Keine geeignete Alternative zu Lucien Favre! BVB zögert das Unvermeidliche nur hinaus

dzKommentar

Lucien Favre steht beim BVB vor einer Schicksalswoche. Doch selbst wenn der Trainer die Spiele in Barcelona und Berlin übersteht, hat er in Dortmund keine Zukunft. Dirk Krampe kommentiert.

Dortmund

, 24.11.2019, 19:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erst um 1.23 Uhr in der Nacht zu Samstag fuhr Lucien Favre nach einer eilig einberufenen Zusammenkunft vom Stadiongelände. Das Ergebnis des Krisengesprächs: Der BVB setzt weiter auf den Mann aus der Schweiz, obwohl ihm die Kontrolle über eine Ansammlung von über alle Maßen begabten Einzelfußballern in den vergangenen Wochen immer weiter entglitten ist.

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Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Trainer-Entlassung? Das ist aktuell bei Borussia Dortmund eine schwierige Frage. Nicht im ersten Reflex zu handeln, mit Ruhe und analytischer Sachlichkeit zu reagieren, auch die Mannschaft verstärkt in die Pflicht zu nehmen, das ist erst einmal lobenswert. Im aktuellen Fall aber ist es eher das Zaudern, das man dem von großer Vorsicht geprägten Taktiker Favre immer vorhält. Immer dann, wenn Favre das Wasser bis zum Hals stand, reichten die Ergebnisse, um an eine positive Wende zu glauben. Bis der nächste Rückschlag kam. Dieses Muster zieht sich durch die gesamte bisherige Saison.

Derzeit gibt es zu Favre kaum geeignete Alternativen

Beim FC Bayern München hätte Favre als Trainer ein Spiel wie das am Freitag beruflich wohl nicht überlebt, in Dortmund zögert man das eigentlich Unvermeidliche weiter hinaus. Die Motive dafür sind weitaus weniger edel, als es der öffentlich ausgesprochene Vertrauensbeweis von Favres obersten Vorgesetzten erscheinen lässt: Der 62-Jährige darf nur weitermachen, weil es derzeit kaum geeignete Alternativen gibt.

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Nach einer komplizierten Ehe mit Thomas Tuchel, nach wenig erfolgreichen Episoden mit Peter Bosz und Peter Stöger und der sich längst immer schwieriger gestaltenden Liaison mit Lucien Favre will der nächste Schritt gut überlegt sein. Die BVB-Bosse wollen keinen Fehler machen. Wie meistens, wenn Handlungsbedarf bestand in der jüngeren Vergangenheit, ist der Idealkandidat gerade nicht greifbar. Also wartet man ab.

Zukunftsaussichten für Favre beim BVB sind düster

Gut möglich aber, dass Borussia Dortmund schnell zum Handeln gezwungen wird. So wie vor zwei Jahren, als man den Schritt zur Trennung von Peter Bosz Woche um Woche hinauszögerte in der trügerischen Hoffnung, die Mannschaft und der Niederländer würden sich im Streit um die (zu) offensive taktische Ausrichtung schon wieder zusammenraufen, erfordert es aktuell doch sehr viel Fantasie, um noch an eine Wende zum Guten unter dem Trainer Lucien Favre zu glauben.

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Barcelona und Berlin werden möglicherweise Schicksal spielen. Doch selbst wenn Lucien Favre diese Woche übersteht, sind seine Zukunftsaussichten als BVB-Trainer düster. Eine erfolgreiche Woche würde Borussia Dortmund nur länger Zeit geben, nach einer Ideallösung zu suchen.

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