Roman Bürki hat sich etabliert im Tor von Borussia Dortmund, die gerade beendete war seine beste Saison im BVB-Trikot. Die klare Nummer eins ging mit Leistung voran - trotz zwei groben Patzern.

Dortmund

, 31.05.2019 / Lesedauer: 5 min

Es gibt diesen einen Moment, der vieles, vielleicht alles verändert hat. Und Roman Bürki kann ihn sogar benennen. Das Spiel gegen Leipzig, sagt der Schweizer Torhüter der Dortmunder Borussia, sei für ihn eine Art Wendepunkt gewesen.

Bürki sorgt für Verzweiflung

Die 28. Minute, es stand 1:1, nachdem die Leipziger die Borussia nach 31 Sekunden geschockt hatten, der BVB dann aber durch Dahoud ausgeglichen hatte. Bürki reagierte glänzend gegen den Leipziger Augustin, er entschärfte wenige Minuten später auch einen Heber von Forsberg. Wendepunkte in dieser Partie. Es war auch ihm zu verdanken, dass auf der Anzeigetafel beim Schlusspfiff ein 4:1 stand. Ein zu hoher Sieg für den BVB, weil Leipzig der erwartet starke Gegner war. Aber sie verzweifelten am Torhüter im gegnerischen Gehäuse.

Roman Bürki ist in seiner stärksten BVB-Saison zum Führungsspieler gereift

Am 32. Spieltag leistete sich Roman Bürki in Bremen einen folgenschweren Patzer, als ihm ein Distanzschuss durch die Hände und Beine ins Tor glitt. © imago

Bürki geht nach dem wohlverdienten Urlaub schon in seine fünfte BVB-Saison, die abgelaufene Spielzeit war dabei unstrittig seine klar beste im Dortmunder Trikot. Daran kann auch der schwere Fehler nichts ändern, der Borussia Dortmund in Bremen die Kontrolle einer Partie entgleiten ließ, die man zuvor klar beherrscht hatte. Bürkis Notenschnitt lag bei 2,72, nur in der Saison 2016/17 war er leicht besser. Er vereitelte 46 gute Torgelegenheiten und belegte im Ranking der besten Bundesliga-Torhüter im Fachmagazin „kicker“ hinter Leipzigs Peter Gulasci Platz zwei.

Südtribüne zeigt Bürki ihre Wertschätzung

Mit jetzt 28 Jahren hat sich Roman Bürki, so scheint es, endgültig etabliert im Tor der Borussia. Er habe „die Herzen der Fans erobert“, schrieb das Fanzine „schwatzgelb.de“ euphorisch, beim Aufwärmen ruft die Südkurve seinen Namen und applaudiert. Das gab es in den vier Jahren zuvor nicht und ist die Wertschätzung für eine durchaus bemerkenswerte Entwicklung.

Roman Bürki ist in seiner stärksten BVB-Saison zum Führungsspieler gereift

© Deltatre

Die, so glaubt der ehrgeizige Torhüter, basiert auf mehreren Fundamenten. Bürki sagt, er profitiere sehr vom Wechsel auf der Position des Torwarttrainers. Er lobt ausdrücklich die Arbeit von Matthias Kleinsteiber, „der extrem fortschrittliche Methoden“ verwende. Bei Kleinsteiber, sagt Bürki, „sind wir Torhüter jeden Tag gefordert“.

Bürki redet Klartext - intern und öffentlich

Mit der sportlichen geht auch eine bemerkenswerte Persönlichkeits-Entwicklung einher. Bürki artikuliert auch in der Öffentlichkeit seine Meinung, er legt den Finger in die Wunde, wenn er dies für angebracht hält. Intern wie extern spricht der Schweizer Klartext.

„Ich versuche einfach, Verantwortung zu übernehmen.“
Roman Bürki

„Ich bin jetzt schon eine Weile hier“, sagte er unlängst im Interview mit dieser Redaktion, „wir haben eine Mannschaft, in der viele junge Spieler spielen. Ich versuche einfach, Verantwortung zu übernehmen, sei es nach den Spielen in den Interviews, aber auch im Training, wo ich versuche, meine Mitspieler zu pushen.“

Bürkis Kritik wird akzeptiert. Weil er mit Leistung vorangeht. Aufbauend auf seine herausragende Darbietung im ersten Saisonspiel strahlte Roman Bürki in 32 Saisoneinsätzen Stärke aus, wo er sonst Unsicherheit nach außen trug. Bürki ruht in sich. Das hilft ihm, vor allem aber auch dem BVB.

Konstant gute Leistung trotz vieler Gegentore

Zwei grobe Fehler haben die Statistiker in der abgelaufenen Saison von Roman Bürki gezählt, neben dem Patzer in Bremen sah er auch beim 3:2-Sieg in Berlin bei einem Gegentor nicht gut aus. Ansonsten kann er auf eine Spielzeit zurückblicken, in der er konstant auf hohem Niveau agierte. Trotz der am Ende 40 Gegentore, der zweitschlechteste Wert, seitdem er Roman Weidenfeller als Nummer eins abgelöst hat.

Aus der Vorsaison, in der Zweifel an seiner Entwicklungsfähigkeit zu einer echten Säule dieser Borussia größer wurden, hat der Mann mit den vielen Tattoos seine Konsequenzen gezogen. Er gestattet sich heute auch mal Ruhephasen, er will nicht partout der perfekte und am besten austrainierte Torhüter sein. Er gesteht sich Fehler zu und hat dafür gesorgt, dass ihn diese nicht gleich wieder aus der Bahn werfen. Aus dem verbissene wirkenden Torhüter Roman Bürki ist einer geworden, der Gelassenheit ausstrahlt, Selbstsicherheit.

Hilfe von einem Mentaltrainer

Dabei geholfen hat ihm die Arbeit mit einem Mentaltrainer, dem zweiten Fundament seiner extremen Leistungsentwicklung. Bürki telefoniert regelmäßig mit dem Bekannten aus der Schweiz, den er anruft, „wenn ich das Gefühl habe, ich könnte das gut gebrauchen.“

„Hirn und Kopf auch mal atmen zu lassen, hilft mir.“
Roman Bürki

Manchmal geht es da um Kleinigkeiten, nicht immer sind die großen Probleme der Welt zu lösen. „Er hat mir geholfen, in den wichtigen Momenten fokussiert zu sein, dann aber auch mal wieder loszulassen. Hirn und Kopf auch mal atmen zu lassen, hilft mir auf jeden Fall.“

Zu Saisonbeginn hat ihm der BVB in Marwin Hitz echte Konkurrenz in den Rücken gesetzt. Auf diese Maßnahme reagierte Bürki, der den Ruf besaß, wenig stressresistent zu sein, auf die bestmögliche Art und Weise. Er ließ mit Leistung nie Zweifel daran aufkommen, dass er die klare Nummer eins ist.

Soziale Projekte anstatt Strand und Palmen

Nach dem letzten Spiel in Mönchengladbach war Roman Bürki die Enttäuschung über die verpasste Meisterschaft deutlich anzumerken. Doch Bürki legte sich nicht an den Strand, um mit der vertanen Chance zu hadern. Er reiste nach Rumänien und besuchte zwei soziale Projekte des Kinderhilfswerks Terre des Hommes, für das er sich seit einiger Zeit engagiert. Die 100 Kinder, die er in Bukarest und Piatra Olt traf und unter denen auch geflüchtete Jugendliche aus Syrien und dem Irak waren, wachsen unter schwierigen Bedingungen auf.

Zu sehen, wie der Spaß am Fußball dennoch für lachende Gesichter sorgte, relativierte viel von dem Frust über die verpasste Meisterschaft. „Diese Tage“, meinte er nach seiner Rückkehr, „haben mich inspiriert. Es macht mich glücklich zu sehen, wie der Fußball die Kinder vereint.“


Perspektive für die Saison 2019/20:

An seinem Status als unangefochtene Nummer eins wird sich auch in der kommenden Saison nichts ändern. Bürki hat sich etabliert, darauf wird er aufbauen. Der Fehler in Bremen wird ihn nur noch mehr anstacheln. Sein Ehrgeiz ist groß, dieser Mannschaft die vielleicht fehlenden Prozentpunkte zu geben, um am Ende die Meisterschale hochhalten zu können.

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