Nach Schützenfesten wie am Fließband hat Borussia Dortmunds Offensivwirbel etwas nachgelassen. Wie gut, dass sich die Mannschaft auf ihre Defensivarbeit verlassen kann.

Dortmund

, 11.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Den letzten hohen Sieg fuhren die Borussen gegen Atletico Madrid ein (4:0 am 24. Oktober), auch das 2:2 gegen Hertha BSC drei Tage später prägte noch eine fast ungezügelte Lust am Offensivfußball. Seitdem kann der BVB immer noch auf 13 Tore in acht Spielen verweisen, in den acht Partien zuvor waren es im Vergleich dazu mit 29 Treffern jedoch mehr als doppelt so viele. Das liegt an den Gegnern, die sich immer besser auf Dortmunds Spielweise einstellen, es liegt aber auch am BVB.

„Dazu sind die Gegner einfach zu gut“

„Uns war schon klar, dass wir nicht immer weiter so viele Tore schießen werden wie etwa zur Mitte der Halbserie. Dazu sind die Gegner auch einfach zu gut und analysieren uns“, erklärte Marco Reus. Der Kapitän, im Angriff gefährlicher als je zuvor und defensiv ein vorbildlicher Fleißarbeiter, betont: „Was wir in den vergangenen Wochen defensiv leisten, ist richtig gut. Das ist auch wichtig für uns, dass wir Stabilität auf den Platz bringen und wenig Chancen zulassen.“

Tormöglichkeiten sind und bleiben Mangelware für BVB-Gegner. Torhüter Roman Bürki, der hinter wechselnden Abwehrformationen mit konstant tadellosen Leistungen seine bisher beste Saison im Dortmunder Trikot hinlegt, lobt explizit seine Vorderleute, heißen sie Manuel Akanji, Dan-Axel Zagadou oder Abdou Diallo. Deren Leistung findet er „überragend. Nicht nur, wie sie verteidigen, sondern auch, wie sie das Spiel aufbauen. Da wird der Ball nicht blind weggeschlagen. Manchmal nehmen sie Risiko, auch in der Nähe des eigenen Strafraums, wo es mir manchmal mulmig wird, und finden immer eine gute Lösung und eine Anspielstation.“

Noch mehr Zielstrebigkeit

Im Kollektiv arbeitet der BVB engagiert gegen den Ball, legt so das Fundament für die wenigen Gegentore. Spätestens im zentralen Sicherheitstrakt kann die Borussia die Angriffe ersticken. Nur 19 Gegentore in 21 Saisonspielen sind ein starker Wert. In den letzten vier Spielen gab es nur zwei Einschläge, und auch ohne tiefen Blick in die Statistik lässt sich bewerten, dass Mainz, Brügge, Freiburg und Schalke insgesamt nur wenige Einschussmöglichkeiten aufweisen konnten.

Mit mehr Zielstrebigkeit im eigenen Spiel könnte man sich das Leben auf dem Platz noch erträglicher gestalten, meint Bürki. „Wenn wir wie in den letzten Spielen viel Ballbesitz haben oder der Gegner tief steht, machen wir noch zu wenig draus. Wir könnten es uns einfacher machen, das Spiel zu entscheiden. So müssen wir bis zum Schluss hellwach und konzentriert sein.“

Die nächste Entwicklungsstufe

Das wäre der nächste Entwicklungsschritt, an dem Team und Trainer arbeiten. Gleichzeitig ist eine sich einschleichende Ermüdung nicht zu leugnen, gerade in diesen Wochen vor der Winterpause, wo nach intensiven Dauer-Belastungen Kopf und Knochen schwer werden.„Natürlich merkt man so langsam, dass die Kraft nicht mehr so da ist wie am Anfang der Saison. Es ist gut und wichtig, dass wir viele Spieler in unseren Reihen haben, die über genügend Qualität verfügen. Der Trainer weiß das“, sagt Bürki. Eine Reaktion: Die XXL-Rotation für das Spiel bei AS Monaco, das Lucien Favre einem halben Dutzend Stammspieler erspart.

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