Raphael Guerreiro – der BVB-Hauptgewinn der vergangenen Saison

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Raphael Guerreiro hat sich bei Borussia Dortmund zum absoluten Leistungsträger entwickelt. Die Zahlen bestätigen diesen Eindruck. Das Spielsystem des BVB ist für ihn „wie gemacht“.

Dortmund

, 09.07.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es gab nicht nur gute Tage für Borussia Dortmund in der vergangenen Saison, vor allem nicht in der Hinrunde. Der 12. September 2019 war rückblickend unbestritten einer der besten für den BVB. „Wir haben die Gespräche in den letzten Wochen weitergeführt“, sagte Michael Zorc damals über die zähen Vertragsverhandlungen mit Raphael Guerreiro. Es gebe nun eine „grundsätzliche Einigung, den Vertrag bis 2023 zu verlängern“, erklärte der BVB-Sportdirektor. „Es gibt nur noch einige Details zu klären. Ich bin mir relativ sicher, dass wir das hinbekommen.“

Vieles deutete beim BVB auf einen Abschied Guerreiros hin

Danach hatte es lange wahrlich nicht ausgesehen. Vieles deutete auf einen Abschied Guerreiros nach drei Jahren in Dortmund hin. Der Spieler zögerte mit einer Vertragsverlängerung, der Verein wollte ihn auf keinen Fall 2020 - da wäre der Vertrag des Linksfußes ursprünglich ausgelaufen - ablösefrei ziehen lassen müssen. Der FC Barcelona hinterlegte loses Interesse, Paris Saint-Germain um Ex-BVB-Trainer Thomas Tuchel buhlte hartnäckig, aber nicht hartnäckig genug um die Gunst des Europameisters von 2016.

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Schlussendlich jedenfalls trudelte kein ernstzunehmendes Angebot für den Portugiesen in Dortmund ein, Guerreiro blieb über das Ende der Transferperiode am 2. September 2019 hinaus im Ruhrgebiet – und entschied sich schließlich doch dafür, seinen Kontrakt in Dortmund zu deutlich verbesserten Konditionen um drei weitere Jahre auszudehnen. Ein paar Wochen später, am 17. Oktober 2019, unterschrieb der 26-Jährige bis 2023.

Guerreiros Vertragsverlängerung ist ein Hauptgewinn für den BVB

Nicht einmal ein Jahr später erweist sich Guerreiros Vertragsverlängerung als absoluter Hauptgewinn für Borussia Dortmund. Hinter dem Portugiesen liegt seine bislang stärkste Saison im BVB-Trikot, was freilich auch seinem Gesundheitszustand zuzuschreiben ist. Bis auf eine kurze Verletzungspause zu Saisonbeginn kam Guerreiro erstmals seit seinem Wechsel nach Dortmund (2016 für zwölf Millionen Euro vom französischen Klub FC Lorient) ohne Ausfallzeit durch die Saison und absolvierte 38 von 46 möglichen Pflichtspielen, 33 davon von Beginn an.

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In der Rückrunde stand Guerreiro, der spätestens seit Lucien Favres Umstellung auf ein 3-4-2-1-System im vergangenen November als Linksaußen nicht mehr aus der Dortmunder Mannschaft wegzudenken ist, bis auf das Pokal-Achtelfinale in Bremen (2:3) immer in der Startelf. Der 1,70 Meter große Techniker mit dem feinen linken Fuß ist für den BVB unverzichtbar geworden.

Guerreiro war viertbester BVB-Torschütze

Die Zahlen belegen diesen Eindruck. Guerreiro, dessen Marktwert gestiegen ist, erzielte in der vergangenen Spielzeit acht Tore und legte fünf Treffer auf. In der Bundesliga war er hinter Jadon Sancho, Erling Haaland und Marco Reus der viertbeste Torschütze des BVB, obwohl er sehr wohl auch Defensivaufgaben übernehmen musste auf der linken Seite. Er hatte die drittmeisten Ballkontakte aller BVB-Profis (2.425), schlug die zweitmeisten Flanken aus dem Spiel heraus (36), spulte am viertmeisten Kilometer ab (286,6), zog die viertmeisten Sprints (571) und die drittmeisten intensiven Läufe (1.285) an, schoss am vierthäufigsten aufs Tor (40-mal) und wies die fünfbeste Passquote (90,31 Prozent) auf. Nur Axel Witsel, Mahmoud Dahoud, Dan-Axel Zagadou und Manuel Akanji brachten den Ball prozentual häufiger zum eigenen Mann, wählten in ihrem Spiel allerdings auch deutlich seltener das Risiko.

Raphael Guerreiro – der BVB-Hauptgewinn der vergangenen Saison

© deltatre

Und so ist Guerreiro, der zwar in keiner internen Saison-Statistik des BVB ganz oben auftaucht, aber dafür in fast allen Auflistungen in der Spitzengruppe vertreten ist, einer der ganz großen Gewinner der vergangenen Saison. Favre adelt ihn als „sehr guten und sehr cleveren Spieler“. Zorc betrachtet die Position ganz links in Favres 3-4-2-1-System als „wie gemacht für ihn“ und als „seine beste“. Und Guerreiro selbst ist dankbar für das Vertrauen, das er vom Trainer entgegengebracht bekommt. „Ich habe viele Spiele gemacht, sogar mehr, als ich persönlich vor der Saison erwartet hatte. Das hat mir gezeigt, dass der Trainer doch ein großes Vertrauen in mich setzt. Das freut mich natürlich“, sagt er.

Raphael Guerreiro hat sich zum Platzhirsch beim BVB aufgeschwungen

Guerreiro hat sich im Verlauf der vergangenen Saison zum Platzhirsch auf Borussia Dortmunds linker Seite und zum absoluten Leistungsträger aufgeschwungen. Marcel Schmelzer und Nico Schulz liegen ein deutliches Stück zurück – und aktuell deutet nicht viel darauf hin, dass sich daran in Zukunft etwas ändern wird. Denn die „hohe Wertschätzung innerhalb des Kaders“, die BVB-Sportdirektor Zorc bei der offiziellen Verkündung der Guerreiro-Vertragsverlängerung im Oktober 2019 ausdrücklich betonte, ist seitdem ganz bestimmt nicht kleiner geworden.

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