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Murdo MacLeod über den Pokalsieg mit dem BVB: Emotionen, die ich nie vergessen werde

30 Jahre danach

Murdo MacLeod war wegen seines großen Kämpferherzens ein absoluter BVB-Publikumsliebling. Der DFB-Pokalsieg vor 30 Jahren wird ihm immer im Gedächtnis bleiben, wie er im Interview verrät.

Dortmund

, 24.06.2019 / Lesedauer: 4 min
Murdo MacLeod über den Pokalsieg mit dem BVB: Emotionen, die ich nie vergessen werde

Murdo MacLeod mit dem DFB-Pokal beim Empfang am Friedensplatz. © imago

Herr MacLeod, Sie können sich denken, warum wir Sie heute anrufen?

(lacht) Hat es was mit dem Pokalsieg zu tun?



Genau, am 24. Juni 1989, heute vor 30 Jahren…

Das war ein besonderer Tag für Borussia Dortmund und ein ganz spezieller für mich. Den Tag werde ich nie vergessen.



Sie waren vier Mal Meister in Schottland, zwei Mal Pokalsieger. Warum ist dieser Titel mit dem BVB für Sie so besonders?

Der Pokalsieg war der Aufbruch in eine neue Zeit für den BVB. Das hat man nach dem Spiel gespürt, da war eine riesige Euphorie. Und für mich war er die Krönung meiner einzigen Auslandsstation.



Der BVB war damals klarer Außenseiter. Wie sind Sie als Mannschaft in diese Partie gegangen?

Wir hatten den unbedingten Willen, wir hatten in diesem Spiel eine ganz besondere Einstellung. Denken Sie nur an Nobby Dickel, der verletzt in dieses Spiel gegangen ist. Wir alle wollten diesen Titel unbedingt. In so einem K.o.-Spiel kann auch der schlechteste Verein den besten schlagen. Daran muss man sich immer wieder erinnern.



Sie haben den Großteil Ihrer Karriere in Schottland gespielt. Warum mit 29 Jahren der Schritt ins Ausland und zum BVB?

Ich hatte ja mit Celtic viel gewonnen. Und dann meldete sich mein Berater und berichtete mir vor zwei Anfragen aus der Bundesliga. Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund. Ich bin dann zum letzten Saisonspiel in der Bundesliga gefahren, kurioserweise ausgerechnet Frankfurt gegen Dortmund. Danach war die Entscheidung klar (lacht).

Murdo MacLeod über den Pokalsieg mit dem BVB: Emotionen, die ich nie vergessen werde

Murdo MacLeod bejubelt mit Andreas Möller (r.) und Günter Kutowski (l.) den Pokalsieg in Berlin. © imago

Warum?

Das war keine schwere Entscheidung. Spieler wie Frank Mill, Nobby Dickel oder Michael Zorc, dazu diese Fans. Sie unterstützten ihren Verein bedingungslos. Diese Identifikation mit der Mannschaft, das kannte ich von Celtic, das wollte ich weiter so haben. Und Dortmund hatte sich dazu für den Uefa-Cup qualifiziert. Dort wurde uns in der ersten Runde ausgerechnet Celtic Glasgow zugelost. Sie können sich vorstellen, dass die Rückkehr in dieses Stadion für mich ein ganz besonderer Moment war.



Sie wurden schnell auch in Dortmund zum Publikumsliebling…

Ihnen hat glaube ich gefallen, wie ich gespielt habe. Ich habe immer alles gegeben. Das kam in Dortmund gut an.



Sie blieben drei Jahre in Dortmund. Warum nicht länger?

Ich war am Ende der Saison 32 und habe dem Verein damals gesagt, dass ich spielen will, dass ich nicht auf der Bank sitzen will. Und dann haben wir beschlossen, den Vertrag nicht zu verlängern. Das war auch eine Entscheidung für meine Heimat. Ich wollte meine Karriere in Schottland beenden.

Sie sind dann einen im Profifußball unüblichen Weg gegangen. Sie wurden Spielertrainer…

Bei Hibernian Edinburgh habe ich noch drei Jahre gespielt, dann bin ich zu meinem Heimatklub zurück und war dort in Doppelfunktion tätig. Später habe ich kurz als Assistenztrainer bei Celtic gearbeitet.



Dort hat es Sie nicht lange gehalten. Heute sind wir sozusagen Kollegen…

Ja, ich habe lange für die BBC gearbeitet, heute hört man mich noch als Experte im Radio.



Verfolgen Sie noch den BVB?

Auf jeden Fall. Ihnen hat nicht viel gefehlt in der vergangenen Saison, eigentlich nur Erfahrung. Daher finde ich die Verpflichtung von Mats Hummels gut. Wenn sie aus den Spielen lernen, die sie unnötig aus der Hand gegeben haben, wenn sie dazu noch gut aus den Startlöchern kommen und etwas konstanter spielen, haben sie eine gute Chance auf die Meisterschaft. Kürzlich sind wir 1989er-Pokalsieger ja beim Heimspiel gegen Düsseldorf noch einmal zusammengekommen und wurden auf dem Rasen geehrt. Da kamen viele Erinnerungen hoch…

Murdo MacLeod über den Pokalsieg mit dem BVB: Emotionen, die ich nie vergessen werde

Wiedersehensfreude: Murdo MacLeod und Lothar Huber; im Hintergrund Nobby Dickel. © imago

Welche haben Sie zum Beispiel an die Pokal-Feier nach dem Spiel?

(lacht) Ich habe den meisten Teil der Feier verpasst. Frank Mill und ich mussten zur Doping-Probe. Das hat ewig gedauert. Umso schöner war der Autokorso am Tag danach in Dortmund. Das kannte ich von Celtic so nicht. Da hat man nach so einem Sieg gefeiert, danach war es gut. Uns haben am Tag danach Zigtausende am Straßenrand zugejubelt. Das waren Emotionen, die ich nie vergessen werde.

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