Juventus Turin ist in Italien das Maß aller Dinge

Drache mit sieben Köpfen

Juventus Turin ist in Italien das Maß aller Dinge - ohne großartig zu überzeugen. Doch die Champions League ist nicht die Serie A, und der Fußball vom Apennin befindet sich im kontinentalen Vergleich eher auf dem absteigenden Ast. Umso willkommener wäre Juve der Einzug ins Viertelfinale der Königsklasse.

TURIN

von Von Oliver Birkner

, 18.03.2015, 15:10 Uhr / Lesedauer: 3 min
Steht heute Aben im Blickpunkt: Juventus-Torhüter Gianluigi Buffon.

Steht heute Aben im Blickpunkt: Juventus-Torhüter Gianluigi Buffon.

So hatte sich Trainer Massimiliano Allegri die Zwischenetappen vor dem Duell in Dortmund ausgemalt. Konzentriert, wohldosiert und ohne sprudelnden Champagner-Fußball. Vor einer Woche ein gemächliches 1:0 über Sassuolo, am Samstagabend langte erneut ein Treffer, um die dornige Auswärtsaufgabe Palermo erfolgreich zu erledigen.

"Ein Fingerzeig"

Sechs Zähler per minimalem Aufwand ohne Gegentreffer überzeugten zumindest die Gazetten. „Ein Fingerzeig an den BVB“, urteilte Italiens meistgelesene Tageszeitung „Gazzetta dello Sport“. „Borussia: Juve ist bereit“, titelte der „Corriere dello Sport“, während das populistische Hausblatt des Klubs „Tuttosport“ posaunte: „Dortmund wir kommen!“ Coach Allegri behielt hingegen analytischen Durchblick, als er prophezeite: „Am Mittwoch bedarf es in puncto Technik einer deutlichen Steigerung. Außerdem wird ein Tor in Dortmund nicht zum Weiterkommen reichen, wir benötigen mindestens zwei.“  

Dafür besitzen die Turiner einen Sturm, der gehobenen internationalen Ansprüchen genügt. Carlos Tevez gelangen in dieser Saison 15 Tore plus sieben Assists in der Serie A und vier Treffer in der Champions League. Der Neuzugang von Real Madrid, Alvaro Morata, schenkte den Turinern per formidablem Schlenzer aus dem Nichts drei Zähler in Palermo.

Nach einer zweimonatigen Knieverletzung zum Saisonstart und deutlichen Eingewöhnungsproblemen zählt der spanische Nationalspieler mittlerweile zehn Tore, eins davon im Hinspiel gegen den BVB. Gemeinsam mit dem heiß umworbenen Franzosen Paul Pogba bilanziert das Trio 40 der 73 Saisontreffer. Wohl dem, der sich in der Offensive auf Ausnahmespieler verlassen kann.

Gemütlich Richtung Meisterschaft

Juves Problematik manifestiert sich auf anderen Ebenen. National besitzt der Rekordmeister keine hartnäckige Konkurrenz und spaziert gemütlich in Richtung vierter Meisterschaft hintereinander. Dabei genügten vor allem in den letzten Wochen ordentliche Leistungen ohne die Brillanz der Hinrunde.

Trotz bester Defensive und produktivstem Angriff der Serie A (54:14 Tore aus 27 Partien) bleibt es kompliziert zu dechiffrieren, ob die Turiner momentan der archetypischen italienischen Tugend folgen, nur so hoch wie nötig zu springen, oder ein konditionelles Tief durchmachen. Die ungewohnt hohe Fehlerquote von Profis wie Giorgio Chiellini oder dem Ex-Leverkusener Arturo Vidal lässt auf letztere Diagnose schließen.

Doch von überspielter Müdigkeit will Coach Allegri nichts wissen: „Wer denkt, zwei Partien binnen vier oder fünf Tagen seien zu viel, ist für einen europäischen Spitzenklub ungeeignet.“ Die eigene Definition, allein wegen der angeborenen Erfolgs-DNA zu Europas Elite zu zählen, möchte der Klub aus dem Piemont wieder zum unwiderlegbaren Gesetz erheben.

Hochgradige Bedeutung

In der Geschichte gewann man zwar als erster Verein alle drei Europapokale, doch das mit einem Drittel des landesweiten Fanaufkommens beliebteste und gleichzeitig verhassteste Team Italiens setzte sich 1996 zuletzt Europas Krone auf. 2003 verlor man das Finale gegen den AC Milan, seit dem Manipulationsskandal 2006 und der folgenden Strafversetzung in die zweite Liga lesen sich die Resultate im Europapokal eher matt. Im letzten Jahr scheiterte man bereits in der Gruppenphase der Königsklasse und verpasste anschließend enttäuscht das Endspiel der Europa League im eigenen Stadion. Zuvor lauteten die Endstationen der Champions League Achtelfinale und ein chancenloses Aus gegen die Bayern in der Runde der letzten acht.

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Abschlusstraining des BVB vor dem Spiel gegen Juventus

Bilder des BVB-Trainings in Brackel am 17. März.
17.03.2015
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BVB-Training in Brackel am 17. März.© Foto: DeFodi
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BVB-Training in Brackel am 17. März.© Foto: DeFodi
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BVB-Training in Brackel am 17. März.© Foto: DeFodi
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BVB-Training in Brackel am 17. März.© Foto: DeFodi
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Dienstag 17.03.2015, CL, UEFA Champions League, Saison 2014/2015, Abschlusstraining in Dortmund, BV Borussia Dortmund, Marco REUS (BVB) im Gespraech mit Pierre Emerick AUBAMEYANG (BVB)Foto: DeFodi.de +++ Copyright Vermerk DeFodi.de -- DeFodi Ltd. & Co. KG, Wellinghofer Str. 117, D- 44263 D o r t m u n d, sport@defodi.de, Tel 0231-700 500 44, Fax 0231-700 54 90, C o m m e r z b a n k D o r t m u n d, Kto: 36 11 76 100, BLZ: 440 400 37 // BIC COBADEFFXXX // IBAN: DE74 4404 0037 0361 1761 00 // Steuer-Nr.: 315/5803/1864 , USt-IdNr.: DE814907547 - 7% MwSt.© Foto: DeFodi
BVB-Training in Brackel am 17. März.© Foto: DeFodi
Dienstag 17.03.2015, CL, UEFA Champions League, Saison 2014/2015, Abschlusstraining in Dortmund, BV Borussia Dortmund, Pierre Emerick AUBAMEYANG (BVB), SOKRATIS (BVB), Marco REUS (BVB)Foto: DeFodi.de +++ Copyright Vermerk DeFodi.de -- DeFodi Ltd. & Co. KG, Wellinghofer Str. 117, D- 44263 D o r t m u n d, sport@defodi.de, Tel 0231-700 500 44, Fax 0231-700 54 90, C o m m e r z b a n k D o r t m u n d, Kto: 36 11 76 100, BLZ: 440 400 37 // BIC COBADEFFXXX // IBAN: DE74 4404 0037 0361 1761 00 // Steuer-Nr.: 315/5803/1864 , USt-IdNr.: DE814907547 - 7% MwSt.© Foto: DeFodi
BVB-Training in Brackel am 17. März.© Foto: DeFodi
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BVB-Training in Brackel am 17. März.© Foto: dpa
BVB-Training in Brackel am 17. März.© Foto: dpa
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Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp spricht am 17.03.2015 in Dortmund (Nordrhein-Westfalen) beim Training zu den Spielern. Der BVB trifft am 18.03. im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League auf Juventus Turin. Foto: Bernd Thissen/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++© Foto: dpa
BVB-Training in Brackel am 17. März.© Foto: dpa
BVB-Training in Brackel am 17. März.© Foto: dpa
Schlagworte Borussia Dortmund,

Demzufolge birgt das Duell beim BVB eine hochgradige Bedeutung für kommende Konzepte und Renommee. „In der Vergangenheit lässt sich schlecht leben, der Europapokal bedeutet eine deutliche Überprüfung unseres Status quo“, sinnierte Kapitän Gianluigi Buffon. Die Strategie beinhaltet, binnen der nächsten drei Jahre unter den fünf besten Teams in Europa zu rangieren.

"Realistisches Ziel"

„Das ist ein realistisches Ziel“, beteuerte Andrea Agnelli, seit 2010 vierter Präsident der Fiat-Dynastie. „Zu den Spitzenverdienern wie Real Madrid, Bayern oder Barcelona klafft noch eine zu enorme Lücke. Mit dem Rest können wir uns künftig auf Augenhöhe messen.“ Zumindest wirtschaftlich verspricht die Zukunft klingelnde Kassen. Der größte Jahresumsatz der Liga lag mit 279,4 Millionen Euro knapp über dem des BVB (261,5 Mio.), neue Sponsoren- und TV-Verträge bescheren den Turinern ab Sommer jährlich zusätzliche 60 Millionen Euro.

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Die Stars des BVB-Gegners Juventus Turin

Die Stars des kommenden BVB-Gegners in der Champions League: Juventus Turin.
15.12.2014
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Fernando Llorente. Marktwert: 22 Millionen Euro.© Foto: dpa
Carlos Tevez. Marktwert: 23 Millionen Euro.© Foto: dpa
Giorgio Chiellini. Marktwert: 19 Millionen Euro.© Foto: dpa
Claudio Marchisio. Marktwert: 25 Millionen Euro.© Foto: dpa
Andrea Pirlo. Marktwert: 5 Millionen Euro.© Foto: dpa
Kwadwo Asamoah. Marktwert: 22 Millionen Euro.© Foto: dpa
Stephan Lichtsteiner. Marktwert: 15 Millionen Euro.© Foto: dpa
Leonardo Bonucci. Marktwert: 18 Millionen Euro.© Foto: dpa
Gianluigi Buffon. Marktwert: 3 Millionen Euro.© Foto: dpa
Patrice Evra. Marktwert: 4 Millionen Euro.© Foto: dpa
Paul Pogba. Marktwert: 45 Millionen Euro.© Foto: dpa
Arturo Vidal. Marktwert: 45 Millionen Euro.© Foto: dpa
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Allerdings würde ein Aus in Dortmund zweifelsohne Juves Selbstwertgefühl torpedieren und wäre keine Werbung für die ohnehin angekratzte Reputation des Calcio. Die nationale Lokomotive aus Turin stellt gegenwärtig den einzigen chancenreichen Serie-A-Vertreter unter Europas Elite, bei einem Ausscheiden fände das Viertelfinale wie im letzten Jahr ohne italienische Beteiligung statt. So würde Allegri nur allzu gerne von der Erfahrung des Andrea Pirlo profitieren, der die Champions League bereits zwei Mal gewann.

Leichter Vorteil

Doch nach erst kürzlich auskurierter Wadenzerrung wird der kongeniale Architekt das Rückspiel in Dortmund verpassen. „Wir gehen durch das 2:1 mit einem leichten Vorteil ins Rennen. Wir sind bereit für den BVB, wobei in der Königsklasse auch ein wenig Glück nie schadet“, sagte Allegri im Vorfeld. Bedachte Worte, die einstige Trainer wahrscheinlich verpönt hätten. Ex-Coach Giovanni Trapattoni pflegte klarzustellen: „Juve ist ein Drachen mit sieben Köpfen. Schlägst du einen ab, springt ein neuer hervor, der nach Erfolg lechzt.“ Ein paar Drachenköpfe könnte Juve im Signal Iduna Park sicher gut gebrauchen.

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