„Stadionallianz gegen Gewalt“ - Fanhilfe Dortmund übt heftige Kritik

Borussia Dortmund

Der BVB und weitere Profiklubs in NRW unterzeichnen am Montag in Dortmund mit der Polizei die „Stadionallianz gegen Gewalt“. Aus dem Fanlager gibt es vorab heftige Kritik.

Dortmund

, 14.09.2020, 11:54 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Stadionallianz gegen Gewalt“ - Fanhilfe Dortmund übt heftige Kritik

© imago / Kirchner-Media

Innenminister Herbert Reul persönlich hat sich angekündigt. Auch die Fußball-Profivereine entsenden hochrangige Vertreter, der BVB wird von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vertreten. Aus Schalke, Gladbach, Leverkusen, Köln und weiteren Profiklubs in Nordrhein-Westfalen reisen Bosse an. Kein Zweifel, es muss also eine hohe Bedeutung haben, was im Deutschen Fußballmuseum am Montag offiziell unterzeichnet wird: Nordrhein-Westfalens Polizei und die Profi-Vereine haben beschlossen, gemeinsam gegen Gewalt im Rahmen von Fußballspielen vorzugehen. So sollen an den neun Spielorten in Nordrhein-Westfalen „Stadionallianzen gegen Gewalt“ zwischen örtlicher Polizei und Verein entstehen.

Kooperationsvereinbarung wird in Dortmund unterzeichnet

Nun wird eine entsprechende Kooperationsvereinbarung in Dortmund unterzeichnet. Das elfseitige Papier aber stößt in Teilen der Fanszene des Landes auf heftige Kritik. „Wir stehen dem Abschluss einer solchen Kooperationsvereinbarung äußerst kritisch gegenüber, da sie den örtlichen Polizeibehörden unter dem Vorwand der vermeintlichen Sicherheit neue Handlungsräume eröffnet und eine verstärkte Kriminalisierung von Fußballfans erwarten lässt“, schreibt ein Bündnis der Fanhilfen aus Dortmund, Düsseldorf, Münster, Mönchengladbach, Köln und Leverkusen per öffentlichem Brief.

Polizei und Profiklubs wollen dank der neuen Vereinbarung die „Sicherheit im Zusammenhang mit Fußballspielen nachhaltig erhöhen, der Entwicklung von Gewalt entschieden entgegen treten und die vertrauensvolle Zusammenarbeit der Akteure stärken“. Das Fanhilfe-Bündnis kritisiert jedoch wesentliche Punkte der vorliegenden Vereinbarung: Dass Fußballvereine sich bei „diffamierenden Meinungsäußerungen“ durch Fans auch ohne strafrechtliche Relevanz öffentlich distanzieren sollen, hält das Fanhilfe-Bündnis für fragwürdig: „Das erlaubt den Schluss, dass die Meinungshoheit künftig allein durch die Vertragspartner beansprucht wird, wodurch die Grenze des Sagbaren nicht mehr durch formelle Gesetze und ordentliche Gerichte, sondern durch örtliche Ordnungsbehörden definiert werden könnte.“

Umgang mit Stadionverboten stellt laut Fanhilfen „Rückschritt“ dar

Auch der geplante Umgang mit Stadionverboten stelle „einen Rückschritt“ dar. Die Fanhilfen befürchten, dass Verbote künftig wieder „ohne das Vorliegen einer rechtskräftigen Verurteilung oder einer vorherigen Anhörung des Betroffenen“ ausgesprochen werden und der Polizei „hier ein weitreichendes Mitspracherecht eingeräumt“ werde. Zudem wird befürchtet, dass die Praktiken der Polizei bei Stadioneinsätzen und beim Thema Fußballfans und Datenschutz künftig weniger kritisch begleitet werden und Rechte von Fans im Stadion deutlich beschnitten werden könnten.

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Die Fanhilfen fordern die Profiklubs „in aller Dringlichkeit auf, den Sinn und Zweck des Schulterschlusses mit dem Innenministerium zu hinterfragen und die Ausgestaltung der Stadionallianzen mindestens grundlegend zu überarbeiten“. Auch, weil eine solche Vereinbarung „nicht ohne die vorherige Beteiligung von Fanorganisationen, Fanprojekten und anderen etablierten Institutionen erfolgen kann“.

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