Vom Judas zum Retter: Wegmann bewahrte den BVB vor düsterer Zukunft

Borussia Dortmund

Sein Schalke-Wechsel stand bereits fest - und sorgte 1986 für unruhige Tage bei Borussia Dortmund. Doch wenig später bewahrte Jürgen Wegmann den BVB vor einer düsteren Zukunft.

Dortmund

, 31.03.2020, 13:06 Uhr / Lesedauer: 2 min
Michael Zorc (l.) erzielte im Relegationsspiel gegen Fortuna Köln den Ausgleich, Jürgen Wegmann (r.) sorgte in der Nachspielzeit für das erlösende 3:1.

Michael Zorc (l.) erzielte im Relegationsspiel gegen Fortuna Köln den Ausgleich, Jürgen Wegmann (r.) sorgte in der Nachspielzeit für das erlösende 3:1. © imago / Horstmüller

Es schien aussichtslos, es gab kaum noch eine Chance. Das Schicksal von Borussia Dortmund schien besiegelt, der erneute Gang in die zweite Liga wirkte unausweichlich am 19. Mai 1986: Borussia Dortmund emping Fortuna Köln zum Rückspiel der Relegation. Den ersten Vergleich hatte Köln mit 2:0 gewonnen. Schwarzgelb musste vor über 50.000 Zuschauern im Westfalenstadion liefern.

BVB-Stürmer Jürgen Wegmann ist „giftiger als die giftigste Schlange“

Hauptdarsteller: Jürgen Wegmann. Ausgerechnet die „Kobra“, die den Spitznamen für diesen legendären Satz erhielt: „Ich bin giftiger als die giftigste Schlange.“ Wegmanns Wechsel zum FC Schalke 04 drang wenige Tage zuvor an die Öffentlichkeit. Ausgerechnet zum verhassten Nachbarn nach Gelsenkirchen. Ein absolutes Unding für die Fans. Vor allem in dieser Phase. „Für die Dort­munder Fans war das natür­lich Hoch­verrat. Ver­gessen waren meine 14 Sai­son­tore, sie nannten mich Judas und pfiffen mich aus“, schrieb der Stürmer später für das Fußball-Magazin „11 Freunde“.

Doch Wegmann, der am Dienstag (31. März) seinen 56. Geburtstag feiert, wurde zum Helden. Ohne ihn hätte es mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen Pokalsieg 1989 gegeben. Zur Halbzeit fehlten dem BVB gegen Köln drei Tore. Es roch nach Abstieg. „Da war es ganz ruhig in der Kabine. Man konnte eine Stecknadel fallen hören“, erzählte Wegmann dem „WDR“.

BVB-Urgestein Michael Zorc erzielt den Ausgleich

Doch Schwarzgelb berappelte sich. Michael Zorc markierte den Ausgleich, Spielmacher Marcel Raducanu den Führungstreffer. Ein Tor fehlte aber noch, um das Entscheidungsspiel zu erreichen - und die 90 Minuten waren fast abgelaufen. „Ich habe ganz genau gewusst, das ist die letzte Chance“, erinnerte sich Wegmann.

Jürgen Wegmann ging zwischen 1984 und 1986 sowie von 1989 bis 1992 für den BVB auf Torejagd.

Jürgen Wegmann ging zwischen 1984 und 1986 sowie von 1989 bis 1992 für den BVB auf Torejagd. © imago/Liedel

Flanke Bernd Storck, Kopfballverlängerungen durch Zorc und Daniel Simmes. Linksaußen bekam Ingo Anderbrügge den Ball. Ein Schuss, Kölns Keeper Jacek Jarecki ließ abklatschen und Wegmann stand da, wo man als Stürmer zu stehen hat. „Ast­reines Abstau­bertor, aber das waren mir eh die liebsten“, sagte Wegmann.

Der BVB gewinnt das Entscheidungsspiel mit 8:0

Die Fans stürmten den Platz. Wegmann hatte Borussia Dortmund vor einer Vollkatastrophe bewahrt. Das Entscheidungsspiel wenige Tage später - auf neutralem Boden in Düsseldorf - gewann Schwarzgelb mit 8:0 und hielt die Klasse. Dank des Treffers von Jürgen Wegmann, dem so auch sein Wechsel zum FC Schalke 04 halbwegs verziehen wurde.

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