Nuri Sahin feiert nach 123 Tagen Kurz-Comeback

"Elendige Zeit"

Auf diesen Moment hat Nuri Sahin vier Monate lang hingearbeitet: Als das Spiel des BVB gegen den HSV (3:0) am Dienstag in der 78. Minute unterbrochen war, leuchtete sie wieder auf der Anzeigetafel: Nuri Sahins Rückennummer 8. 123 Tage Pause aufgrund von hartnäckigen Knieproblemen waren beendet - und der 28-Jährige endlich zurück auf dem Platz.

DORTMUND

, 06.04.2017, 06:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

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— Borussia Dortmund (@BVB)

Es gibt nicht wenige Bundesliga-Profis, für die ist der Gang durch die Mixed Zone selbst nach Siegen eine Qual. Sie sind erschöpft, wollen nur ihre Ruhe haben, auf keinen Fall die Fragen der dort wartenden Journalisten beantworten. Doch es gibt Ausnahme. Nuri Sahin etwa.

Als der 28-Jährige am Dienstagabend die Treppe aus dem Spielertunnel hinauf in den Raum mit den Medienvertretern hochkam, hatte der Mittelfeldspieler ein breites Lächeln im Gesicht und stellte sich später geduldig den Fragen. Kein Wunder: Die „elendige Zeit“ (O-Ton Sahin) voller Schmerzen, Rückschläge und harter Reha-Einheiten hatte eine Viertelstunde zuvor ihr Ende genommen, vier Monate und zwei Tage nach seiner verletzungsbedingten Auswechslung im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach (4:1) Anfang Dezember stand Sahin endlich wieder auf dem Platz. Zwar nur für zwölf Minuten, aber immerhin: Ein Anfang ist gemacht.

Führungsaufgaben 

„Es war cool, nach so langer Zeit mal wieder zu spielen“, sagte Sahin, nachdem er beim Stand von 1:0 eingewechselt und dann noch zwei Tore seines Teams auf dem Platz bejubeln durfte. Der Stratege, der für den leicht angeschlagenen Julian Weigl eingewechselt worden war, übernahm sofort nach seiner Hereinnahme Führungsaufgaben und sortierte seine Elf.

„Mir war es wichtig, mehr Ruhe reinzubekommen“, erklärte er seine Vorgehensweise, „es war mir ein bisschen zu viel Hin und Her. Mir war klar, dass wir noch Chancen bekommen würden. So war es auch. Und danach haben wir es dann gut runtergespielt.“ Die Schlussphasen-Analyse des routinierten Mittelfeldspielers saß maßgenau.

Körperliche Konstanz

Dass er seinem Team nicht nur in der Bewertung einer Partie helfen kann, sondern auch aktiv auf dem Platz, davon ist er trotz wiederkehrender Verletzungsprobleme und wettbewerbsübergreifend erst vier Saisoneinsätzen überzeugt. Grundvoraussetzung dafür ist jedoch, dass er dauerhaft fit bleibt. „Leider“, sagte er am Dienstag, „begleiten mich die Verletzungen jetzt seit langer Zeit. Ich hoffe, dass diese Phase jetzt beendet ist und ich körperliche Konstanz reinbekomme.“

Sowohl seine Ruhe am Ball als auch sein gutes Auge im Aufbauspiel kann der BVB in den heißen Saisonwochen gut gebrauchen. Die Alternativen im defensiven Mittelfeld sind rar - fast immer musste dort in den vergangenen Monaten Weigl spielen. Jetzt steht BVB-Trainer Thomas Tuchel in Sahin eine weitere personelle Option offen.

"Bin sehr selbstbewusst"

„Ich bin sehr selbstbewusst“, erklärte Sahin auf die Frage, ob er sich schon bereit für mehr Einsatzminuten und größere Aufgaben fühle. „Wenn mein Körper bereit ist, dann weiß ich, dass ich auf diesem Niveau Fußball spielen kann. Ich muss dranbleiben, wenn ich meine Chance - wie jetzt gegen den HSV - bekomme.“ Es dürfte nicht seine letzte gewesen sein in dieser Saison – vorausgesetzt, der Körper spielt endlich mit.

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