Michael Zorc zur BVB-Kritik: „Ich kann die Stoßrichtung weder teilen noch nachvollziehen“

Borussia Dortmund

Seit dem 2:2 des BVB gegen Frankfurt ist das Wort Mentalität in aller Munde. Michael Zorc hat wenig Verständnis für die Unruhe im Umfeld des Vereins – und bricht eine Lanze für Marco Reus.

Dortmund

, 26.09.2019, 15:54 Uhr / Lesedauer: 3 min

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Auf der BVB-Pressekonferenz geht es heiß her!

Michael Zorc warf vorab einen kurzen Blick in den provisorischen Presseraum auf dem BVB-Trainingsgelände in Dortmund-Brackel. „Na, seid Ihr gut drauf?“, fragte der Sportdirektor der Schwarzgelben mit einem Lachen in die versammelte Journalisten-Runde.

Dann verschwand er wieder, wohlwissend, dass die wenige Augenblicke später folgende Pressekonferenz wohl etwas weniger lustig werden würde.

Eine Mentalitätsdiskussion in aller Munde, eine Kapitänsdiskussion im Boulevard und nach fünf Spieltagen bereits fünf liegengelassene Punkte: Es gibt idyllischere Voraussetzungen für Fragerunden mit Journalisten – und in der Tat dauerte es auch nicht allzu lange, bis das Thema Mentalität auf die Tagesordnung rückte.

Weder ein Qualitäts- noch ein Mentalitätsproblem?

„Mentalität muss für vieles herhalten – und wird meistens immer dann herangezogen, wenn es nicht läuft“, sagte Zorc. BVB-Trainer Lucien Favre sagte: „Mentalität ist schwer zu definieren. Es ist einfach zu sagen, dass es an der Mentalität liegt.“

Ob die Mannschaft ein Qualitäts- oder ein Mentalitätsproblem habe, wurde Zorc gefragt. „Weder noch“, lautete die knappe Antwort.

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„Was ist es denn dann?“ „Ich sehe uns nicht auf einem Abstiegsplatz, um ehrlich zu sein“, entgegnete Zorc. „Ich habe in Frankfurt kritisiert, dass wir es nach dem 1:0 versäumt haben, das Spiel frühzeitig für uns zu entscheiden. Das habe ich bemängelt, weil es möglich gewesen wäre. Grundsätzlich sehe ich uns nicht so schlecht aufgestellt.“

„Dieses Spiel müssen wir gewinnen“

Zorc machte keinen Hehl daraus, dass er von der Unruhe im BVB-Umfeld so früh in der Saison überrascht sei. „Wir kritisieren gerade auf sehr hohem Niveau. Wenn ich mir die Berichterstattung in dieser Woche anschaue, dann habe ich das Gefühl, wir seien am Ende der Saison, hätten sämtliche Ziele verfehlt und hätten eine Scheiß-Saison gespielt“, sagte der 57-Jährige.

„Das ist mir alles ein bisschen zu verfrüht. Die ganze Stoßrichtung kann ich weder teilen noch nachvollziehen.“ Der Blick beim BVB gehe nach vorn, er wisse auch, dass die Mannschaft auswärts noch zulegen könne.

„Aber die nächste Aufgabe heißt Werder Bremen. Dieses Spiel müssen wir gewinnen und dann geht es an zwei schwere Auswärtsaufgaben, einmal in der Champions League in Prag und dann in der Bundesliga in Freiburg.“

Der Fluch der guten Tat

Generell sei es so, dass es „immer eine Unzufriedenheit gibt, wenn wir nicht gewonnen haben“, meinte Zorc. Das ergebe sich auch aus den guten Leistungen der vergangenen Saison.

„Wir haben mittlerweile eine gewisse Fallhöhe erreicht.“
Michael Zorc

„Wir haben mittlerweile eine gewisse Fallhöhe erreicht. Die Herausforderung – und das haben wir in den Heimspielen bislang hervorragend gemacht – ist, dass wir auch auswärts so auftreten, wie wir das in weiten Teilen der Vorsaison geschafft haben. Das ist die Zielsetzung.“

Der Fluch der guten Tat also, wenn man es so auslegen möchte. Borussia Dortmund bekommt ihn in diesen Tagen deutlich zu spüren.

Lucien Favre stellt sich hinter Marco Reus

Das gilt auch für Marco Reus. Der Kapitän sucht noch nach seiner Topform aus der vergangenen Spielzeit, und reagierte nach dem 2:2 in Frankfurt am vergangenen Sonntag sichtlich und hörbar genervt auf die Fragen nach einem möglichen Mentalitätsproblem des BVB, das er nach dem 1:3 bei Union Berlin am dritten Spieltag noch selbst thematisiert hatte.

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Ihm gehe das alles „so auf die Eier“, sagte Reus gegenüber „Sky“. „Jede Woche dieselbe Kacke.“ Das Wort „Mentalitätsscheiße“ erlangte ebenfalls noch Berühmtheit.

Michael Zorc zur BVB-Kritik: „Ich kann die Stoßrichtung weder teilen noch nachvollziehen“

Auch Marco Reus hat sein Leistungsvermögen in dieser Saison noch nicht ausgeschöpft. © dpa

Die „BILD-Zeitung“ warf daraufhin in dieser Woche sogar die Frage auf, ob Reus noch der richtige BVB-Kapitän sei. Am Donnerstag bezogen sowohl Favre als auch Zorc klar Stellung.

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Favre sagte: „Ich denke, er macht es sehr, sehr gut. Er hat es vergangene Saison sehr, sehr gut gemacht – und das tut er auch weiterhin.“

„Marco ist unser Kapitän und bleibt unser Kapitän“

Zorc wurde deutlicher – und sparte nicht mit Kritik an der Berichterstattung im Boulevard. „Sie müssen Ihre Berichterstattung nicht im Nachhinein legitimieren. Wir zeigen ganz klare Kante: Marco ist unser Kapitän und bleibt unser Kapitän. Wir haben eine gesunde Hierarchie. Mit ihm. Mit Lukas Piszczek als erfahrenem Spieler. Mit Axel Witsel, der sehr erfahren ist. Und natürlich mit Mats Hummels.

„Wir haben eine gesunde Hierarchie.“
Michael Zorc

Das sind die Führungsspieler bei Borussia Dortmund. Es gibt überhaupt keinen Grund, daran etwas zu ändern. Da können Sie so viel schreiben, wie Sie möchten. Wir haben da eine ganz klare Position. Danke.“

Am Samstagabend darf dann endlich wieder Fußball gespielt werden. Um 18.30 Uhr ist Werder Bremen zu Gast im Signal Iduna Park.

Die Tatsache, dass Borussia Dortmund ein Heimspiel bestreiten darf, erhöht die Chance auf einen Erfolg des BVB signifikant – und darauf, dass die nächste Pressekonferenz wieder ein bisschen lustiger wird.

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