Der BVB agiert wie eine Mannschaft, der Großes gelingen kann. Nicht wegen des überdeutlichen 5:1 gegen Hannover. Sondern wegen der angenehm realistischen Einordnung der eigenen Leistung. Jürgen Koers kommentiert.

Dortmund

, 27.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Ein 5:1 gegen Hannover nach dem 1:0 gegen Leipzig, Herbstmeister Borussia Dortmund startet unaufhaltsam durch - könnte man meinen. An Punkt- und Torausbeute gibt es wenig zu verbessern, das schon.

Aber Roman Bürki („Kein gutes Spiel von uns“) und Marco Reus („Wir hatten keine Sicherheit in unserem Spiel“) fanden in ihren fundierten Analysen berechtigte Ansätze für (Selbst-)Kritik. Auf dem allerhöchsten Niveau eines Tabellenführers, na klar, und mit Sorgen, die Gegner Hannover gerne eintauschen würde.

Doch die Aussagen zeigen etwas anderes: Diese Mannschaft besticht durch ihren Arbeitseifer und eine Gier nach Erfolg. Fleiß im Training bildet den Nährboden, und wenn es mit der Umsetzung lange Zeit hakt wie am Samstagmittag, „dann müssen wir an weiteren Lösungen arbeiten“, sagte Reus.

„Stark, momentan stark“

Vollkommen richtig, denn die glänzende Ausgangslage in allen drei Wettbewerben, vor allem in der Bundesliga, ist nicht nur eine große Chance, sondern auch eine Verpflichtung. Durch Schlendrian oder Selbstgefälligkeit fahrlässig verschenkte Punkte sollte sich der BVB nicht leisten.

Bürki mag mit seiner harschen Beurteilung, seine Vorderleute hätten phasenweise „arrogant“ gespielt und „nachlässig“ verteidigt, inhaltlich einen Tick überzogen haben. Die Stoßrichtung jedoch, keinen Deut nachzulassen, steht exemplarisch für die Geisteshaltung, die Trainer Lucien Favre seinem Team eingeimpft hat.

Die aktuelle Zwischenbilanz mit 48 Punkten nach 19 Spieltagen ist Klubrekord. „Stark, momentan stark“, wie Reus gleich zweifach betont. Es brauche aber „die gleiche Leidenschaft, die gleiche Aggressivität“ wie in der Hinrunde. Die Partie gegen Hannover habe gezeigt, dass es bei leichten Abstrichen in Sachen Einstellung auch gegen den Tabellenvorletzten schwer wird, nach einem klaren Sieg habe es schließlich lange Zeit nicht ausgesehen.

Hinweise für Verbesserungen

Als Favre im Kabinengang nach der Partie seinem Kollegen Andre Breitenreiter gegenüberstand, klopfte der eine Trainer dem anderen auf die Schulter und sagte: „Sehr, sehr gutes Spiel!“ Worte des BVB-Coaches in Richtung des Trainers, der gerade das Spiel mit 1:5 und vermutlich seinen Job verloren hatte. Favre meinte das vollkommen ernst.

Video
BVB-Pressekonferenz mit Favre und Breitenreiter

In der Analyse werden die Borussen nach dem Hannover-Spiel in Defensive und Offensive weitere Hinweise für Verbesserungen finden. Auch am nächsten Samstag, erst recht bei der bockstarken Frankfurter Eintracht, werden sie es sich nicht erlauben können, leichtsinnig ins Spiel zu gehen. Die Gefahren von Unachtsamkeit scheinen gebannt, wenn Favre, Reus und Bürki sich Gehör verschaffen in der Kabine.

Nach Fortschritten fahnden

Schlampigkeiten sollen die Borussen nicht ausbremsen. Auch nach Kantersiegen weiter an sich zu arbeiten und unnachgiebig nach Fortschritten zu fahnden, das ist die Mentalität, die (kommende) Champions ausmacht. Und diese Erkenntnis kann mindestens so wertvoll sein wie der hohe Sieg gegen Hannover.

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