Lucien Favre und die Zweifel: Beim BVB wächst vor dem Revierderby die Unruhe

dzKommentar

Beim BVB wächst nach dem 0:2 in Mailand die Unruhe. Statt Offensivpower bietet die Borussia über weite Strecken nur hilfloses Ballgeschiebe an. Im Fokus steht Trainer Lucien Favre.

Mailand

, 24.10.2019, 06:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es hätte so schön sein können: Die Tabellenführung in der Königsklassen-Gruppe dank eines Sieges in Mailand verteidigt, damit die Tür zum Achtelfinale weit aufgerissen - und richtig Rückenwind für das Revierderby gegen den FC Schalke geholt. Hätte, hätte … Die Realität für Borussia Dortmund sieht allerdings deutlich trister aus.

BVB präsentiert sich über weite Strecken harmlos

Dieses 0:2 im Giuseppe-Meazza-Stadion, es zerstörte am Mittwochabend jäh die zarte Hoffnung, die nach dem erkämpften 1:0 gegen Gladbach zuletzt im BVB-Lager aufgekeimt war, dass sich nun schnell alles zum Guten wenden würde. Dass die Mannschaft ihr riesiges Potenzial nun flugs abschöpfen würde. Und dass die in allen Ecken neu aufgekommenen Zweifel daran, ob Trainer Lucien Favre die Borussia überhaupt zum großen Erfolg führen kann, schon verstummen würden. Ein Sieg in Mailand hätte all das wahrscheinlicher gemacht. Vielleicht sogar ein mit viel Herzblut erstrittener Punkt. Doch es kam anders. Weil der BVB es erneut nicht schaffte, zu überzeugen. Weder spielerisch, noch kämpferisch.

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Nicht Inter Mailands Klasse gab am Mittwochabend den Ausschlag, sondern die Harmlosigkeit der über weite Strecken enttäuschenden Borussia. Inter hatte leichtes Spiel, drei, vier gute Aktionen genügten, um sich drei Punkte zu schnappen und die Lage in der Gruppe F damit wieder völlig offen zu gestalten. Der BVB verstand es nicht, aus seinem Ballbesitz zwingende Aktionen abzuleiten. Jadon Sancho, Thorgan Hazard und Julian Brandt rannten sich immer wieder fest in der gut gestaffelten Defensive Mailands. Das Offensivtrio wechselte häufig die Positionen, um Inters Abwehrriegel so durchzuschütteln. Doch der Effekt verpuffte - es sah eher häufig nach hilflosem Ballgeschiebe der Borussia aus als nach einem konkreten Plan.

Reus und Alcacer fehlen dem BVB an allen Ecken und Enden

Keine Frage, die ordnende, lenkende Hand eines Marco Reus fehlte. Und die Kaltschnäuzigkeit eines echten Torjägers. Inter bremste zudem das Tempo des BVB durch kluges Verschieben und Zustellen der Räume sowie kompromissloses Zweikampfverhalten aus. Einfach, aber wirksam. Die Power der Schwarzgelben kam so nie richtig zur Entfaltung.

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Champions League, 3. Spieltag: Inter Mailand - BVB 2:0 (1:0)

Die Bilder der Champions-League-Partie zwischen Inter Mailand und Borussia Dortmund.
23.10.2019
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Bilder der Champions-League-Partie zwischen Inter Mailand und Borussia Dortmund.© dpa
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Bilder der Champions-League-Partie zwischen Inter Mailand und Borussia Dortmund.© Guido Kirchner
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Was man BVB-Trainer Lucien Favre zu Gute halten muss, ist sein Mut zum Risiko. In Mailand wagte er, dem sonst eher die Vorsicht liegt, ein extrem offensives System, das Inter in der Anfangsphase auch vor Probleme stellte. Nur schlug die Borussia daraus keinerlei Kapital, suchte nicht klar genug den Abschluss, ließ im Pressing mehr und mehr nach. „Wir können gegen eine solche Mannschaft nicht zehn Torchancen herausspielen“, meinte Lucien Favre zwar nach der Partie. Vielleicht nicht. Aber vielleicht hätten drei Hochkaräter gegen ein wenig furchteinflößendes Inter ja auch gereicht zum Triumph.

BVB-Trainer Favre mit einer merkwürdigen Spielanalyse

Ohnehin schien dem Cheftrainer der Auftritt seiner Auswahl merkwürdigerweise sogar gefallen zu haben. Er freute sich, gegen Mailand „nur wenig zugelassen“ zu haben. „Wir waren okay, wir waren stabil“, betonte er. Das stimmte, aber zufrieden sein sollte im BVB-Tross mit dieser Darbietung besser niemand. Denn zum einen gab es eine schmerzliche 0:2-Niederlage, die den Druck auf das hinter den Erwartungen her hinkende Team und den Trainer jetzt wieder deutlich erhöht. Die Unruhe beschert. Und oben drauf kommt jetzt ausgerechnet das Revierderby auf Schalke.

Mit ebenso wenig Offensivpower und ebenso wenig durchdachten Aktionen wie gegen Inter kommt der BVB auch gegen die Königsblauen am Samstag nicht raus aus der Misere. Sportdirektor Michael Zorc bekräftigte zwar noch einmal, dass der BVB keine Trainerdiskussion führe und die Gerüchte um Jose Mourinho als möglichem künftigen Dortmund-Trainer totaler Quatsch seien. Aber dass bei einer Pleite im Derby Borussias Baum brennt, das müsste jedem klar sein.

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