Reyna und Morey: Borussia Dortmunds gelungener Debütanten-Ball

dzBorussia Dortmund

Giovanni Reyna und Mateu Morey feiern in Leipzig ihre Startelf-Debüts für Borussia Dortmund - und zeigen, dass sie in Zukunft Hauptrollen beim BVB spielen können. Es gibt Lob von allen Seiten.

Dortmund

, 22.06.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Krönung blieb aus, vielleicht verließ Mateu Morey in diesem Moment auch ein bisschen der Mut. Erling Haaland hatte ihn wunderbar in Szene gesetzt, und plötzlich stand der 20 Jahre alte Mallorquiner ganz alleine und völlig frei vor Peter Gulacsi im Leipziger Tor. 7,32 Meter können in besonderen Momenten ganz schön klein aussehen.

Morey jedenfalls, der bei Borussia Dortmunds 2:0-Sieg in Leipzig am Samstag erstmals von Beginn an für den BVB auflaufen durfte, weil Achraf Hakimi gesperrt fehlte, schoss in dieser 47. Minute am Tor vorbei, aber es spielte am Ende keine Rolle mehr. Der BVB gewann auch ohne ein Tor Moreys, dessen Kerngeschäft es ohnehin eher ist, Treffer des Gegners zu verhindern, als selbst welche zu erzielen. Er sei „sehr, sehr glücklich“, gab der Rechtsverteidiger nach seinem Startelf-Debüt zu Protokoll, aber auch „sehr, sehr müde“.

Debüt von Reyna in der BVB-Startelf hat sich verschoben

Giovanni Reyna hatte seinen krönenden Moment da lange hinter sich. Auch der US-Amerikaner, gerade einmal 17 Jahre jung, war von BVB-Trainer Lucien Favre erstmals in die erste Elf berufen worden. Es war eine Startelf-Premiere mit viel Anlauf gewesen. Schon im März hätte Reyna gegen Schalke beginnen sollen, aber das Spiel wurde wegen der Corona-Pandemie kurzfristig abgesagt. Als es am 16. Mai dann nachgeholt wurde, sollte der Mittelfeldspieler wieder starten, doch er verletzte sich beim Aufwärmen. Gegen Mainz am vergangenen Mittwoch hätte es dann wieder soweit sein sollen – und ein bakterieller Infekt bremste den Mittelfeldspieler aus.

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Nun, im vierten Anlauf, klappte es endlich. Der Anfang geriet etwas wackelig, ein wenig Nervosität war dem Teenager, der erst seit der Winterpause fest zum Kader der ersten Mannschaft gehört, durchaus anzumerken. Doch dann kam die 30. Minute, und ähnlich wie bei Reynas traumhaften Tor im DFB-Pokalspiel gegen Werder Bremen im Februar, als die Profifußballwelt erstmals Zeuge seines außergewöhnlichen Talents wurde, zeigte der Sohn des ehemaligen Bundesliga-Profis Claudio Reyna gegen RB Leipzig mit einem einzigen Ballkontakt, dass er auf dem Spielfeld besondere Situationen heraufbeschwören kann.

Reyna lässt schwierige Dinge einfach aussehen

Julian Brandt hatte ihn im Zentrum bedient, und anstatt selbst zu schießen, was die meisten Beobachter wohl für die richtige und nahe liegende Entscheidung gehalten hätten, ließ Reyna den Ball in allerhöchstem Tempo noch einmal abtropfen. Ein paar Meter nur. Patsch. Haaland frei. Tor für Dortmund. Geheimnis der Kunst liegt mitunter darin, schwierige Dinge ganz einfach aussehen zu lassen – und Reyna ist wohl ein Künstler.

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Der Würdigung der traumhaften Torvorlage ließ nicht lange auf sich warten. Reyna sei, sagte Torschütze Haaland, der Leib gewordene „American Dream“. Er sei „erst 17 Jahre alt“ und mache schon „solch beeindrucke Sachen“ auf dem Platz. „Er hat eine große Zukunft vor sich.“

Reyna und Morey: Viel Lob für beide BVB-Debütanten

Doch das Lob kam nicht nur aus Haalands Mund, es kam von allen Seiten. Für beide Debütanten. „Sie haben hervorragend gespielt“, befand Favre. Emre Can sagte: „Mateu hat ein Super-Super-Spiel gemacht. Ich hätte ihm das Tor gegönnt. Er ist ein junger Spieler, der immer gut trainiert und auf seine Chance gewartet hat. Er hat das heute überragend gemacht und hatte es verdient, heute hier zu spielen.“ Und BVB-Sportdirektor Michael Zorc meinte: „Gio hat, wie ich finde, ein tolles Spiel gemacht. Seine Vorarbeit vor dem 1:0 war ganz große Klasse. Er war generell schwer vom Ball zu trennen und konnte oft nur durch ein Foul im Mittelfeld gebremst werden.“

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Auch für Morey fand Zorc nur lobende Worte. Morey sei sehr ballsicher aufgetreten und auch in der Balleroberung gut gewesen. Er sei ein Spieler, der immer seinen Fuß dazwischen habe. „Er ist nickelig auf dem Platz“ - und es überrascht nicht allzu sehr, dass Zorc diese Eigenschaft Moreys außerordentlich mag. „Es war ein vielversprechendes Debüt.“

Reyna und Morey als BVB-Nachfolger für Sancho und Hakimi?

Vielversprechende Debüts, für die es wohl keine viel besseren Zeitpunkte hätte geben können. Reyna spielte für Sancho, der von Favre eine Verschnaufpause verordnet bekam, Morey für Hakimi, der beim 0:2 gegen Mainz 05 seine fünfte Gelbe Karte gesehen hatte. Die Tatsache, dass Favre ihnen im entscheidenden Spiel um die Vizemeisterschaft gegen den Tabellendritten das Vertrauen schenkte, dürfen Reyna und Morey durchaus als besondere Wertschätzung registrieren - und als zusätzliche Motivation, steht doch ausgerechnet bei Hakimi und Sancho noch in den Sternen, ob sie in der kommenden Saison noch für Borussia Dortmund auflaufen werden. Die Alternativen aus dem eigenen Stall haben sich am Samstag als mögliche Nachfolger für die beiden Leistungsträger in Position gebracht.

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