Patrick Owomoyela (39) spielte von 2008 bis 2013 für Borussia Dortmund, drei Jahre zuvor für den kommenden Gegner Werder Bremen. Der heutige BVB-Botschafter glaubt noch an eine Titelchance und verrät im Interview, was wichtig wird im Endspurt.

Dortmund

, 02.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Haben Sie das Derby verfolgt?

Ja, ich war im Stadion.


Wie beurteilen Sie den Verlauf?

Das 2:4 hat wehgetan, aber dank des Bayern-Patzers gegen Nürnberg ist aus meiner Sicht für den BVB noch alles möglich. Das 1:1 der Münchner hat erneut aufgezeigt, dass sie in einem Übergangsjahr stecken, dass ihnen vor allem in diesen Spielen die Souveränität fehlt, die sie in den vergangenen Jahren ausgezeichnet hat.


Auch der BVB hat einen Umbruch hinter sich ...

Und ja nur den ersten Teil. Die Borussia steckt mitten in einem Umbruch, das darf man nicht vergessen, wenn man diese Saison analysiert. Im Sommer kam ein neuer Trainer, es kamen einige neue Spieler. Das ist sehr schnell zusammengewachsen.


Wäre Platz zwei demnach ein Erfolg?

Der BVB könnte von einer sehr erfolgreichen Saison sprechen, auch wenn Platz zwei zunächst natürlich eine große Enttäuschung wäre. Sollte es nicht reichen, hat die Mannschaft den Titel übrigens nicht in München oder im Derby verspielt. Es waren die Spiele in Nürnberg, in Augsburg oder in Hannover, wo der BVB entscheidenden Boden verloren hat.

Was hat im Derby den Ausschlag gegeben?

Man hat gesehen gesehen, dass da eine Mannschaft ihre spielerische Qualität gegen eine andere einsetzen wollte, die mit dem Messer zwischen den Zähnen agierte. Schalke konnte mit einem Erfolg in diesem Spiel viel retten nach einer eigentlich katastrophalen Saison. So ist die Mannschaft auch aufgetreten. Leider hat sich gezeigt, dass allein der spielerische Ansatz in diesen besonderen Spielen dann nicht immer reicht.


Der BVB hat gut begonnen, nach dem Elfmeter aber völlig den Faden verloren. Woran lag das?

Auch der Faktor „Druck“ könnte eine Rolle gespielt haben. Wenn die Spiele weniger werden, steigt der Druck. Das ist ganz normal. Ich kann mich noch gut an mein erstes BVB-Jahr erinnern, wo wir am letzten Spieltag in Gladbach die Chance auf die Europa League durch ein 1:1 verspielt haben. Da war es ähnlich wie jetzt: Wir hatten die Erwartungen eigentlich übererfüllt, dennoch möchte man natürlich auch den letzten Schritt machen.


Lucien Favre hat in den Minuten der Enttäuschung davon gesprochen, dass der Titelkampf entschieden ist. Ein fatales Signal?

Favres Aussage kann ich nachvollziehen. Sie kam aus der großen Enttäuschung heraus, sie kam auch im Bewusstsein, die nächsten Spiele ohne Marco Reus spielen zu müssen. Er ist einer der zwei, drei wichtigsten Spieler beim BVB. Und auch Marius Wolf hat sich ja zuletzt in guter Form präsentiert.

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Was bewirken solche Sätze bei der Mannschaft?

Ich glaube nicht, dass Favres Satz einen Einfluss haben wird. Nach dem 2:4 haben wohl viele so gedacht. Erst Münchens 1:1 in Nürnberg hat die Situation wieder deutlich verändert. Vielleicht ist es im Gegenteil ja sogar eher so, dass sie ihm jetzt erst recht das Gegenteil beweisen wollen.


Wie beurteilen sie die Situation bei zwei Punkten Rückstand auf die Bayern?

Sie haben es in der Hand. Aber das Restprogramm spricht nicht unbedingt gegen den BVB. Wobei sie meiner Meinung nach drei Siege benötigen werden.


Von den drei noch anstehenden Aufgaben ist Bremen …

… gleich die schwierigste. Die Entwicklung bei meinem Ex-Klub begeistert mich. Ich habe das Pokalspiel gegen die Bayern live gesehen, da waren sie mindestens auf Augenhöhe. Das Spiel in Düsseldorf hat dann gezeigt, dass du dich als Profi nicht zu lange mit negativen Erlebnissen beschäftigen darfst. Das gilt jetzt auch für den BVB. In Düsseldorf waren die Bremer immer noch geschockt von der Art und Weise, wie sie im Pokal ausgeschieden sind. Trainer Florian Kohfeldt wird es aber gelingen, die Mannschaft jetzt in einer kompletten Trainingswoche wieder aufzurichten.

Patrick Owomoyela: Drei BVB-Siege - dann ist der Titel noch möglich

Von 2005 bis 2008 trug Owomoyela das Trikot des SV Werder Bremen. © imago

Was spricht für Werder?

Es geht für Werder noch um sehr viel, sie könnten eine starke Saison mit der Qualifikation für die Europa League krönen. Und sie werden auch der nächsten Top-Mannschaft zeigen wollen, dass sie ein ebenbürtiger Gegner sein können. Einfach wird es also nicht für die Borussia.

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