Schweinberg fiebert BVB-Spiel entgegen - Kreisligist riskiert sogar den Abstieg

Borussia Dortmund

Der FC Schweinberg erklärt für die Partie gegen Dortmund die Mittellinie zum Ziel. Schon Tage vor dem ersten BVB-Testspiel der Saison ist klar, welcher Spieler Paco Alcacer aufhalten soll.

Dortmund

, 08.07.2019 / Lesedauer: 5 min
Schweinberg fiebert BVB-Spiel entgegen - Kreisligist riskiert sogar den Abstieg

Die Delegation aus Schweinberg um den Vorsitzenden Jörg Schwab (3.v.l.) traf im Signal Iduna Park mit Marketing-Chef Carsten Cramer (l.) und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (4.v.l.) zusammen. © privat

Der FC Schweinberg hat beim Aral-Gewinnspiel „Punktet Euch den BVB“ den Hauptpreis abgeräumt. Vor der Partie am Freitag (17.30 Uhr, bei uns im Live-Ticker) spricht Vereinsvorsitzender Jörg Schwab im Interview über den Ausnahmezustand in der 700-Seelen-Gemeinde in Baden-Württemberg und verrät, welche Wünsche die Borussia für ihr Gastspiel hat. Bei der Pflege des Rasens muss sogar der Greenkeper des nahegelegenen Golfplatzes ran.



Herr Schwab, der FC Schweinberg hat in der abgelaufenen Saison 69 Gegentore kassiert. Das sind keine guten Voraussetzungen. Wie wollen Sie am Freitag Paco Alcacer stoppen?

Jörg Schwab: (lacht) Wenn ich so recht überlege, kommt dafür nur einer in Frage. Christoph Knörzer ist noch unser agilster Mann. Ich fürchte nur, auch er wird Alcacer nicht bremsen können.

55 erzielte Tore hingegen sind ein Empfehlungsschreiben. Also statt Mauertaktik lieber die Flucht nach vorn?

Ich wäre schon froh, wenn wir mal über die Mittellinie kämen (lacht).

Für Ihren Klub ist es das Spiel des Jahres. Wie groß ist die Anspannung?

Im Januar waren wir nach Dortmund eingeladen und hatten die ersten Vorbesprechungen. Danach stieg die Spannung, da wurde das Ganze dann plötzlich sehr real. Auch die Größe der Herausforderung. Und jetzt in der Endphase geht es natürlich heiß her. Aber alle ziehen mit, wir sind voll im Plan. Auch wenn uns das Spiel organisatorisch an unsere Grenzen bringt. Bis zum Anpfiff geht es jetzt noch an den Feinschliff.

Ich nehme an, dass Sie ein so großes Event zuvor noch nicht organisiert haben. Wie sind Sie das angegangen?

Als der grobe Zeitrahmen klar war und wir wussten, dass das Spiel jetzt im Juli stattfinden wird, da haben wir die Besten aus dem Ort an einen Tisch und ins Boot geholt. Vereinsübergreifend. Der enge Kern des Organisationsteams besteht aus 16 Leuten, da bringt jeder für Teilbereiche seine persönlichen Kompetenzen ein. Dazu kommen natürlich weitere unzählige Helfer. Da ist der ganze Ort eingespannt.


Welche Vorgaben gab es seitens der Borussia?

Es gab unzählige logistische Dinge, die geklärt werden mussten. Ich kann sagen, dass die Zusammenarbeit da sehr unkompliziert ist und hervorragend funktioniert. Zum Beispiel wird das Spiel ja auf BVB-TV übertragen. Dafür hatten wir gar nicht die technischen Voraussetzungen, und die Telekom musste einen Verstärker installieren, damit wir eine stabile Leitung garantieren können.

Borussia Dortmund bekommt am Spieltag den kompletten Umkleidetrakt am Platz, wir selbst weichen auf eine Turnhalle aus. Dann gab es rechtliche Dinge zu beachten. Die Verwendung von Logos, Werbebanden von Sponsoren, solche Dinge. Es waren ganz viele Details. Wir konnten immer fragen, wir haben immer kompetente Hilfe bekommen. Dafür sind wir sehr dankbar.



Ein wichtiges Thema: der Rasen…

Klar. Die Qualität des Rasens war ein wichtiger Punkt. Unser Dorfplatz ist 60 Jahre alt, der hat natürlich kein Bewässerungssystem. Der BVB hat uns viele Tipps gegeben. Und wir haben uns den Greenkeeper des nahen Golfplatzes ins Team geholt. Die Trockenheit war ein Problem, aber der Rasen ist jetzt in einem sehr guten Zustand. Da muss niemand Angst haben.

5000 Zuschauer sollen das Spiel sehen…

…und das ist natürlich eine Größenordnung, die wir nicht kennen. Wir haben eine Tribüne errichtet, auch da hat das ganze Dorf mitgeholfen. Wir wollten eine kleine Arena schaffen, wir wollen, dass die Atmosphäre dem Anlass würdig ist. Das Spiel ist für unseren kleinen Verein ein einmaliges Erlebnis.

Schweinberg fiebert BVB-Spiel entgegen - Kreisligist riskiert sogar den Abstieg

Ihn wollen die Schweinberger stoppen: Paco Alcacer. © imago/Sven Simon

Wie hat die Mannschaft nach dem Sieg beim Aral-Gewinnspiel reagiert?

Da war natürlich sofort eine unglaubliche Vorfreude. Es gab dann im vergangenen Jahr keinen passenden Termin für den BVB, da ist das dann ein wenig abgeflacht. Aber seit im Frühjahr klar war, dass es jetzt mit dem Spiel klappen wird und dass nicht die U23 der Borussia kommt, haben alle diesem Tag entgegengefiebert. Wir sind dadurch sogar in Abstiegsgefahr geraten (lacht).

Erzählen Sie…

Die Jungs haben ihren Urlaub vorgezogen und sind zum Teil während der laufenden Rückrunde weggefahren. Und es wollte sich natürlich niemand ernsthaft verletzen, je näher der Termin rückte. Sie können mir glauben, der Trainer hat am Spielfeldrand einige graue Haare bekommen (lacht).

Gab es plötzlich viele Spieler, die sich zur neuen Saison dem FC Schweinberg anschließen wollten?

Nein, das hielt sich in Grenzen. Die wissen ja, dass sie dann auch die ganze Saison hier spielen müssten und nicht nur dieses Spiel (lacht). Im Ernst: Bei uns geht es um Nachhaltigkeit. Wir sind eine verschworene Truppe und ein kleiner Verein.

Kein Spieler bekommt hier Geld. Überall um uns herum wird fusioniert, die besten Spieler werden weggelotst. Wir sind die Gallier, die den Römern trotzen und immer noch überleben.

Gibt es BVB-Fans in der Mannschaft?

Na klar. Vor allem unser Kapitän Steffen Gress. Er war es auch, der uns beim Gewinnspiel angemeldet hat und die Organisation in die Hand genommen hat. Er hat unzählige Leute mobilisiert. Erst recht, als wir kurz vor Ende der Zählphase wussten, dass wir eine sehr reelle Siegchance haben.

Und die Bayern-Fans im Team? Dürfen die überhaupt mitspielen?

Auch die gibt es, und ja, die dürfen mitspielen (lacht). Aber keine Angst. Wir haben alle zur Mäßigung aufgerufen und wissen, wo da für uns die Grenze ist. Es soll sich niemand verletzen. Das steht für uns über allem. Wir freuen uns auf einen großen Tag, der uns immer im Gedächtnis bleiben wird.

Auf welche Spieler der Borussia freuen Sie sich am meisten?

Auf alle, definitiv. Aber es war auch im Dorf schon zu spüren, dass die Vorfreude nochmal Schwung aufgenommen hat, als klar war, dass der BVB Mats Hummels verpflichten würde. Wir haben noch keine Kaderliste bekommen, die Nationalspieler werden ja wohl nicht auf dem Platz stehen. Aber wir hoffen schon, dass einige bekannte Namen hier spielen werden. Und es wäre toll, wenn Marco Reus mitkommen würde, auch wenn er nicht spielt.

Lesen Sie jetzt
Dorstener Zeitung Trendwende

BVB schafft eine weitere Transferperiode ohne schmerzhaften Abgang

Jahr für Jahr verlor Borussia Dortmund einige seiner besten Spieler an die Konkurrenz. Doch seit Januar 2018 hat der BVB diese Entwicklung gestoppt - und den Trend fast umgekehrt. Von Jürgen Koers

Lesen Sie jetzt