Manuel Akanji hinkt den eigenen Ansprüchen beim BVB weit hinterher

dzBorussia Dortmund

Nach einem starken Start bei Borussia Dortmund stagniert Manuel Akanji in seiner Entwicklung. Halt und Rückgrat kann er der BVB-Defensive derzeit nur sporadisch geben.

Dortmund

, 05.09.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Blick ging nach unten, die herabhängenden Schultern drückten Resignation aus: Manuel Akanji war auf dem Feld nur noch ein Häufchen Elend, während um ihn herum die „Alte Försterei“ förmlich explodierte. Das Tor zum 1:2 aus Dortmunder Sicht sollte letztlich so etwas wie die Vorentscheidung gegen den BVB im Duell bei Aufsteiger Union Berlin bedeuten - und der Schweizer Innenverteidiger hatte dabei gleich doppelt schlecht ausgesehen.

Akanji wie in der Rückrunde der vergangenen Saison

Akanjis Start in die neue Saison verläuft holprig, nicht nur wegen des dicken Patzers am Samstag im Berliner Osten. In die Vorbereitung war er nach seinen Länderspielen in der Nations League verspätet eingestiegen, hatte aber gleich mit muskulären Problemen zu kämpfen. Akanji verzichtete auf die Reise in die USA, stieg erst im Trainingslager in der Schweiz richtig ein, absolvierte die letzten Tests dann aber problemlos. Das sollte die Basis sein für eine Spielzeit, in der er die Rückrunde der vergangenen Saison vergessen machen wollte.

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Denn die hatte viele Enttäuschungen bereitgehalten für den ehrgeizigen und immer selbstbewussten Schweizer. Nach einer komplizierten Hüftverletzung samt Pause zum Jahreswechsel stieß er erstaunlich schnell schon Ende Februar wieder zum Team, doch der Neustart gestaltete sich schwierig. Form und Selbstverständnis in seinem Spiel hatten während der 50-tägigen Zwangspause gelitten, in sein Spiel hatten sich Fehler eingeschlichen, die man so trotz seiner erst 24 Jahre von ihm nicht kannte.

Verletzung wirkte nach, das Selbstvertrauen war futsch

Haften geblieben aus einer insgesamt nicht einfachen Rückrunde ist der folgenschwere Patzer in Bremen, der Borussia Dortmund wichtige Punkte im Titelkampf kostete. Auch bei der Derby-Niederlage gegen Schalke (2:4) und zuvor beim Gipfel in München hinterließ Akanji keinen souveränen Eindruck. Die Verletzung wirkte nach, das Selbstvertrauen war futsch.

Manuel Akanji hinkt den eigenen Ansprüchen beim BVB weit hinterher

Auch in dieser Saison läuft Manuel Akanji seiner Form noch hinterher. © imago

Als es in die entscheidenden Wochen ging, hatte er sehr viel mit sich selbst zu tun. Halt und Rückgrat konnte er der BVB-Defensive in dieser Phase nur sporadisch geben. Zu schwankend verliefen seine Leistungen.

Manchester United „die Verwirklichung eines großen Traums“

Im Herbst 2018 war Manuel Akanji einer der Garanten für Borussia Dortmunds Sturm an die Tabellenspitze der Bundesliga. Akanji hat in dieser Phase in seiner Heimat der Neuen Züricher Zeitung (NZZ) ein durchaus bemerkenswertes Interview gegeben. Er hat den Schritt nach Dortmund als perfekt und genau richtig beschrieben, aber er hat auch von seinem Ziel gesprochen, einmal für Manchester United zu spielen. „Das“, hat Akanji gesagt, „wäre die Verwirklichung eines großen Traums.“

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Dass er sich diesen Schritt auch schon in naher Zukunft zutraut, daran hat der Schweizer keine Zweifel gelassen. Sein großes Selbstvertrauen ist auffällig und bewegt sich manchmal an der Grenze zur Arroganz. Das bekommt man regelmäßig auch in seinen Aktionen auf dem Platz zu sehen. Akanji scheut die schwierigen Bälle nicht, wenn er in der Spieleröffnung großes Risiko geht.

Anspruch und Wirklichkeit passen nicht zusammen

Am Samstag wollte er vor dem 1:2 einen hohen Ball lässig mit dem Fuß herunterpflücken, das ging gründlich schief. Er hätte seinen Bock gleichwohl locker ausmerzen können, sah aber im Eins-gegen-Eins gegen Berlins Andersson dann gleich nochmal richtig schlecht aus.

Es sind Unkonzentriertheiten wie diese oder wie die in Köln, als er mit einem arg scharfen Rückpass seinen Torhüter Roman Bürki in Bedrängnis brachte, die das Bild von Manuel Akanji derzeit trüben. Vielleicht ist er ja zu abgelenkt. Die Berufung von Mats Hummels in den Dortmunder Mannschaftsrat soll Akanji sehr missfallen haben - er trat daraufhin aus dem Verbindungsgremium zur Vereinsspitze zurück.

Er habe „kein Problem mit Hummels“, hat der Schweizer nun in einem Interview mit dem Portal „watson.ch“ dazu erklärt. Und, noch wichtiger: „Ich fühle mich immer noch wohl in Dortmund!“ Den eigentlichen Zwist entkräftete er damit nicht.

Akanji wandelt auf einem schmalen Grat. „Ich weiß, was ich kann, und ich traue mir zu, dass es gleich schnell weitergeht“, hat er in dem Interview in der NZZ vor einem Jahr gesagt. Momentan aber passen Anspruch und Wirklichkeit bei ihm nicht zusammen - Akanji stagniert eher in seiner Entwicklung.

Zusammenspiel mit Hummels läuft noch nicht reibungslos

Die Hoffnungen, durch die Rückkehr von Mats Hummels an seiner Seite auch von dessen Abgeklärtheit, Erfahrung und Klasse profitieren zu können, sie haben sich (noch) nicht erfüllt. Noch wirkt das Duo nicht perfekt eingestimmt aufeinander, was kein Wunder ist, weil sie noch nicht allzu oft gemeinsam auf dem Feld gestanden haben.

Vielleicht wäre es daher allerdings angebracht, sich mit kleinen gelungenen Aktionen zunächst das verlorene Selbstvertrauen zurückzuholen. Damit der Traum von Manchester United und Old Trafford vielleicht irgendwann Realität werden kann.

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