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Roman Bürki etabliert sich einmal mehr beim BVB als Leistungsträger und Mahner. Seine spektakuläre Dreifach-Parade gegen Mainz ziert das Glück des Tüchtigen. Michael Zorc ist voll des Lobes.

Dortmund

, 15.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Schwer zu sagen, ob sie ihn überhaupt verstanden, die stürmenden Mitspieler. Sie standen ja weit weg - und genau darin sah Roman Bürki das Übel. Er brüllte über den Platz, beschwerte sich lauthals, dass einige Offensivspieler den Rückwärtsgang nicht im Sprint absolvierten. „Es geht nicht, dass wir bei einem Angriff mit vier Leuten nach vorne laufen, aber keiner von denen mit zurückkommt“, erklärte der Torhüter die Szene später. „Das“, so Bürki, „geht nirgendwo.“

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Mit großem Verständnis wird ein Torhüter, der seine Vorderleute zurückpfeift, selten rechnen können. Auch am Samstag musste der Schweizer Schlussmann der Schwarzgelben einsehen, dass er mit seinen Aufforderungen kein Gehör fand. „Ich habe immer wieder versucht, Zeichen zu geben. Wir müssen wieder mit dem Körper spielen, wir müssen da sein, Präsenz zeigen und in die Zweikämpfe gehen“, berichtete Bürki über die wilden Phasen der zweiten Hälfte.

Erst kaum beschäftigt, dann voll da

Entsprechende Reaktionen der Feldspieler blieben jedoch oft aus, und so musste der Keeper ausbügeln, dass die Mainzer in Hälfte zwei so oft aufs Tor zielen durften wie andere Teams nicht in drei Spielen zusammen. Acht Versuche wehrte er in Durchgang zwei ab, so viele wie in keinem anderen Spiel.

Eine Höchstleistung, von kalt auf heiß umzuschalten, Konzentration und Koordination hochzufahren, nachdem er eine Stunde lang nur eingeschränkt eingespannt war. „Ich habe lernen müssen, mich auf diese Momente einzustellen und mich vorzubereiten“, sagte Bürki. Nicht so einfach, „wenn oft eine ganze Weile nichts auf dich zukommt und dann, am Schluss, musst du da sein.“

„Roman hat nicht zum ersten Mal eine Top-Leistung gebracht.“
Michael Zorc

Genau damit hatte der hoch veranlagte Keeper in seinen ersten Spielzeiten beim BVB seine Schwierigkeiten. Am Samstag feierten die Fans ihn vor allen anderen. Die „Bürki“-Sprechchöre werden zum Gassenhauer. Genießen könne er das schon, sagt er schmunzelnd, „aber erst musste ich mich beruhigen.“

Der Sieg-Festhalter

Körpersprache, Ehrgeiz, Emotionen, das sind Attribute, für die Borussias Nummer eins eine glatte Eins verdient. Mit elf Bürkis wäre der BVB nicht in Bedrängnis gekommen. Dementsprechend stehe es ihm zu, den Mahner zu geben, erklärte Sportdirektor Michael Zorc im Gespräch mit dieser Redaktion: „Wir haben das auch schon nach anderen Spielen betont: Wer mit Leistung vorangeht, der darf auch mal Kritik üben. Und Roman hat nicht zum ersten Mal eine Top-Leistung gebracht.“

Roman Bürki etabliert sich beim BVB als Leistungsträger - und als Mahner

BVB-Torhüter Roman Bürki (M.) wehrte gegen Mainz neun Torschüsse ab. © Kirchner

Wer sich erinnert: Bürki kritisierte zum Beispiel auch nach einem 5:1 gegen Hannover 96 Ende Januar seine Teamkollegen. Die hätten zum Ende des Spiels nachgelassen, die Arbeit quasi eingestellt, wetterte er da. Manch einer runzelte die Stirn, doch den Keeper, der sich intensiv mit seiner Leistung und den Auftritten der Mannschaft beschäftigt, trügte sein Gefühl nicht. Das 5:1 gegen den designierten Absteiger war damals eingetütet, klar. In der Folge aber gewann der BVB nur eines der nächsten acht Spiele. Bürki hatte den Spannungsabfall gewittert.

Spektakuläre Dreifach-Parade

Seine Instinkte funktionierten auch am Samstag. Und wie! Genau erklären konnte der Sieg-Festhalter vor allem seine spektakuläre Dreifach-Parade gegen den Mainzer Anthony Ujah nicht, das müsse er sich nochmal anschauen. „Ich habe immer versucht, die Position zu halten, mit dem Ball mitzugehen.“ Erst machte er sich groß, dann stürzte er dem drohenden Unheil mit ganzem Körpereinsatz entgegen und bekam den Ball final „zum Glück“ zu fassen, als er genau auf der Linie lag. Das Glück ist mit dem Tüchtigen.

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