Hinter Maximilian Philipp liegt ein enttäuschendes halbes Jahr. Für die Rückrunde hat sich der BVB-Allrounder viel vorgenommen - doch die Situation bleibt kompliziert.

Marbella

, 13.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Als die Schiebetür am Flughafen in Malaga aufgeht, tritt Maximilian Philipp als erster ins Bild der wartenden Kameras. Der 24-Jährige ist früh dran, es dauert eine ganze Weile, bis seine Mitspieler folgen. Philipp ist mit Abstand der erste BVB-Profi, der an der Costa del Sol im wartenden Mannschaftsbus verschwindet. Das Trainingslager ruft. Marbella ruft.

„Dafür werde ich alles raushauen“

Eine gute Woche ist das jetzt her - und wer will, kann die Flughafenszene durchaus mit folgenden Sätzen des 24-Jährigen in Verbindung setzen. „Ich habe mir viel vorgenommen“, sagte Philipp gegenüber dem vereinseigenen Sender „BVB-TV“, „ich will mich mehr zeigen und dazu beitragen, dass die Mannschaft weiter erfolgreich spielt. Dafür werde ich alles raushauen und Gas geben.“

Das klingt ein bisschen nach guten Vorsätzen fürs neue Jahr - und bislang hält Philipp, was er angekündigt hat. Der gebürtige Berliner, der 2017 für rund 20 Millionen Euro vom SC Freiburg zum BVB wechselte, hat das Trainingslager in Marbella genutzt, um sich bei Borussia Dortmund wieder ein bisschen mehr in den Fokus zu spielen. Zwei Tore im Test gegen Fortuna Düsseldorf (3:2), ein Treffer im Test gegen Feyenoord Rotterdam (2:1): Philipp dürfte mit einem deutlich besseren Gefühl aus Spanien zurückkehren, als er hingeflogen ist.

Im System verloren gegangen

Denn in der Hinrunde ist Philipp irgendwo in Lucien Favres 4-2-3-1-System verloren gegangen. Seit dem achten Spieltag, als er in Stuttgart sein einziges Tor in dieser Bundesliga-Saison erzielte, hat der Offensivallrounder in der Liga nur noch 22 Minuten auf dem Platz gestanden, an den letzten beiden Spieltagen vor der Winterpause schaffte er es nicht einmal mehr in den Kader.

Man hat fast das Gefühl, als sei ihm seine fußballerische Vielseitigkeit ein wenig zum Verhängnis geworden. Zu Saisonbeginn wurde sein Name als interne Lösung für die damals vakante Mittelstürmer-Position beim BVB in den Ring geworfen, obwohl sich Philipp auf der offensiven Außenbahn oder als hängende Spitze deutlich wohler fühlt. Über 15 Tore traue man ihm vorne drin durchaus zu, hieß es von Seiten der BVB-Verantwortlichen, was angesichts von Philipps neun Treffern in der Vorsaison trotz längerer Verletzungspause auch nachvollziehbar erschien, den Rucksack auf Philipps Schultern aber trotzdem nicht leichter werden ließ.

Viel Arbeit, wenig Ertrag

Auch Philipp selbst gab sich vor der Spielzeit selbstbewusst. „Ich traue mir das schon zu“, sagte er angesprochen auf das Vertrauen und die Erwartungshaltung seiner Vorgesetzten. Er sei flexibel genug, um der Mannschaft auch als Mittelstürmer zu helfen. Das Problem: Wirklich glücklich wurde Philipp auf der Neunerposition nicht - und wirklich torgefährlich auch nicht. Er spielte, er arbeitete, aber er traf nicht. Als dann erst Paco Alcacer und später Mario Götze an ihm vorbeizogen, war Philipp plötzlich die Nummer drei für die Position ganz vorne. „Das ist nicht mein Anspruch“, sagt er.

Maximilian Philipp nimmt einen neuen Anlauf beim BVB

Seinen bislang einzigen Saisontreffer erzielte Philipp beim 4:0-Sieg in Stuttgart. © imago/Sportfoto Rudel

Philipps Situation beim BVB bleibt kompliziert. Im Trainingslager wusste er auf der Zehnerposition zwar zu gefallen und sammelte nicht nur wegen seiner drei Testspiel-Tore Pluspunkte, doch sobald Marco Reus fit und gesund ist, gibt es am Kapitän kein Vorbeikommen. Nicht für Philipp, nicht für irgendwen sonst. Auf den offensiven Außenbahnen sind derzeit Jadon Sancho und Raphael Guerreiro gesetzt und haben die Nase vorn. Philipp wird sich also weiter gedulden müssen, auch wenn er in Marbella wieder deutlich näher an die erste Elf heran- und ein Wechsel Philipps im Winter weiter weggerückt ist.

Stuttgart und Leipzig zeigen Interesse

Der VfB Stuttgart soll zuletzt großes Interesse an einem Leihgeschäft gehabt haben, der BVB allerdings nicht. Auch RB Leipzig wird ein gesteigertes Interesse an Philipp nachgesagt. Ganz vom Tisch ist ein Abschied aus Dortmund nicht. Die Eindrücke aus Marbella lassen allerdings eher darauf schließen, dass Philipp beim BVB im neuen Jahr einen neuen Anlauf nimmt - und noch wichtig werden könnte für Borussia Dortmund.

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