So könnte der BVB in der neuen Saison spielen - welches System wäre Ihre erste Wahl?

dzBorussia Dortmund

Dank der Verpflichtungen von Thorgan Hazard und Julian Brandt verfügt Lucien Favre in der Offensive über fast unbegrenzte Möglichkeiten. Wie der BVB in der kommenden Saison auflaufen könnte.

Dortmund

, 08.06.2019, 17:10 Uhr / Lesedauer: 4 min

Lucien Favres Stammsystem, das 4-2-3-1, auf das er ab der Frühphase der Hinrunde in der überwiegenden Zahl der Spiele zurückgriff, dürfte auch in der neuen Saison eine verlässliche Konstante bleiben. Doch neues Personal und intensive Trainingsarbeit im taktischen Bereich eröffnen völlig neue Möglichkeiten. Ein Überblick über die verschiedenen Systeme und Formationen.

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4-2-3-1 - Unbegrenzte Möglichkeiten, aber ein Star auf der Bank!

In diesem System hat sich die Mannschaft wohl gefühlt und Automatismen entwickelt. Borussia Dortmunds Neuverpflichtungen bieten dem Schweizer vor allem in der offensiven Dreierreihe nahezu unbegrenzte Möglichkeiten. Julian Brandt kann im Zentrum hinter der Spitze spielen, ist aber in seinem Wirkungsradius und in seiner Effektivität nicht auf die Mitte beschränkt. Auch Thorgan Hazard bringt zusätzliche Torgefahr mit nach Dortmund.

Favre muss moderieren

Lässt Favre in diesem System spielen, wird der BVB durch die Neuzugänge noch eine Spur unberechenbarer. Ein Problem: Nicht für alle Hochkaräter wird ein Platz in der Startelf sein. Das muss Favre moderieren.

Die Viererkette mit zwei schnellen Außenspielern zu bestücken, ist durch die Verpflichtung von Nico Schulz gewährleistet. Schulz hat in Hoffenheim allerdings außen vor einer Dreierkette agiert – die taktische Umstellung sollte ihn nicht vor allzu große Probleme stellen.

Mehr Stabilität durch zwei Sechser

Der zweite Sechser vor der Abwehr garantiert eine größere Stabilität als das etwas offensivere 4-1-4-1, verlangt allerdings von beiden Sechsern auch Aufbau-Qualitäten.



4-1-4-1 - Geballte Offensiv-Power, keine Abwehrreihe hält das auf!

Nur ausnahmsweise vertraute BVB-Trainer Lucien Favre in seiner ersten Saison bei Borussia Dortmund dieser offensiven Anordnung seiner Spieler. Zu sehr liegen dem Schweizer die Balance zwischen Abwehr und Angriff am Herzen, zu wichtig ist ihm die defensive Absicherung der offensiven und am Ballbesitz orientierten Spielweise. Mit nur einem zentralen Spieler vor der Abwehr und fünf nominellen Angreifern geht eine Mannschaft hohes Risiko.

Kein Entweder-Oder

Exakt zweimal ging der BVB so ins Rennen: Im Rückspiel gegen Tottenham Hotspur, als die Schwarzgelben ein 0:3 aus dem Hinspiel umbiegen wollten, und vier Tage später beim Ligaspiel gegen den VfB Stuttgart. Der charmante Teil dieser Lösung: Im Sturm musste sich Favre nicht zwischen Götze und Alcacer entscheiden, er konnte beide spielen lassen.

In der kommenden Spielzeit dürfte dieses angriffslustige System häufiger zum Einsatz kommen. Allein die Möglichkeit, im offensiven Zentrum die beiden super-kreativen Spieler Julian Brandt und Marco Reus als halbe Zehner gemeinsam ins Rollen zu bringen, klingt verlockend und nach Spektakel.

Unglaubliches Offensivpotenzial

Wenn dann außerdem die Außen Jadon Sancho und Thorgan Hazard in die Angriffsbemühungen einsteigen und im Zentrum ein Stürmer wie Paco Alcacer wartet, der nicht viele Ballkontakte und Chancen für seine Tore benötigt, dann lässt sich erahnen, welches Offensivpotenzial Borussia Dortmunds Kader in der kommenden Saison bereithält.

Bei der Arbeit gegen den Ball müssten die Dribbler und Sprinter aus der vorderen Reihe im Gegenpressing und in der Rückwärtsbewegung ordentlich schuften. Auf den einzigen „Sechser“ kommen viele Organisationsaufgaben zu, und extra viel Laufarbeit.

Eine Möglichkeit gegen besonders defensive Gegner

Einsetzbar ist das 4-1-4-1 nicht nur wegen der guten Besetzung der Positionen durch die vor allem offensiv herausragend besetzte Mannschaft, sondern auch gegen Gegner, die sehr tief stehen und nur aufs Verteidigen aus sind. Gegen die geballte Angriffswucht und das Balleroberungspotenzial allein durch die Anzahl der Offensivspieler könnten sich so Chancen auftun.



4-3-3 - Kompakt und flexibel, aber passt es zum Kader?

Mit diesem System startete Lucien Favre als Trainer in seine erste Spielzeit bei Borussia Dortmund. Er scheint also eine gewisse Vorliebe für diese Mischform aus viel Schlagkraft für die Offensive und einem kompakten Zentrum zu besitzen. Die Abläufe und Routinen in der Viererkette sitzen, und im Spielaufbau gibt es kurze Wege für viele Pässe und Bewegungen, die dann den Angriff einleiten.

Keine Zehner-Position vorgesehen

In diesen ersten Partien der abgelaufenen Spielzeit brachte Favre Mahmoud Dahoud als Achter, der nach ordentlichem Start zunehmend strategische und taktische Schwächen aufzeigte. Und Marco Reus, der entscheidende Mann, musste nach links außen ausweichen, weil es keine Zehner-Position gibt. Als sich Favre durchrang, den BVB-Kapitän auch auf dessen Wunsch hin in die Spielmacher-Rolle zu versetzen, starteten die Schwarzgelben durch.

Gleich zwei prädestinierte, gelernte und international auf Top-Niveau agierende Achter finden sich auch im neuen BVB-Kader nicht. Axel Witsel kann diese Rolle spielen, muss es aber nicht. Julian Brandt hat diese Schaltstation in seinem letzten halben Jahr bei Bayer Leverkusen unter Trainer Peter Bosz kennengelernt und aufgrund seiner individuellen Klasse stark interpretiert.

Eine Chance für Mahmoud Dahoud?

Für Marco Reus wäre diese Aufgabe womöglich zu defensiv. Mahmoud Dahoud, noch am ehesten ein klassischer Achter, müsste erst zeigen, dass er in seinem dritten Jahr beim BVB einen gewaltigen Leistungssprung machen kann.

Ihre Stärken hat diese Formation in ihrer Kompaktheit und Flexibilität. Je nach Ausprägung und Spielertypen unterscheidet sie sich wenig vom 4-1-4-1 und kann sehr offensiv ausgelegt werden. Durch in der Regel drei Spieler, die im Zentrum hinter dem Ball stehen, können Konter früh ausgebremst oder zumindest auf die Seite abgedrängt werden.

Gute Struktur und Absicherung

Lucien Favres 4-3-3 ist Fußballspielen in Reinkultur. Ballbesitz, Pässe, Spielaufbau und Durchbrüche durch Kombinationen oder Tempovorteile verhelfen zum Erfolg. Die Gefahr, bei Gegenangriffen zu viel Raum anzubieten, ist durch die Struktur auf dem Platz gemindert. Der BVB-Trainer wird wieder so spielen lassen. Wie angriffslustig oder kontrolliert die Ausprägung dann auf dem Platz ausfällt, wird nicht zuletzt vom Gegner abhängen.



3-4-3 / 3-5-2 - Noch flexibler, aber viele Hausaufgabe für die Saison-Vorbereitung!

Lucien Favre muss den BVB in seinem zweiten Jahr auch taktisch weiterentwickeln – dazu dürfte gehören, dass Favre Alternativen zur von ihm geliebten Viererkette herausarbeitet. Das Spielen mit einer Dreierkette gehört eigentlich zum Standardrepertoire einer Bundesliga-Mannschaft, Favre setzte sie aber nur innerhalb ganz weniger Spiele ein, wenn es der Verlauf erforderte.

Im Sommer ist Zeit zum Üben

Weil der personelle Umbruch im vergangenen Jahr extrem ausfiel, verzichtete er darauf, der Mannschaft mit der Einstudierung eines neuen Systems weitere Denkaufgaben zu geben. In diesem Sommer aber wird die Dreierkette auf der Agenda stehen.

Hoch schiebende Außen und ein verdichtetes Zentrum sind die Charakteristika dieser taktischen Form, die offensiv große Wucht entwickeln kann, gegen den Ball aber durch Zurückziehen der Außen in eine Art Fünferkette im Idealfall der Angriffswucht des Gegners beikommen kann. Die drei nominellen Defensivspieler brauchen erhöhte Aufmerksamkeit, um Lücken für durchbrechende Gegner frühzeitig zu erspähen.

Mehr Tempo im Umschaltspiel

Mit den beiden „schnellsten Außenverteidigern der Liga“ (O-Ton Hans Joachim Watzke) möchte der BVB im Umschaltspiel mehr Tempo in seine Aktionen bekommen und tief stehende Gegner unter Druck setzen. Nico Schulz hat in Hoffenheim vor einer Dreierkette gespielt, kennt also die taktischen Anforderungen.

Achraf Hakimi kennt die Dreierkette weder aus seiner Zeit bei Real Madrid, noch aus dem einen Jahr in Dortmund. Er betritt Neuland, wie viele seiner Mitspieler auch. Die Vorbereitung muss zeigen, wie schnell die Mannschaft die komplexe Aufgabenstellung verinnerlicht. Offensiv bietet diese Formation größtmögliche taktische Flexibilität. Zwei oder bei Bedarf drei Spitzen, zwei Zehner – Favre kann beliebig variieren.

Und jetzt Sind Sie dran: Welche Formation ist Ihre erste Wahl?

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