Nico Schulz: Darum ist der Linksverteidiger für den BVB ein kleiner Königstransfer

dzBorussia Dortmund

Nico Schulz ist Nationalspieler und steht dennoch im Schatten anderer Neuverpflichtungen beim BVB. Weil er auf seiner Position wertvoll werden kann, ist er trotzdem ein kleiner Königstransfer.

Bad Ragaz

, 30.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Schulz vergessen? Kein Problem. Es ist diesem freundlichen, zurückhaltenden jungen Mann ganz recht, wenn andere im Vordergrund stehen. So erging es ihm bereits bei der Bekanntgabe seines Transfers. Thorgan Hazard zum BVB, Julian Brandt zum BVB: Wow! Und ja, auch Nico Schulz. Weniger aufregend, weniger spektakulär als die anderen Verpflichtungen, die sein neuer Klub binnen 24 Stunden im Mai vermeldete.

Als auch noch Mats Hummels hinzugekommen ist, haben sogar Mannschaftskameraden ihn bei der Aufzählung der Aufsehen erregenden neuen Borussen kurzzeitig vergessen. Schulz juckt das nicht. Für Furore sorgen andere. Schulz besorgt seine Aufgaben. „Ich weiß, was ich kann und ich weiß, warum ich geholt wurde“, sagt er nüchtern.

Schulz hat Vorzüge gegenüber Schmelzer, Hakimi und Guerreiro

Auch wenn ihm das Standing im Mannschaftskreis und in der Öffentlichkeit noch etwas fehlen mag, ist der ehemalige Hoffenheimer, für den der BVB mehr als 25 Millionen Euro gen Kraichgau transferierte, ein kleiner Königstransfer. Mit ihm schließen die Dortmunder, so erhoffen es sich die Bosse zumindest, die Dauerbaustelle auf der linken Abwehrseite.

„Konkurrenzkampf hast du immer. Ich bin hergekommen, um der Mannschaft zu helfen und zu spielen.“
Nico Schulz

Seit Marcel Schmelzer nicht mehr den höchsten eigenen Ansprüchen genügt, suchte die Borussia vergeblich nach der idealen Ergänzung. Und findet sie im achtfachen Nationalspieler, der eine ganze Reihe an Vorzügen mitbringt gegenüber den Mitbewerbern wie eben Schmelzer, Raphael Guerreiro oder Achraf Hakimi. „Ich spiele in der Nationalmannschaft, da mache ich mir auch in Dortmund keine Gedanken, ob ich mithalten kann. Konkurrenzkampf hast du immer. Ich bin hergekommen, um der Mannschaft zu helfen und zu spielen.“

Schulz ist einer der stärksten Feldspieler der Liga

Dass er das kann, da wirkt er sicher. Zweifler sollen ihre Zweifel haben, lautet seine Meinung. Er hat eine andere. „Ich habe in den vergangenen anderthalb Jahren recht konstant gespielt“, lautet dann so ein fast devoter Satz aus dem Mund des gebürtigen Berliners. Da spricht Bescheidenheit, kein Understatement. Denn die Fakten weisen ihn mit einem Notenschnitt von 2,82 (2017/18) und 2,88 (2018/19) als einen der auf Strecke stärksten Feldspieler der Liga aus. In ihrer Abstimmung votierten die Kollegen aus Deutschlands Eliteklasse eindeutig für ihn als besten linken Verteidiger.

Nico Schulz: Darum ist der Linksverteidiger für den BVB ein kleiner Königstransfer

Der Wechsel von Mats Hummels zum BVB gilt für viele Experten als der Königstransfer des BVB in diesem Sommer. Aber auch die Verpflichtung von Nico Schulz kann eine große Bedeutung haben. © imago

Diese Qualitäten kitzelte vor allem Julian Nagelsmann aus ihm heraus, doch bis es dazu kam, musste Schulz Geduld mitbringen. Bei seinem Heimatverein Hertha BSC stockte seine Entwicklung, 2015 wechselte er für vier Millionen Euro Ablöse zu Borussia Mönchengladbach. Dort stockte seine Entwicklung nicht nur, sie endete in einem veritablen Stau. Im Oktober, kurz nach seinem Wechsel, riss er sich das Kreuzband. Ganze 13 Ligaspiele standen nach zwei Jahren bei der Borussia vom Niederrhein auf der Karte von Schulz. Zu wenig für beide Seiten.

Höchstgeschwindigkeit von mehr als 35 km/h

Nagelsmann hatte genau hingeschaut. Einen Jeremy Toljan ließen die Hoffenheimer ziehen, auf Nico Schulz bauten sie, sie bauten ihn auf. Mit seiner Höchstgeschwindigkeit von mehr als 35 km/h zählt er nicht nur zu den schnellsten Außenverteidigern der Bundesliga, er bringt seine Dynamik mit großer Offensivfreude auch effektiv ein.

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Seine Abwehraufgabe verrichtet er solide. Dass er technisch nicht perfekt kickt, fällt weniger auf. Seine Pässe kommen an, auch unter Druck, auch tief in der gegnerischen Hälfte. Damit erfüllt er genau das, was dem BVB lange gefehlt hat. Und das erklärt auch zum Teil, warum in Deutschland noch nie so viel Geld für einen Außenverteidiger bezahlt worden ist wie für ihn. 25 Millionen Euro sind das neue fünf Millionen Euro.

Schulz hofft auf besseres Standing durch Wechsel zum BVB

Schulz ist zuversichtlich, dass er den Karriereschritt hin zum BVB zum richtigen Zeitpunkt macht. Mit gerade 26 Jahren liegen die vermutlich besten Fußballerzeiten direkt vor ihm. Komplett ohne Ambitionen ist er dann doch nicht aufgestellt. „Mit dem Wechsel zu Borussia Dortmund – wenn man kontinuierlich Champions League und um die Deutsche Meisterschaft spielt – erhoffe ich mir, dass das Standing vielleicht noch etwas besser wird“, hatte er erklärt.

Nico Schulz: Darum ist der Linksverteidiger für den BVB ein kleiner Königstransfer

In Hoffenheim trug Nico Schulz das Trikot mit der Nummer 16 (Geburtsjahr seines Sohnes Lio), in Dortmund die 14 für das Geburtsjahr von Tochter Layla Valentina. © imago

Vernommen hat er auch die Diskussionen um seine taktisch beste Position. In Hoffenheim spielte er links vor einer Dreierkette und konnte seinen aggressiven Spielstil hemmungsloser ausleben, weil eben immer mehrere Abwehrmänner absicherten.

Deutsche Meisterschaft? „Ein realistisches Ziel“

In einer Viererkette, wie sie BVB-Trainer Lucien Favre bevorzugt, müsste er sich mehr zügeln. Er selber sagt: „Ich kann beide Systeme gut spielen. Wenn du in einer Viererkette spielst, hast du einen Innenverteidiger weniger hinter dir – das ist richtig. Aber ich habe fast mein ganzes fußballerisches Leben in einer Viererkette gespielt.“ Sein Vorschlag: „Lasst uns einfach abwarten. Wir werden sehen, ob es gut läuft.“

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Für grundlegende Skepsis auch bei den großen Ambitionen seines neuen Arbeitgebers sieht er keinen Anlasse. „Mit dem Team, das wir auf den Platz bringen können, brauchen wir uns vor keinem Gegner zu verstecken.“ Er sei ja auch nach Dortmund gekommen, um Titel zu gewinnen. Der FC Bayern München bleibe für viele der Favorit auf die Meisterschaft, „aber warum sollten wir nicht sagen, dass wir Deutscher Meister werden wollen. Das“, sagt Schulz, „ist ein realistisches Ziel.“

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