Ausgerechnet im so wichtigen Revierderby erwischt Marco Reus einen komplett gebrauchten Tag. Schalke meldet den BVB-Kapitän ab, der dann eine fatale Fehlentscheidung trifft.

Dortmund

, 29.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Marco Reus hat in dieser Saison verdammt viel richtig gemacht. Er war ein exzellenter Anführer, ein eiskalter Torjäger, ein kluger Vorbereiter. Bis zu diesem Samstagnachmittag war er strahlender Regisseur des schwarzgelben Spektakels. Plötzlich aber war alles weg. Das Herz der Borussia litt ausgerechnet im Derby unter heftigsten Rhythmusstörungen. Nichts mochte Marco Reus gelingen.

Er, der so oft den überraschenden Pass spielt oder im Höchsttempo mit dem Ball am Fuß in den Strafraum zieht, war ausgeschaltet. Von clever verteidigenden Schalkern zwar, aber diese zündende Idee, diese besondere Aktion, die ihn zum Unterschied-Spieler macht, mit der er sich zumeist elegant aus der Bedrängnis löst, sie kam einfach nicht. Nichts kam. Und das im Derby. In einem Duell, eigentlich erfunden für Fußball-Helden wie ihn.

Null Torschüsse, null Flanken

Das Dilemma der mit 2:4 geschlagenen Borussia lässt sich an den Zahlen ihres enttäuschenden Kapitäns ablesen: Null Torschüsse, null Flanken, magere 27 Ballkontakte, nur Torhüter Roman Bürki spielte aus der BVB-Startelf weniger Pässe als Reus. Und nur 33 Prozent seiner Zweikämpfe gewann er. Und als wäre eine schwache Leistung im Derby nicht schon bitter genug, traf Marco Reus in dieser 60. Minute auch noch eine fatale Entscheidung.

„Wir waren oft die, die am Boden lagen.“
Roman Bürki

Er wollte offenbar ein Zeichen setzen, seine Mannschaft wachrütteln mit einer Grätsche, mit einer Balleroberung. Er wollte Einsatz zeigen, wenn schon spielerisch nichts ging. Doch so ging alles schief. Reus verschätzte sich - und anstatt den Ball zu treffen, trat er Schalkes Suat Serdar mit gestrecktem Bein von hinten in die Wade. Kein Zweifel, das musste einen Platzverweis nach sich ziehen. „Ich komme einen Schritt zu spät, treffe ihn an der Achillessehne. Das war eine Rote Karte, darüber brauchen wir nicht zu reden“, gestand Reus nach dem Schlusspfiff.

Kapitän Marco Reus steht als Sinnbild für den BVB im Revierderby

Marco Reus (hinten) trifft Suat Serdar am rechten Bein. © imago

Es war die erste glatte Rote Karte für den BVB-Kapitän im 259. Bundesligaspiel. Und darum war es auch glaubhaft, als Reus fast entschuldigend hinterherschob: „Wer mich kennt, weiß, dass ich niemals den Gegner verletzen möchte.“ Das Foul des Dortmunders war schlicht und einfach ein Patzer der besonders üblen Sorte. Aber er passte er ins Bild, das die Borussia im Derby abgab. Zu viele Fehler, zu wenig Tempo, kein Feuer. Die „hundertprozentige Konzentration“ und das „totale Engagement“, das BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball vor dem Anpfiff noch gefordert hatte, fehlten. Torhüter Roman Bürki kritisierte die mangelhafte Gier seiner Kollegen. „In der ersten Halbzeit war es zu wenig. Wir waren oft die, die am Boden lagen“, sagte er.

Drei Gegentore nach Standards

Gestoppt von knallharten Schalkern, die die nötige Leidenschaft mitgebracht hatten. Und dann auch noch schlecht verteidigende Dortmunder vorfanden, die gleich drei Gegentreffer nach Standards kassierten (Elfmeter, Freistoß, Eckball). Ein bestens bekannter Schwachpunkt der Borussia. „Ich sag dazu nichts mehr. Das habe ich schon oft gesagt. Das müssen andere jetzt mal erkennen. Wir als Spieler haben immer wieder die Argumente gebracht, ob wir nicht vielleicht was ändern müssen. Wir haben den Trainer auch mit einbezogen. Aber irgendwann gehen uns die Argumente aus“, meckerte Bürki. Und dann dieser harte Satz, der pure Resignation erkennen ließ: „Vielleicht sind wir einfach nicht gut genug, solche Standardsituationen zu verteidigen.“

Einfach nicht gut genug - oder nicht stabil genug im Kopf? Dass der BVB in der Endphase des Titelkampfs wie schon in München und gegen Mainz erneut ein flattriges Nervenkostüm offenbarte, spricht eher für mangelnde Druckresistenz. „Wir hatten unsere Nerven nicht im Griff“, bilanzierte denn auch BVB-Sportdirektor Michael Zorc, „wir haben uns selber geschlagen. Mit Neun gegen Elf drehst du kein Spiel mehr.“ Und ohne einen Marco Reus in Normalform sowieso nicht.

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