"Mir fehlt Feinschliff"

DORTMUND Nur 35 Tore in 36 Spielen der vergangenen Saison waren Grund genug, um auf dem Markt Ausschau nach einem echten Torjäger zu halten. Der BVB II glaubt, ihn in Christopher Kullmann gefunden zu haben. Und der 21-Jährige hofft, den hohen Erwartungen gerecht zu werden.

von Von Dirk Krampe

, 25.07.2008, 18:01 Uhr / Lesedauer: 3 min

Christopher, wie viele Tore können Sie dem BVB denn versprechen?

Christopher, wie viele Tore können Sie dem BVB denn versprechen?

Christopher Kullmann : Eins mehr als im letzten Jahr (lacht). Nein, im Ernst. Die vergangene Serie ist mit nur einem Tor für mich ja nicht so gut gelaufen. Ich hoffe, dass ich erfolgreicher bin. Zehn Treffer traue ich mir schon zu.

Die Statistik führt Sie mit 55 Regionalliga-Spielen in zwei Spielzeiten für Magdeburg. Das ist nicht schlecht für einen 21-Jährigen. Trotzdem wollten Sie unbedingt weg aus Magdeburg...

Kullmann: Es war jetzt die richtige Zeit dafür. Dieser Schritt musste kommen. In Magdeburg hatte ich das Gefühl von Stillstand.

Weil Sie zumeist nur als Einwechselspieler zum Zuge kamen?

Kullmann: Die ganze zweite Saison lief nicht rund, trotz Trainerwechsel habe ich kaum meine Chance bekommen. Dabei wurde immer gesagt, ich hätte gut trainiert. Aber nach Platz drei im Jahr davor, wo wir den Zweitliga-Aufstieg erst am letzten Spieltag verpassten, konnten wir den hohen Erwartungen nicht gerecht werden. Dazu hatte ich Verletzungsprobleme. Das zog sich wie ein roter Faden durch die Saison.

Also der Neuanfang. Den ersten Kontakt zum BVB gab´s ja schon im August 2007. Stichwort DFB-Pokalspiel...

Kullmann: Da konnte ich nicht mehr so viel ausrichten. Als ich eingewechselt wurde, stand es ja schon 1:4. Aber es war dennoch ein tolles Erlebnis, wie immer, wenn man gegen einen Bundesligisten spielen darf. Es war übrigens nicht der erste Kontakt.

Der war wann?

Kullmann: Den gab es  schon drei Jahre vorher. Vor meinem letzten A-Juniorenjahr habe ich in Dortmund zur Probe trainiert. Theo Schneiders Co-Trainer Ingo Preuß hat meine Entwicklung seither verfolgt. Jetzt hat es endlich geklappt.

Und Sie haben mit etlichen der Gegenspieler von damals schon gemeinsam trainiert. Ein besonderes Gefühl?

Kullmann: Klar. Auch deshalb habe ich den Schritt ja gemacht. Meine Trainer haben immer gesagt, mir fehlt nur noch der letzte Feinschliff. Hier beim BVB kann ich mir den holen. Die Bedingungen mit dem Trainingszentrum sind optimal, und ab und zu schon mal oben reinzuschnuppern wird mir sicher weiterhelfen. Hier bekomme ich eine Super-Ausbildung.

Also ist der Schritt aus der dritten in die vierte Liga kein Rückschritt?

Kullmann: Man wird sehen, inwieweit die Stärke der Ligen vergleichbar ist. Ich denke, dass das Niveau ähnlich sein wird. Ein Rückschritt ist der Wechsel nach Dortmund auf keinen Fall. Vielleicht gehe ich einen Schritt zurück, um dann zwei nach vorne zu machen. Ich habe ein gutes Gefühl bei der Sache.

Der BVB hat einen echten "Knipser" gesucht, einen Stoßstürmer, der sich vorne konsequent die Chancen erarbeitet und dann zuschlägt. Ist das Ihr Spiel?

Kullmann: Ich habe in Magdeburg auch rechts oder links gespielt. Aber in der Mitte fühle ich mich schon wohl. Ich habe ein gutes Kopfballspiel, und hier werde ich die Flanken hoffentlich bekommen. Aber das ist die Feinabstimmung, an der wir jetzt noch arbeiten.

Ihr Vertrag läuft nur über ein Jahr, hat aber eine Anschluss-Klausel (Anm. d. Red: Automatische Verlängerung um zwei Jahre) im Falle des Aufstiegs. Wie realistisch ist das in einer Liga, in der Traditionsklubs wie Essen oder Münster spielen?

Kullmann: Ich kenne natürlich nicht die Stärke aller Gegner. Aber ich habe mich über die Mannschaften informiert. Und ich kann einschätzen, wie gut wir sind. Die Regionalliga ist mit vielen zweiten Mannschaften von Bundesligisten besetzt. Klar muss man Essen auf der Rechnung haben. Aber wir brauchen uns nicht zu verstecken.

Sie leben jetzt seit fast vier Wochen in Dortmund. Mit 21 sicher kein einfacher Schritt. Schon eingewöhnt?

Kullmann: Auf jeden Fall. Ingo Preuß hat mir bei der Wohnungssuche geholfen, wir sind da auch sofort fündig geworden. Ich fühle mich rundum wohl hier. Obwohl ich von der Stadt und den Leuten noch nicht so viel gesehen habe.

Die Leute im Ruhrgebiet gelten als offen und sehr direkt. Entspricht das ihrer Lebenseinstellung?

Kullmann: Auf jeden Fall. Ich bin ein ehrlicher Typ, der den Leuten direkt ins Gesicht sagt, was er denkt. (lacht). Nur bei den Profis halte ich mich noch ein bisschen zurück.

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