Julian Brandt macht den BVB heiß: Er weiß, was zur Meisterschaft fehlt

dzBorussia Dortmund

Julian Brandt hat „Bock“, mit dem BVB Titel zu gewinnen. An ihm selbst ist abzulesen, was Borussia Dortmund dafür benötigt.

Dortmund

, 08.08.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Julian Brandt verdaute im Urlaub in Kopenhagen noch seine erste Saison bei Borussia Dortmund, als er in Abwesenheit zum Titelmotiv wurde. Der „Kicker“ widmete dem 24-jährigen Edeltechniker ein langes Porträt. Als „Magier mit Mängeln“ wurde er da beschrieben und als „Tagträumer“. Als ein Fußballer, der dank seines überbordenden Talents das Schwere so leicht aussehen lassen kann. Und als einer, der es bislang noch nicht geschafft hatte, sein herausragend großes Potenzial auf Strecke abzurufen. Grenzenlos gut, aber unvollendet.

Julian Brandt macht beim BVB klare Ansagen

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Wer Julian Brandt aufgrund seiner mitunter wohltuend flapsigen Art allerdings den notwendigen Ernst – und Fußball ist schließlich bierernst! – absprechen will, der liegt falsch. Noch als die alte Spielzeit lief, machte der Nationalspieler in Diensten des BVB klare Ansagen und verdeutlichte seine Ambitionen für die kommende Saison. Mit dem Veilchen im Gesicht, das er aktuell zur Schau trägt, wirken diese Aussagen sogar noch kämpferischer.

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„Wir sind nicht zufrieden“, betonte Brandt mit Blick auf die Vizemeisterschaft sehr deutlich, „wir wollen mehr. Diesen Hunger müssen wir uns beibehalten.“ Die Rückrunde mit 39 Punkten habe Mut gemacht, sie habe gezeigt, was alles möglich ist für seine Mannschaft. Daran soll der BVB nach Meinung seines hellblonden Mittelfeldspielers unmittelbar anknüpfen.

Bei Borussia Dortmund fehlte auch schon mal die Gier

Denn es gab ja auch die Zeiten und Spiele, da fehlte die Gier, da ließen die Borussen mit angezogener Handbremse Gegner herankommen, die sie mit Vollgas locker abgehängt hätten. Ein Motivations- oder gar ein Mentalitätsproblem, das auch die Aussichten auf 2020/21 verdüstert?

„Ich würde uns schon als hungrige Mannschaft einstufen“, widerspricht Brandt. Er sieht beim Blick auf sich und seine Mitspieler eine Mannschaft, „die auch Bock hat, Titel zu gewinnen und die das auch kann. Und das muss das Ziel sein, die Messlatte muss hoch liegen.“ Bester vom Rest, auf diese fragwürdige Auszeichnung haben auch die nüchternen Realisten in Schwarzgelb, die nimmermüde an die Überlegenheit des FC Bayern München erinnern, eben keinen Bock mehr.

Julian Brandt will mit dem BVB Deutscher Meister werden

Brandt hat vernommen, dass es in dieser Saison keine Meister-Ansage von den Klubbossen gibt. Zumindest nicht in der Form, wie sie an vielen Stellen verkürzt dargestellt wurde. Alles versuchen, um Deutscher Meister zu werden – daran gibt es bei Leistungssportlern doch keinen Zweifel, dass dies oberste Bürgerpflicht ist, oder? Ja, meint Brandt, „auch, wenn es nicht leicht wird. Wir brauchen ein verdammt gutes Jahr, vom Anfang bis zum Ende, damit wir es theoretisch packen können.“ Wer zweimal Vizemeister geworden sei und als erster Bayern-Jäger firmiert, der müsse es eben Jahr für Jahr aufs Neue versuchen mit dem Angriff auf die Schale.

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Was dafür nötig ist, das weiß Brandt, und die Formel gilt für ihn individuell wie für Borussia Dortmund insgesamt. Es braucht Konstanz in den Leistungen, und zwar durchgängig auf sehr, sehr hohem Niveau. Niedriger werden die Anforderungen nicht ausfallen, und wer das als zu ambitioniert erachtet, braucht sich der Aufgabe nicht zu stellen. „Wir werden nicht 34 Spiele gewinnen“, weiß Brandt, „aber mehr als ein, zwei schwächere Leistungen sind schon zu viel.“

Brandt will mit dem BVB reifer werden

Aus der Vorsaison listet er die vergebenen Siege nach Führungen auf und schlaffe Auswärtsspiele. „Da“, sagt Brandt, „sind wir noch nicht ausgereift, anders als die Bayern. Aber da müssen wir hinkommen und ich glaube, wir schaffen das auch.“

Reife, Routine, Risikobereitschaft: Auch wenn Julian Brandt viele Jahre bei Bayer Leverkusen gespielt hat, schmeckt ihm Platz zwei noch lange nicht. Schon in den Trainingseinheiten in der Vorbereitung gehört Spaß dazu, aber eben auch eine gewisse Ernsthaftigkeit. Borussias Brandt-Beschleuniger scheint fest entschlossen, das Feuer zu entzünden. Von Mängeln und Träumereien würde dann auch keiner mehr schreiben.

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