Sancho, Bellingham, Moukoko: Einfluss junger Spieler war beim BVB nie größer

dzBorussia Dortmund

Jadon Sancho, Jude Bellingham, Youssoufa Moukoko und Co. - nie war der Einfluss junger Spieler beim BVB größer. Für Borussia Dortmund ist das Versprechen und Verpflichtung zugleich.

Bad Ragaz

, 13.08.2020, 11:15 Uhr / Lesedauer: 4 min

Zu seiner Vertragssituation und der mindestens um ein Jahr verlängerten Liaison mit Borussia Dortmund hat Jadon Sancho nach dem ersten Testspiel der Vorbereitung nichts gesagt, aber der - selbst noch junge - Engländer hat spannende Auskünfte gegeben zu der Rolle, die er in dem nun anstehenden „Bonus-Jahr“ für die Borussia übernehmen könnte. Er sei ja, hat Sancho, 20, gesagt, „einst“ selbst aus dem Nachwuchs zu diesem Klub gekommen. Jetzt, drei Jahre später, könne er die Spieler führen, die aktuell gerade in diese Gruppe hineinwachsen. „Ich kann ihnen zeigen“, hat Sancho zu Protokoll gegeben, „was gut ist und was nicht gut ist.“

Jude Bellingham ist der Königstransfer des BVB

Gemeint waren da in erster Linie wohl zwei aus einer hier in der Schweiz sehr großen Gruppe von Nachwuchsspielern, die erste Gehversuche bei den Profis machen dürfen wie zum Beispiel ein Youssoufa Moukoko, oder aber die neu zur Borussia gestoßen sind - wie der „Königstransfer“ dieses Sommers, was die reine Ablösesumme angeht.

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Lucien Favre über das BVB-Debüt von Jude Bellingham

Um Jude Bellingham, 17 Jahre jung, hatte sich der BVB seit langem intensiv bemüht. Hartnäckigkeit und gute Argumente waren gefragt im Werben um einen der begehrtesten Nachwuchsstars von der Insel. Und als sich kurz vor dem Ende des Entscheidungsprozesses europäische Schwergewichte in den Bieterkampf einschalteten und wie der FC Bayern auch richtig schwere Geschütze auffuhren, brauchte es auch Nervenstärke.

BVB-Favre gerät nach Bellingham-Debüt ins Schwärmen

Die mehr als 20 Millionen Euro, die Dortmund in diesen Spieler investiert, sind Versprechen und Verpflichtung zugleich. Am Mittwoch gab der Neuzugang vom Zweitligisten FC Birmingham zumindest einen Vorgeschmack darauf, welches Potenzial in ihm schlummert. Bellingham beeindruckte. Bei aller gebotenen Vorsicht nach nur einem Test zu einem noch sehr frühen Saisonzeitpunkt, bei allem Wissen um die Tatsache, dass der Gegner nicht das Format hatte, um ihn ernsthaft unter Druck zu setzen, zeigte er doch schon mehr als nur in Ansätzen, warum jeder in Dortmund seit Wochen von dieser Verpflichtung schwärmt. Sogar sein neuer Trainer, ansonsten ja nicht dafür bekannt, übermäßige Euphorie zu versprühen, schon gar nicht, wenn es das erste Testspiel und eins gegen einen überforderten Erstligisten aus Österreich war, geriet regelrecht ins Schwärmen nach den 45 Minuten von Jude Bellingham beim 6:0 gegen den SCR Altach.

Wie Bellingham die Rolle vor der Abwehr neben Thomas Delaney interpretierte, war sehenswert. Ruhig am Ball, mit dem Blick für freie Räume, immer anspielbar - von Nervosität war nichts zu spüren. „Diese Position ist nicht einfach zu spielen, wenn du erst 17 bist“, lobte daher Lucien Favre. „Er ist nach vorne gegangen im richtigen Moment, er spürt, wann er seine Position verlassen kann.“ Es sei wichtig, Mittelfeldspieler zu haben, die beides können, meinte der Schweizer Trainer. „Manchmal ein Dribbling zu machen und nach vorne zu beschleunigen, aber auch den letzten Pass für ein Tor zu spielen.“ Schon jetzt verkörpere Bellingham diese Qualität.

Jadon Sancho ist der unumstrittene Anführer beim BVB

Es könnte sich als guter Schachzug erweisen, die Fülle an jugendlichem Elan, die gepaart ist mit hoher fußballerischer Qualität, sich entwickeln zu lassen in einer Gruppe, die angeführt wird von reichlich Erfahrung. Dafür stehen Mats Hummels, Axel Witsel, Roman Bürki, Emre Can oder Lukasz Piszczek, natürlich auch ein Marco Reus, sobald er wieder fit ist. Spieler, die wertvolle Tipps geben können. Auffällig aber ist, wieviel Verantwortung in dieser Mannschaft von Spielern übernommen und an Spieler herangetragen wird, die selber gerade erst den Kinderschuhen entwachsen sind.

Sancho ist der unumstrittene Anführer dieser Gruppe. Seine Entwicklung in den vergangenen zweieinhalb Jahren ging steil nach oben und ist mehr als bemerkenswert. Erling Haaland ist auch erst 19, aus dem Sturmzentrum nach nur wenigen Monaten in Dortmund aber schon nicht mehr wegzudenken. Giovanni Reyna spielt die Rolle im zentralen offensiven Mittelfeld mit einer Selbstverständlichkeit und Abgeklärtheit, die Favre regelmäßig ins Schwärmen bringt. In Altach besetzten in Reyna und Bellingham zwei 17-Jährige in den ersten 45 Minurten die zentralen Positionen im offensiven und defensiven Mittelfeld. Auch Dan-Axel Zagadou ist erst 21.

Youssoufa Moukoko muss auf sein BVB-Debüt warten

Die nächsten Rohdiamanten stehen in den Startlöchern. Bellingham hat in Altach das bestätigt, was sich schon in den wenigen Trainingseinheiten andeutete. Ihm kommt zugute, dass er in der englischen Championship ein Stahlbad auf dem Weg zum Männerfußball durchschritten hat. Mit großen athletischen Herausforderungen und einer Masse an Pflichtspielen. Das, und seine fußballerischen Qualitäten, scheinen ihn schnell bereit zu machen für den Sprung zu einem Top-Klub wie den BVB.

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Und dann ist da ja auch noch Youssoufa Moukoko. Wer gehofft hatte, in Altach die ersten Gehversuche des 15-jährigen Ausnahmestürmers bestaunen zu können, der musste enttäuscht abdrehen. Moukoko ist auch für offizielle Testspiele erst dann spielberechtigt, wenn er seinen 16. Geburtstag gefeiert hat. Das wird am 20. November der Fall sein. Bis dahin kann er in Ruhe lernen von den ganz Erfahrenen und denen, die kaum älter sind als er, aber schon ein paar Schritte weiter. Nicht nur Haaland aber schwärmt schon jetzt von einem, der mal sein Nachfolger werden könnte.

In der vergangenen Saison scheiterte der BVB an fehlender Erfahrung

Auch wenn es längst ein Markenzeichen von Borussia Dortmund ist, für junge Spieler ein ideales Sprungbrett zu sein: Die Gruppe von noch gar nicht ausgereiften Spielern, die dennoch schon großen Einfluss auf das Spiel der Borussia haben, oder diesen in absehbarer Zeit entwickeln können, war wohl noch nie so groß wie zur Zeit.

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BVB-Test gegen Altach: Torflut, Spielfreude, Bellingham-Debüt

Dass das Potenzial dieser Spieler riesig ist, zu ihrer Entwicklung aber auch gehört, Erfahrung noch sammeln zu müssen, ist ein Punkt, der nicht vergessen werden darf in der Betrachtung. So bleibt die Frage, ob Talent allein ausreicht, wenn es in kniffligen und engen Spielen auf höchstem Niveau darum geht, die Preise einzuheimsen. In den vergangenen Jahren scheiterte der BVB auch wegen der erkennbar noch fehlenden Erfahrung, wenn es um die Wurst ging - gerade gegenüber dem großen Rivalen FC Bayern. Erst diese Spiele werden zeigen, ob der Erfahrungsschatz mittlerweile ausreicht - und der BVB ein ernsthafter Konkurrent der Bayern sein kann.

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