Marco Reus plagte sich mit muskulären Problemen herum. Spät im EM-Quali-Spiel gegen die Niederlande wechselte ihn Joachim Löw dennoch ein. Hätte er nicht Rücksicht auf den BVB nehmen müssen?

Dortmund

, 25.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Ja, Joachim Löw muss Rücksicht nehmen - Augen auf, Herr Löw!
Von Tobias Jöhren

Der Erfolg gibt im Fußball ja immer recht – und Joachim Löw hat Erfolg momentan auch bitter nötig. Insofern war die späte Einwechslung des angeschlagenen Marco Reus beim 3:2-Sieg der DFB-Elf gegen die Niederlande nur allzu logisch. Der Plan ging auf, Reus kam kurz vor Schluss aufs Feld, legte das entscheidende Tor durch Nico Schulz mustergültig auf und bewies trotz Oberschenkel-Problemen einmal mehr seine große Klasse. So weit, so richtig.

Alles, was danach passierte, erinnerte allerdings eher an das Fiasko bei der WM in Russland als an einen erfolgreichen Neuanfang. Löw sprach von einem Restrisiko bei der Reus-Einwechslung, sprach davon, dass die Verantwortlichen vom BVB ihn „in dem Moment nicht interessieren“. Das darf ein Bundestrainer vielleicht denken, öffentlich sagen sollte er es besser nicht.

Denn das Verletzungsrisiko bei Reus war nicht nur das normale Risiko, dem jeder Fußballer ausgesetzt ist, sobald er den Platz betritt. Reus klagte über muskuläre Probleme im Oberschenkel, nicht zum ersten Mal seit dem Winter.

Ein längerer Ausfall im Verein wegen eines kurzen Einsatzes in der Nationalmannschaft wäre für Borussia Dortmund einer Katastrophe gleichgekommen – und das hätte dann zumindest die Verantwortlichen vom BVB sehr wohl interessiert. Zum Glück blieb‘s beim Konjunktiv. Und dem Ratschlag: Augen auf bei der Wort- und Spielerwahl, Herr Löw!

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Muss Joachim Löw Rücksicht auf den Meisterschaftskampf nehmen?

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Nein, Joachim Löw muss keine Rücksicht nehmen - Die besten müssen ran!

Von Dirk Krampe

Ausgerechnet Marco Reus sprang seinem wieder einmal rhetorisch unbedacht daher galoppierenden Bundestrainer zur Seite. Alles sei gut, meinte Reus, „sonst wäre ich nicht im Kader gewesen.“ Damit nahm der BVB-Kapitän Schärfe aus einer Diskussion, die vor allem wegen Joachim Löws Aussage, „die Verantwortlichen von Borussia Dortmund interessieren mich in dem Moment nicht“, Potenzial zu einem nächsten Shitstorm gehabt hätte.

Die Antwort auf die generelle Frage, ob Löw Rücksicht im Titelkampf nehmen muss, lautet aus meiner Sicht: Nein! Als Bundestrainer hat er die bestmögliche Mannschaft auf den Platz zu bringen - immer vorausgesetzt, die Spieler sind gesund. Schließlich wird er daran gemessen, ob seine Personalwahl von Erfolg gekrönt war.

Reus spielt angeschlagen - muss Löw nicht Rücksicht auf den Meisterschaftskampf nehmen?

Ein Kurzeinsatz mit Würze: Marco Reus mit der Vorlage für das 3:2-Siegtor von Nico Schulz. © imago

Im Fall von Reus hat Löw nach Aussage des Spielers gerade in diesem Punkt nicht unverantwortlich entschieden: Man verzichtete auf einen Startelf-Einsatz. Löw brachte Reus erst, als die Situation es erforderte – und auch noch deutlich später als abgesprochen. Übrigens gehörten der DFB-Startelf am Sonntag auch fünf Bayern-Spieler an.

Die öffentliche Spitze in Richtung Dortmund hätte sich so ein erfahrener Mann wie Löw allerdings sparen müssen. Sie zeigte vor allem, dass das durch viele Streitfälle seit Jahren angespannte Verhältnis zwischen den BVB-Verantwortlichen und Löw wohl nicht mehr zu kitten ist.

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