Karl-Heinz Riedle sieht Dreikampf ums Weiterkommen: BVB kann Barcelona besiegen

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Karl-Heinz Riedle glaubt daran, dass der BVB es in der Champions League weit bringen kann. Zum Auftakt gegen den FC Barcelona sind auch die Fans als Helfer gefragt, meint der Final-Held.

Dortmund

, 16.09.2019, 18:09 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die pralle Sonne schien über Sardinien. Wärme, Strand, italienisches Lebensgefühl. Alles hätte so entspannt sein können. Doch dann wurde Karl-Heinz Riedle im Urlaub von seiner Vergangenheit eingeholt. „Da leben so viele Fans von Juventus Turin. Keine Ahnung, wie oft ich auf dieses Spiel angesprochen worden bin“, sagt Riedle und lacht.

Dieses Spiel, es war am Abend des 28. Mai 1997. In München. Das Finale der Champions League. Borussia Dortmund schlägt Juventus Turin mit 3:1, besonders einer trifft die Juve-Fans damals bis ins Mark: Karl-Heinz Riedle. Zwei Tore schenkt der Stürmer der Schwarzgelben den favorisierten Italienern ein, ebnet so den Weg zum ersehnten Henkeltopf. „Daran erinnern sich nicht nur alle Borussen-Fans, auch die Turiner, es war für sie ein schlimmer Abend“, weiß Riedle.

Karl-Heinz Riedle sieht Dreikampf ums Weiterkommen: BVB kann Barcelona besiegen

Karl-Heinz Riedle stürmte von 1993 bis 1997 für Borussia Dortmund. Er ebnete dem BVB mit zwei Toren im Finale der Champions League gegen Juventus Turin 1997 den Weg zum Titel. © imago

Er schoss zwar zwei Treffer, aber heute spricht die Fußballwelt zumeist nur über das dritte Dortmunder Tor. „Ricken. Lupfen, jetzt, Jaaaaa.“ Ob er sauer ist, dass Lars Ricken den ganzen Lorbeer erntet? „Quatsch, überhaupt nicht. Lars‘ Tor war spektakulär, und er war ein ganz junger Bursche, das hat er sich verdient. Ich bin froh, dass ich meinen Beitrag zum Erfolg leisten konnte“, betont Riedle – und flachst lachend: „Es hätte ja auch ohne Lars‘ Tor gereicht.“

Erinnerungen an 1997: „Auch Riesenglück gehabt“

In der Champions-League-Kampagne zum Titel 1997 hätte beim BVB letztlich alles gepasst, erinnert sich Riedle. Es war eine starke Truppe beisammen, „aber wir haben in wichtigen Momenten auch ein Riesenglück gehabt. Wir hätten zum Beispiel in Manchester im Halbfinale auch klar verlieren können. Ich glaube, Jürgen Kohler hat damals fünf Bälle von der Torlinie gegrätscht.“

„Die Gruppe des BVB ist megaschwer, da muss man sich nix vormachen.“
Karl-Heinz Riedle

Eine Portion Glück braucht Borussia Dortmund gewiss auch in dieser Spielzeit in der Königsklasse. Denn: „Die Gruppe des BVB ist megaschwer, da muss man sich nix vormachen“, analysiert Karl-Heinz Riedle. Natürlich sei der FC Barcelona der Favorit auf den Gruppensieg, auch wenn die Spanier momentan in der heimischen Liga noch nicht vollends überzeugen konnten. Aber auch Inter Mailand sei einiges zuzutrauen, erklärt Riedle. „Sie haben im Sommer richtig aufgerüstet, es wird ein harter Dreikampf ums Weiterkommen.“

BVB muss in allen drei Heimspielen punkten - auch gegen Barcelona

Dass es für den BVB international weiter gehen kann als in der Vorsaison, als das Aus im Achtelfinale gegen Tottenham kam, steht für den früheren Nationalstürmer außer Frage. Denn Dortmund habe Erfahrung gesammelt und die Mannschaft gut verstärkt. „Jetzt kommt auch richtig Qualität von der Bank, wenn es nötig wird“, so Riedle. Wichtig werde es für den BVB, in allen drei Gruppen-Heimspielen zu punkten. Auch gegen den ruhmreichen FC Barcelona.

„Warum nicht“, erklärt Riedle, „der BVB war doch schon oft in den wichtigen Spielen, wenn es darauf ankam, zu 100 Prozent da. Erinnern wir uns nur an die spektakulären Duelle in der Champions League mit Real Madrid.“

„Jeder Spieler kann an einem solchen Abend über sich hinauswachsen“

An einem guten Tag könne die Borussia den FC Barcelona besiegen. Vor allem zuhause. Die Spanier seien zwar große Stadien und eine hitzige Atmosphäre gewöhnt, „sie werden sich bestimmt nicht von der Kulisse in Dortmund am Dienstagabend beeindrucken lassen“. Aber dem BVB könnten die eigenen Fans einen entscheidenden Schub verleihen, wenn sie „alle hinter der Mannschaft stehen. Dann kann jeder Spieler an einem solchen Abend über sich hinauswachsen.“ So sei eine Überraschung möglich.

Karl-Heinz Riedle sieht Dreikampf ums Weiterkommen: BVB kann Barcelona besiegen

Gänsehaut-Atmosphäre im Signal Iduna Park. Die Fans sehnen sich nach einer Wiederholung des Erfolgs von 1997. © imago

Riedles Erinnerungen an das, was in Dortmund auf den Rängen passiert, welch gewaltige Energie im Stadion um sich greifen kann, ist auch mehr als 20 Jahre nach seinem Abschied vom BVB noch präsent. „Das spürst du sofort, wenn du nach Dortmund kommst. Fußball ist hier eine Religion, alle Leute brennen für ihren Verein. In etwa so emotional wie in Dortmund habe ich es eigentlich nur noch in Liverpool erlebt“, sagt Riedle. Er habe eine „wahnsinnig schöne Zeit“ im BVB-Trikot erlebt, „und auch die erfolgreichste meiner Karriere. Obwohl ich leider häufiger mit Verletzungen zu kämpfen hatte.“

Riedle ist Markenbotschafter für den BVB

1993 kam Weltmeister Riedle für die damalige Rekordsumme von neun Millionen Deutsche Mark zum BVB, vier Jahre lang stürmte der gebürtige Allgäuer für Schwarzgelb. Er holte mit dem BVB zweimal die Meisterschale und einmal den Champions-League-Pokal.

Eine Zeit, die ihn gedanklich auf ewig an den Klub gebunden hat. Denn seit vier Jahren arbeitet der heute 53-Jährige, wegen seiner Kopfballstärke einst „Air Riedle“ genannte Angreifer, wieder für den BVB. Als Markenbotschafter.

Für die Borussia ist er kreuz und quer auf dem Globus unterwegs, sein Gesicht, seine Erzählungen helfen dem Klub, Bekanntheit und Strahlkraft weiter zu steigern.

„Es entwickelt sich was“

„Es entwickelt sich was, der BVB ist mittlerweile gerade in Asien ein Begriff, viele Menschen dort mögen den BVB und wissen sehr viel über den Klub und die Spieler“, so Riedle. Und die Menschen in Asien hätten positiv wahrgenommen, wie sich die Borussen bei ihren jüngsten Asienreisen dort präsentiert hätten. „Nah an den Fans, das schätzen sie sehr.“

Karl-Heinz Riedle sieht Dreikampf ums Weiterkommen: BVB kann Barcelona besiegen

In Hong Kong haben sich die BVB-Legenden um Karl-Hein Riedle mit dem FC Liverpool gemessen. Das Duell mit Spielern wie Vladimir Smicer (r.) und Stephane Henchoz (l.) ging allerdings mit 2:3 verloren. © imago

Karl-Heinz Riedle schnürt auch längst wieder die Fußballschuhe für den BVB. Er ist Teil des Legendenteams, das im Ausland Freundschaftsspiele bestreitet. „Die Stimmung unter den alten Kollegen ist einfach fantastisch, das macht riesig Spaß“, gesteht Riedle. Vor allem die Brasilianer um Dede, Tinga, Marcio Amoroso und Ewerthon seien Garanten für gute Laune. Und laute Musik.

Riedle sieht eine gute Meisterchance

Laut könnte es auch Ende Mai am Borsigplatz in Dortmund werden, sollte es der BVB tatsächlich schaffen, den Bayern die Meisterschale zu entreißen. Schon weit vor Saisonbeginn hatte Borussias Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke genau diese Mission als neue Zielsetzung öffentlich ausgegeben. Eine gute Idee?

„Ich finde: ja“, sagt Karl-Heinz Riedle, „ich war schon immer ein Befürworter klarer Signale.“ Die Mannschaft wisse jetzt unmissverständlich, was von ihr erwartet werde. Alles könne nun auf das Ziel Meisterschaft ausgerichtet werden. Zudem sei es doch der logische nächste Schritt für den BVB nach der Vizemeisterschaft aus dem Vorjahr.

„Das Team wurde gut verstärkt, es ist ja zuvor nur ganz knapp Zweiter in der Bundesliga geworden, also haben die Dortmunder auch das Recht zu sagen, dass sie diesmal mehr wollen. Ich finde, das ist die absolut richtige Strategie.“

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