Letzter Teil der BVB-Doku: Roman Bürki hätte eine härtere Analyse erwartet

„Inside Borussia Dortmund“

Der vierte und letzte Teil von „Inside Borussia Dortmund“ zeigt den emotionalen Titelkampf des BVB - bekanntlich ohne Happy End. Es gibt auch kritische Stimmen zu hören.

Dortmund

, 13.09.2019, 11:23 Uhr / Lesedauer: 3 min
Letzter Teil der BVB-Doku: Roman Bürki hätte eine härtere Analyse erwartet

Roman Bürki sagt: „Wir können weiter versuchen, eine Wohlfühloase zu sein. Ich glaube aber nicht, dass es der Weg zum Erfolg ist.“ © Amazon Prime

Der letzte Teil der Amazon-Dokumentation startet mit dem sportlichen Tiefpunkt der Saison: Das 0:5 im ultimativen Topspiel beim FC Bayern München ist eine Demütigung auf allen Ebenen - und wird auch so analysiert. Sebastian Kehl spricht von einer „erschreckenden ersten Halbzeit“. Torhüter Roman Bürki gibt im Nachgang zu: „Ich hätte eine härtere Analyse erwartet. Wir können weiter versuchen, eine Wohlfühloase zu sein. Ich glaube aber nicht, dass es der Weg zum Erfolg ist.“ Hört, hört.

Endgültigen Zerwürfnis mit BVB-Trainer Tuchel

Wie schon in den bisherigen Teilen arbeitet Regisseur Aljoscha Pause mit zeitlichen Sprüngen. So wird der Fokus - wie schon in der ersten Folge - erneut auf das Bombenattentat und die Neu-Ansetzung des Champions-League-Spiels gegen Monaco im April 2017 gerichtet. „Wenn du als Verein in so einer Situation Geschlossenheit zeigst, kannst du daraus eine riesige Stärke ziehen. Es kann aber auch das Gegenteil passieren“, sagt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Es kommt in den folgenden Wochen zum endgültigen Zerwürfnis mit Thomas Tuchel. Die sportliche Bilanz, gibt Watzke zu, sei gut gewesen. „Sportlich hätte es nicht wirklich einen Anlass gegeben, die Zusammenarbeit zu beenden. Aber es geht immer um mehr. Und beide Seiten hatten nach diesen zwei Jahren offensichtlich das Gefühl, dass es für ein drittes Jahr nicht mehr reicht.“

Watzke über Schmelzer: „Es geht nicht um Mitleid“

Mit Blick auf die Rückrunde 18/19 rücken zwei Spieler in den Fokus, die eine schwierige Saison hinter sich bringen: Marcel Schmelzer und Mario Götze. Schmelzer, zu Saisonbeginn noch Stammspieler, musste sich im Titelkampf mit der Rolle des Dauerreservisten anfreunden - und sagt offen: „Es ist für mich schwer nachzuvollziehen, dass es nicht mal einen Tick in diese Richtung (Startelf, Anm. d. Red.) ging, weil es einige Verletzungen gab oder auch Spiele dabei waren, wo diese Position nicht gut ausgefüllt wurde.“ Und Watzke erklärt: „Das tut mir total leid. Aber es geht nicht um Mitleid.“

Letzter Teil der BVB-Doku: Roman Bürki hätte eine härtere Analyse erwartet

Marcel Schmelzer erlebte eine schwierige Saison als Reservist. © Amazon Prime

Als „verhängnisvollen Fehler“ bezeichnet der BVB-Boss Mario Götzes Wechsel zum FC Bayern München. „Dieser Wechsel war falsch für seine Entwicklung, das weiß ja heute jeder.“ Götze spricht über die ersten Saisonwochen, in denen er komplett außen war. „Das war sehr schwierig. Ich habe die Situation angenommen. Das hat mich nochmal reifen lassen.“

Eindimensionale Betrachtung der Derby-Niederlage

Zurück zum Sportlichen: Dortmund kassiert die wohl bitterste Derby-Niederlage der Vereinsgeschichte. Nach dem 2:4 gibt Watzke zu: „Die Dramaturgie hat uns komplett aus der Fassung gebracht.“ Zur Erinnerung: Schalke bekommt einen strittigen Handelfmeter zugesprochen, der BVB kassiert im zweiten Durchgang zwei Rote Karten. Die filmische Aufbereitung ist hier recht eindimensional. Schließlich hatten die Borussen trotz einer frühen Führung das Spiel noch in voller Besetzung aus der Hand gegeben.

Dass Lucien Favre anschließend - vorschnell, wie man im Nachhinein weiß - den Titel abschreibt, nimmt Sportdirektor Michael Zorc dem Schweizer nicht krumm: „Ich muss Lucien da in Schutz nehmen. Das war die ausgesprochene Gefühlslage.“ Aber: „Du darfst es so nicht sagen.“ Am Tag danach spielen die Bayern nur 1:1 in Nürnberg. „Hurra, wir leben noch“, findet Zorc.

Zorc: „Die letzten Wochen haben Spuren hinterlassen“

Und es geht emotional weiter: Zwei verschenkte Punkte in Bremen (2:2) und ein Zittersieg gegen Düsseldorf (3:2) später gesteht Zorc ein: „Die letzten Wochen haben Spuren hinterlassen. Wir zeigen Nerven, haben keine Souveränität mehr. Das müssen wir nach der Saison deutlich analysieren.“

Letzter Teil der BVB-Doku: Roman Bürki hätte eine härtere Analyse erwartet

Sportdirektor Michael Zorc musste eingestehen: „Wir zeigen Nerven, haben keine Souveränität mehr. Das müssen wir nach der Saison deutlich analysieren.“ © Amazon Prime

Nichtsdestotrotz haben die Borussen vor dem letzten Spieltag noch eine theoretische Chance auf den Titel. Co-Trainer Edin Terzic richtet vor dem „Finale“ in Mönchengladbach eine emotionale Ansprache an die Mannschaft. Und auch Lucien Favre rückt kurz vor Ende nochmal in den Fokus. Seine Halbzeitansprache ist so, wie man sie vom 61-Jährigen erwartet. Ruhig und sachlich. Dortmund gewinnt 2:0 und schließt die Saison mit 76 Punkten auf Rang zwei ab.


Fazit: Die Dokumentation eröffnet dem BVB-Fan viele interessante Einblicke aus dem Innenleben der Mannschaft, hätte an einigen Stellen aber mehr „inside“ sein können.

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