Professor Zülch: „BVB-Management hat seine Hausaufgaben gemacht“

dzGastkommentar

Der Profifußball durchlebt während der Corona-Krise schwierige Zeiten. Borussia Dortmund hat 44 Millionen Euro Verlust vermeldet. Dennoch ist der BVB in der Lage, die Krise abzufedern.

von Henning Zülch

Leipzig / Dortmund

, 15.10.2020, 09:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der vergangenen Woche titelte das Sportmagazin „kicker“ in großen Lettern einen für das nächste Jahr zu erwartenden Verlust des BVB in Höhe von 75 Millionen Euro. Vor dem Hintergrund der Hiobsbotschaften aus der Bundesliga in den vergangenen Monaten hörte sich das dramatisch an. Aber das ist es gar nicht, wenn man sich einmal intensiver mit den konkreten Zahlen beschäftigt.

Es zahlt sich aus, dass Borussia Dortmund an der Börse gelistet ist

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Hier zahlt es sich aus, dass Borussia Dortmund an der Börse gelistet ist. Denn somit wird der BVB - anders als der überwiegende Teil der Klubs der Bundesliga - zu maximaler Transparenz angehalten. So hat der Klub am 25. September seinen aktuellen Geschäftsbericht 2019/2020 veröffentlicht, während andere Klubs aufgrund ihrer Rechtsform nur sehr wenige Informationen offenlegen.

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Was sagt uns der aktuelle Geschäftsbericht des BVB? Er sagt uns im Ergebnis: Der BVB ist finanziell gut aufgestellt, er wird die Krise meistern und die aktuellen Verluste sind Ausdruck der Extremsituation.


Wie ergibt sich eine derartige Einschätzung? In der Beurteilung der finanziellen Stabilität eines Unternehmens gibt es stets eine zentrale Kennzahl: die Eigenkapitalquote, die das Eigenkapital ins Verhältnis zum Gesamtkapital setzt. Das Eigenkapital ist als ein Stabilitätsfaktor anzusehen, es puffert Verluste ab. Aktuell beläuft es sich das Eigenkapital des BVB auf 305 Millionen Euro bei einer Eigenkapitalquote von ca. 59 Prozent. Das ist ein hervorragender Wert, da das Eigenkapital somit auch künftige Verluste auszugleichen in der Lage ist.

Das aktuelle Verlustergebnis des BVB ist erwartungsgemäß ausgefallen

Das Eigenkapital ist indes abhängig vom Erfolg des operativen Geschäfts und der Entwicklung des Gesamtergebnisses. Für dieses Jahr (2019/20) wurde aufgrund der Pandemie und damit einhergehend ausbleibender Erträge ein Verlust von 44 Millionen Euro erzielt. Zum Vergleich: Im Vorjahr (2018/19) konnte ein Gewinn von knapp 24 Millionen Euro erwirtschaftet werden. Das aktuelle Ergebnis ist erwartungsgemäß und nicht beunruhigend aufgrund der Eigenkapitalausstattung des Klubs.

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In seinem Geschäftsbericht muss der BVB aber auch auf die künftige Entwicklung eingehen und eine Einschätzung zum künftigen Ergebnis unter den gegebenen Umständen abgegeben. Eine Einschätzung unter extremer Unsicherheit also. Diese führte zu der Feststellung der Geschäftsleitung, dass man „… für das kommende Geschäftsjahr 2020/2021 von einem Jahresfehlbetrag im Umfang von 70 bis 75 Millionen Euro“ ausgeht. Öffentlich wahrgenommen wurden in diesem Zusammenhang die besagten 75 Millionen Euro Verlust.

Finanzieller Verlust kann sich auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirken

Allerdings ist diese Information zu relativieren: Zunächst muss dieser Verlust in diesem Maße nicht eintreten. Es handelt sich lediglich um eine Schätzung. Tritt er ein, kann dieser Verlust durch das bestehende Eigenkapital des BVB aufgefangen werden. Der BVB ist folglich in der Lage, die Krise abzufedern. Natürlich kann sich dies - wie bei allen anderen Klubs - auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirken. Daher ist es wichtig, mittel- bis langfristig die erzielten Umsatzerlöse zu stabilisieren oder gar auszubauen. Auch hierzu gibt der Geschäftsbericht weitreichende Detailinformationen, welche den Eindruck vermitteln, dass das Management seine Hausaufgaben gemacht hat.

Prof. Dr. Henning Zülch (47) doziert als Wirtschaftswissenschaftler an der Handelshochschule Leipzig. Er ist in Dortmund aufgewachsen und seit rund 30 Jahren Besitzer einer Dauerkarte auf der Südtribüne, Block 14.
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