Taktikanalyse: Geht BVB-Trainer Favre diesmal All-In gegen Bayern?

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Es kann die Vorentscheidung im Titelkampf sein. Wird Borussia Dortmund den übermächtigen Bayern ein Bein stellen? Viel hängt von der Frage ab, wie mutig BVB-Trainer Lucien Favre taktiert.

von Tobias Escher

Dortmund

, 25.05.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Besser in Form können zwei Bundesliga-Spitzenteams kaum sein: Borussia Dortmund und Bayern München gehen auf Augenhöhe in das direkte Aufeinandertreffen am Dienstagabend (18.30 Uhr, live auf Sky). Beide Teams haben zuletzt sechs Bundesliga-Siege hintereinander verbucht. Eine Serie wird definitiv reißen. Nur welche?

Die Bayern dürften auch im vorentscheidenden Spiel um den Meistertitel auf ihre große Stärke setzen - ihr gut abgestimmtes Pressing. Unter Trainer Hansi Flick agiert die Mannschaft defensiv geschlossener, zugleich verteidigen sie höher und stören den Gegner aggressiver als dies unter Vorgänger Niko Kovac der Fall war.

BVB gegen Bayern: Die große Stärke der Münchner ist das Pressing

Flick setzt auf eine nominelle 4-2-3-1-Formation, die gerade im Spiel gegen den Ball enorm variabel ist. Die Bayern stören den Gegner bereits an dessen Strafraum. Baut er das Spiel mit einer Dreierkette auf, so wie dies der BVB zuletzt tat, formen sie ihr 4-2-3-1 zu einem 4-3-3 um. Die Außenstürmer laufen dabei die äußeren Innenverteidiger an. Der Gegner soll in die Mitte gelenkt werden. Hier greift das enorm aggressive Mittelfeld zu.

Die Bayern nutzen das hohe Pressing, um dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken. Flick kehrte zur Blaupause zurück, mit der schon Louis van Gaal, Jupp Heynckes und Pep Guardiola in München Erfolge feierten: Der Gegner soll möglichst wenig Zeit am Ball erhalten. Unter Flick hatten die Bayern in jedem Bundesliga-Spiel mindestens 60 Prozent Ballbesitz, pro Partie hatten sie im Schnitt 68,5 Prozent der Spielanteile inne. Auch der BVB spürte diese Dominanz der Bayern im Hinspiel, als sie bei Flicks Cheftrainer-Debüt 0:4 untergingen.

Dortmund gegen München: Wichtige Duelle auf den Außenpositionen

Traut sich BVB-Coach Favre, seine Mannschaft offensiv einzustellen gegen die übermächtigen Bayern? In den vergangenen Duellen gegen setzte Favre eher auf eine passive Variante. Das würde bedeuten, dass das aktuell praktizierte 3-4-3 der Dortmunder eher zu einem 5-4-1 wird. Das Verschieben im Raum sowie das Verschließen der Räume im Mittelfeld-Zentrum stünden im Fokus. Dass dies gegen die Passmaschinerie der Bayern schiefgehen kann, zeigt das Beispiel aus der Hinrunde.

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Zuletzt waren die Dortmunder so stark, weil sie eben nicht abwartend agierten. Die Offensivfreude zeigt sich vor allem auf den Außenverteidiger-Positionen: Raphael Guerreiro und Achraf Hakimi agieren enorm offensiv. Oft starten sogar beide Spieler gleichzeitig in den Strafraum, was zahllose Gegner vor Probleme stellt. Ihre offensive Rolle auf den Außen sorgt wiederum dafür, dass die Außenstürmer in die Mitte ziehen. Hier können sie besser am Kombinationsspiel der Mannschaft teilhaben.

Taktikanalyse: Geht BVB-Trainer Favre diesmal All-In gegen Bayern?

© Deltatre

Nicht nur die Dortmunder, sondern auch die Bayern agieren mit weit vorrückenden Außenverteidigern. Gerade Linksverteidiger Alphonso Davies erweist sich als Shooting Star. Nur zwei Außenspieler haben in dieser Saison eine höhere Sprintgeschwindigkeit erreicht: Bayern-Dribbler Kingsley Coman und Dortmunds Hakimi. Das Duell Hakimi gegen Davies könnte die Partie entscheiden, gerade wenn Hakimi es gelingt, die defensiven Schwächen des jungen Davies auszunutzen.

Wird BVB gegen Bayern München zum offenen Schlagabtausch?

Einen weiteren Trumpf haben die Dortmunder in Form von Erling Haland. Der schnelle Stürmer dürfte sich eher auf die Seite des langsamen Jerome Boateng orientieren. Dort wird er versuchen, hinter die gegnerische Abwehr zu starten. Gerade im Zusammenspiel mit den vorrückenden Außenverteidigern könnte dies die Münchener Abwehr vor Probleme stellen - nur wenige Teams wagen es gegen die Bayern, mit vielen Akteuren vorzurücken.

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Im Gegenzug können aber auch die Bayern auf ihre Konterstärke setzen. Diese Facette haben sie unter Flick ausgebaut. Gerade Leon Goretzka überzeugte zuletzt als Mittelfeldspieler, der aus der Tiefe in den Strafraum nachrückt. Die Dortmunder werden die Balance finden müssen. Nur so können sie den Rückstand auf die Bayern verkürzen - und sich somit gleich doppelt rächen für die Niederlage im Hinspiel.

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