Eiserne Ambitionen: Union Berlin tritt beim BVB mit einem klaren Plan an

dzGastkolumne

Union Berlin ist die Überraschung dieser Bundesliga-Saison. Mit breiter Brust und einem klaren Plan treten die Eisernen beim BVB an.

Dortmund

, 01.02.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Neven Subotic ist derzeit ein gefragter Mann in Berlin. Und das nicht nur, weil er am vergangenen Wochenende sein erstes Tor für den 1. FC Union erzielt hat - sondern vor allem, weil das Wiedersehen mit seiner großen Liebe Borussia Dortmund ansteht.

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„Ich bin nur nicht da geboren“, antwortete Subotic unter der Woche auf die Frage, wie viel Dortmund noch in ihm stecke. Den Wunsch, sich vor der Südtribüne warmmachen zu dürfen, wird ihm am Samstag zwar niemand erfüllen können. Doch wird sein Fokus, und der seines Berliner Klubs, dann auch schon längst aufs Sportliche gerichtet sein.

Neven Subotic mit Union Berlin beim BVB zu Gast

Mit dem 2:0 gegen den FC Augsburg, zu dem Subotic mit seinem Führungstreffer maßgeblich beigetragen hatte, hat Union einen weiteren Schritt Richtung Klassenerhalt gemacht. Längst sind Bundesliga-Auftritte für die Berliner zur Normalität geworden, Ehrfurcht war allenfalls in einigen Spielen der Hinrunde - wie gegen Leipzig (0:4) oder Leverkusen (0:2) - zu spüren. Noch immer ist der Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz größer als der Rückstand auf den ersten möglichen Europapokal-Platz.

Nachhaltig bemerkbar machte sich der erste Sieg in der höchsten deutschen Fußball-Spielklasse, das krachende 3:1 gegen den BVB im Hinspiel. Dass Union so früh in der Saison einen Top-Klub besiegen konnte, ist ein Grund dafür, dass sich die Berliner souverän vor dem Stadtrivalen Hertha BSC halten können - und im unteren Mittelfeld der Tabelle eben auch vor noch sechs weiteren Vereinen.

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Und das wiederum resultiert daraus, dass Union von Beginn an keinen Hehl um seine Ambitionen gemacht hat und von diesen auch nie abrückte - weil es sportlich keinen Grund dafür gab. Der Underdog war nicht gewillt, einfach nur eine ganz gute Rolle zu spielen, um sich dann erhobenen Hauptes zurück in die 2. Liga zu verabschieden.

Union Berlin hat personell aufgerüstet

Das zeigten auch die im Umfeld mit Erstaunen zur Kenntnis genommenen Transfers von Subotic oder Christian Gentner. Allerdings sind die gealterten Bundesliga-Routiniers auch nicht unumstritten.

So groß Subotics Plus in puncto Erfahrung ist, so eklatant sind auch seine Defizite, was Schnelligkeit und Spritzigkeit betreffen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er sich in den kommenden Wochen immer mal wieder hinter Keven Schlotterbeck, Abwehrchef Marvin Friedrich und Florian Hübner einreihen muss.

Aufsteiger Union Berlin verstärkt sich mit Yunus Malli

Dieses Schicksal teilt Subotic mit Gentner, der in Yunus Malli prominente Konkurrenz im Mittelfeld bekommen hat. Dass Spieler wie Subotic und Gentner demnächst bei einem Bundesliga-Neuling wie Union nicht gesetzt sein könnten - eine paradoxe Vorstellung, die allerdings mit den Ambitionen einhergeht.

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Auch, dass Union es bei Malli in Wolfsburg überhaupt versucht hat, zeugt vom Selbstbewusstsein der Verantwortlichen. Manager Oliver Ruhnert und Trainer Urs Fischer sind nicht bekannt dafür, Männer großer Worte zu sein. Sie lassen Taten sprechen.

Transfermarkt: Union holt Spieler, die sofort weiterhelfen können

So restriktiv die Medienpolitik auch ist, so offensiv ist der 1. FC Union auf dem Transfermarkt unterwegs. Im Sommer lag dies noch darin begründet, dass die Berliner zweigleisig geplant hatten und letztlich Spieler holten, die sie in der Bundesliga gar nicht gebrauchen konnten. Im Winter hingegen nahmen sie sich fest vor, nur Spieler zu verpflichten, die ihnen auch sofort weiterhelfen können.

Deshalb sah es lange danach aus, als ob kein Neuer hinzukommt - nun vergrößern sich die taktischen Möglichkeiten mit Malli noch weiter. Einen Spielertypen wie ihn hatte der 1. FC Union vorher nicht im Kader. Er ist die perfekte Ergänzung zum klassischen Mittelstürmer Sebastian Andersson, der verkappten Spitze Marcus Ingvartsen und zu den flinken Außenstürmern Marius Bülter oder Anthony Ujah.

Borussia Dortmund ist Favorit, aber Union Berlin selbstbewusst

Wenn die Berliner nun davon sprechen, sich in Dortmund nicht verstecken zu wollen, darf das durchaus als Drohung verstanden werden. Sie sind wohl noch weniger ausrechenbar als im Hinspiel, als die Dortmunder kein rechtes Mittel fanden. Auch schon bei den vergangenen Aufeinandertreffen, jeweils im DFB-Pokal, tat sich der BVB zu Hause schwer und gewann nur knapp. Auswärtsspiele in Dortmund sind Union also ebenfalls nicht neu.

Autor Christopher Stolz schreibt als freier Journalist für den Berliner Tagesspiegel über Union Berlin.
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