 nichts geändert.

Serie über BVB-Fans weltweit In unserer Serie „Schwarzgelbe Fan-Welt“ stellen wir in unregelmäßigen Abständen außergewöhnliche BVB-Fans vor - egal ob prominent oder weniger bekannt, ob am Borsigplatz geboren oder wohnhaft am anderen Ende der Welt. Sie kennen einen BVB-Fan mit einer außergewöhnlichen Geschichte? Dann schreiben Sie uns eine Mail an bvb-extra@lensingmedia.de - und sagen Sie uns, was diesen Fan so besonders macht. Vielleicht erzählen wir dann bald schon seine Geschichte.
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