Michael Rummenigge zum Verhältnis zwischen Favre und Götze: Irgendwas stimmt da nicht

dzBorussia Dortmund

Michael Rummenigge ist eine BVB-Legende. Beim RN-Talk im Deutschen Fußball Museum macht er Defizite bei den Schwarzgelben aus - auch im Verhältnis zwischen Lucien Favre und Mario Götze.

Dortmund

, 04.10.2019, 15:46 Uhr / Lesedauer: 3 min

Michael Rummenigge weiß, wie man Titel gewinnt. In seiner Karriere wurde er drei Mal Deutscher Meister. Zwei Mal streifte er das Nationaltrikot über und 1989 half er mit, den DFB-Pokal nach Dortmund zu holen. Für ihn war es schon der dritte Erfolg im DFB-Pokal. Für Borussia Dortmund bedeutete es das Ende einer 23 Jahre lang andauernden Durststrecke, in der der BVB und die ganze Stadt Dortmund nach einem Titel gelechzt hatten.

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Michael Rummenigge ist Dortmunder, wohnt seit vielen Jahren in der Stadt, drückt dem BVB die Daumen und guckt jedes Spiel, selbst wenn er zeitgleich auf Veranstaltungen ist, wie zuletzt dem Geburtstag von Mats Hummels‘ Vater.

Michael Rummenigge vermisst zu häufig den Willen beim BVB

Genau wegen dieser Leidenschaft für die Schwarzgelben ärgert ihn auch die aktuelle Situation beim BVB in der Liga: Zu oft fehle „der Wille, die Leidenschaft über den toten Punkt hinaus zu gehen“, sagt der 55-Jährige.

Michael Rummenigge zum Verhältnis zwischen Favre und Götze: Irgendwas stimmt da nicht

Michael Rummenigge würde sich bei Lucien Favre mehr Emotionen wünschen. © Patrick Radtke

Zum Beispiel in der Partie gegen Eintracht Frankfurt. „Da führst du 2:1 und merkst irgendwann, heute geht nicht mehr viel. Dann muss man auch einfach mal ab der Mittellinie zumachen und konsequent verteidigen“, moniert Rummenigge. „Das ist Mentalität, das ist Einstellungssache.“

Dieses Problem lässt sich auch in Zahlen ablesen. „Gegen Frankfurt gab es nur zwei gelbe Karten – auswärts. Wenn ich einen Vorsprung halten will, muss ich auch mal eine gelbe Karte in Kauf nehmen. Man muss da ein bisschen cleverer sein.“

Michael Rummenigge zum Verhältnis zwischen Favre und Götze: Irgendwas stimmt da nicht

Gegen Eintracht Frankfurt sprang am Ende nur ein Unentschieden heraus. © deltatre

Das beste Beispiel sei da doch der vergangene Gegner in der Bundesliga, Werder Bremen. Die hätten genau das an den Tag gelegt, das dem BVB da gefehlt habe: Wille und Laufbereitschaft.

Der BVB hat „das gemacht, was die Bayern immer gemacht haben“

Nur so könne der BVB wirklich oben dran bleiben. Denn einen anderen Verein, der Bayern München den Titel ernsthaft streitig machen könnte, sieht Rummenigge nicht.

Leverkusen sei für ihn eine „Zauberkiste“, Leipzig spiele zwar eine „gute Rolle“ und habe einen „interessanten Trainer“ aber „es gibt nur Bayern und BVB, die um den Titel spielen können. Und wenn man es schaffen kann, dann vielleicht jetzt. Die Bayern sind doch gerade auch im Umbruch“, sagt Rummenigge.

Michael Rummenigge zum Verhältnis zwischen Favre und Götze: Irgendwas stimmt da nicht

Michael Rummenigge glaubt weiterhin an die Titelchance vom BVB. © Patrick Radtke

Die Voraussetzungen für die Meisterschaft wurden in der Transferperiode nämlich geschaffen. Der BVB habe „das gemacht, was die Bayern immer gemacht haben“, so Rummenigge. Die besten Spieler aus der Bundesliga seien gekauft worden, „um sich zu stärken und andere zu schwächen“. Die Transfers seien gut, die Frage sei nur, wie es nun umzusetzen ist.

Die klare Äußerung, dass der BVB Meister werden möchte, bewertet Rummenigge positiv. „Man hätte es schon in der Rückrunde der vergangenen Saison sagen können, aber da hat man in den entscheidenden Spielen gegen München, Schalke, Augsburg und Düsseldorf gepatzt. Es war gut, dass der Verein nun gesagt hat, dass man Deutscher Meister werden will. Nur einer hat es bis heute nicht gesagt: Das ist Lucien Favre“.

Rummenigge fehlen bei Favre die Emotionen

Dass der Schweizer Trainer ein Teil des Problems sei, sieht Rummenigge noch nicht so. „Ich möchte keine Trainerdiskussion entfachen. Wir müssen Abstand nehmen von der Vorstellung, nochmal so einen Trainer wie Jürgen Klopp zu haben, der Fachliches und Menschliches vereint hat. Man muss ja auch bedenken, es sind nicht immer die passenden Trainer für eine Mannschaft auf dem Markt.“

Michael Rummenigge zum Verhältnis zwischen Favre und Götze: Irgendwas stimmt da nicht

Im Gespräch mit RN-Sportchef Sascha Klaverkamp plauderte Michael Rummenigge über den BVB. © Patrick Radtke

Klar ist aber, dass sich auch Michael Rummenigge mehr Emotionen bei Favre wünscht. „Das fehlt so ein bisschen. Er ist ja ein völlig ruhiger, zurückhaltender Typ. Wenn ich mir seine Interviews anschaue, verstehe ich nicht immer, was er gesagt hat. Und das überträgt sich ja auch auf die Mannschaft“, meint Rummenigge. Er erinnert daran, dass Favre bei Hertha BSC in der Saison 2008/2009 fünf Spieltage vor Schluss noch im Meisterrennen war, am Ende aber sogar die Champions League verspielte.

Auch das Verhältnis zu Mario Götze sieht Rummenigge kritisch. „Ich glaube, er hat mit ihm ein persönliches Problem. Irgendwas stimmt da nicht und das dürfte man als Cheftrainer nicht haben.“

Dennoch sei eine Trainerdiskussion jetzt noch zu früh. „Warten wir mal noch vier Spiele ab. Der BVB will Meister werden, und das können sie auch.“

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