Jan Koller: Den bulligen Stürmer findet man viel seltener - super Zeit beim BVB

dzExklusives Interview

Jan Koller bleibt beim BVB in Erinnerung - wegen seiner Größe, seiner Tore und einer besonderen Partie. Im Interview spricht er über glorreiche BVB-Zeiten und neue Stürmertypen.

Hongkong/Dortmund

, 07.06.2019, 16:37 Uhr / Lesedauer: 3 min

Jan Koller trifft mit der BVB-Legendenmannschaft am Samstag (10 Uhr MESZ, live auf Sport 1) in Hongkong auf die Legends des FC Liverpool. Dabei dürfte das Klima dem 2,02-Meter-Hühnen aber keine Probleme bereiten, wie er im Interview verrät.

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Herr Koller, sie spielen am Samstag erstmals für die BVB-Legenden. Im Tor oder im Sturm?
(lacht) Ich habe tatsächlich eben im Training noch im Tor gestanden. Aber ich denke, ich werde wohl im Sturm spielen. Ich weiß natürlich, worauf Sie anspielen.

Der 9. November 2002 in München. Ein Spiel, das alle BVB-Fans wohl nicht vergessen werden…

Ich auch nicht. Es war das Spitzenspiel, die Bayern als Tabellenerster gegen uns. Wir waren Zweiter. Und das Stadion war ausverkauft.



Und in der 65. Minute beim Stand von 1:2 haben Sie sich das Torwarttrikot übergestreift…

Ja. Jens Lehmann hatte die Gelb-Rote Karte gesehen. Und wir hatten schon drei Mal gewechselt.

Jan Koller: Den bulligen Stürmer findet man viel seltener - super Zeit beim BVB

Jan Koller machte als Torwart eine gute Figur und hielt für 25 Minuten seinen Kasten im Topspiel gegen Bayern München sauber. An der 1:2-Niederlage änderte das nichts mehr. © imago

Der BVB lag mit 1:2 hinten. Wurden Sie im Sturm nicht dringender gebraucht?

Das war eine Entscheidung, die ich gemeinsam mit dem Trainer getroffen habe. Ich habe Matthias Sammer gesagt, ich stelle mich da hinten rein, kein Problem. Er hat überlegt und zugestimmt.



Welche Erinnerungen haben Sie an die 25 Minuten?

Es war verrückt (lacht). Bayern hat in Überzahl unglaublich gedrückt.



Aber Sie haben keinen Ball vorbeigelassen und wurden vom „kicker Sportmagazin“ sogar als Torwart in die Elf des Tages berufen…

(lacht) Ja, das war schon ganz speziell.



Woher kam das Talent für diese Position?

Bis ich 14 Jahre alt war, habe ich tatsächlich als Torwart gespielt. Dann habe ich mich entschieden, es als Stürmer zu versuchen. In Dortmund haben wir nach dem Training oft noch aus Spaß aufs Tor geschossen. Mit mir zwischen den Pfosten.



Sie waren fünf Jahre in Dortmund, so lange haben sie für keinen anderen Verein als Profi gespielt. War es die schönste Zeit Ihrer Karriere?

Ja, das kann man so sagen. Wir sind gleich in meiner ersten Saison Deutscher Meister geworden, das war perfekt. Das Spiel gegen Bremen damals war Dramatik pur, wir haben den Siegtreffer erst 15 Minuten vor dem Ende erzielt. Es war unbeschreiblich. Dazu alle zwei Wochen in diesem Stadion vor diesen Fans zu spielen, das war jedes Mal besonders. Und ich habe in Dortmund mit fantastischen Spielern wie Dede, Kohler, Amoroso zusammengespielt.

Jan Koller: Den bulligen Stürmer findet man viel seltener - super Zeit beim BVB

Zwei Deutsche Meister aus Tschechien: Tomas Rosicky und Jan Koller. © imago

Und natürlich mit Ihrem Landsmann Tomas Rosicky…

Von ihm haben wir Stürmer natürlich besonders profitiert. Er war außergewöhnlich, sein Spielverständnis, seine Technik, seine Auffassungsgabe. Er war Wahnsinn, ein ganz besonderer Spieler.



Das Ende in Dortmund war dann nicht so schön. Erst die finanziellen Probleme des Klubs, dann eine schwere Kreuzbandverletzung…

Als es dem Verein finanziell nicht gut ging, war das auch für uns Spieler eine schwierige Zeit. Die Verletzung war schlimm, aber das gehört zum Profigeschäft leider dazu. Ich würde dennoch sagen, dass ich eine Super-Zeit in Dortmund hatte. Ich habe fast nur positive Erinnerungen.



Sie sind zum ersten Mal bei den „Legenden“ dabei. Wie ist das Wiedersehen?

Es ist sehr lustig und macht viel Spaß. Ich war ja schon im vergangenen Jahr beim Abschiedsspiel von Roman Weidenfeller. Da habe ich viele tatsächlich erstmals wiedergesehen.

Jan Koller: Den bulligen Stürmer findet man viel seltener - super Zeit beim BVB

Beim Abschiedsspiel von Roman Weidenfeller im vergangenen Jahr stellte sich Jan Koller ebenfalls ins Tor. Und Weidenfeller konnte so im Sturm auf Torejagd gehen. © imago

Nach ihrem Karriere-Ende 2011 hat man von Jan Koller nicht mehr viel gehört. Was haben Sie gemacht, was machen Sie heute?

Ich habe ja zum Schluss in Frankreich gespielt und bin in Monaco geblieben. Da habe ich aus Spaß noch in der dritten Mannschaft gespielt. Fast vier Jahre. Und meinem Heimatverein bin ich treu geblieben, da spiele ich heute noch regelmäßig. Ein ganz kleines Dorf, unterste Liga. Es macht tierisch viel Spaß. Heute arbeite ich dazu als Teammanager der U19-Nationalmannschaft Tschechiens.



Man konnte lesen, Sie wollen auch den Trainerschein machen…

Nein, das stimmt nicht. Ich war zwischendurch auch mal als Scout unterwegs, aber Trainer… Ist nicht mein Ding.



Wenn Sie heute die Stürmer beim BVB sehen. Die sind alle deutlich kleiner als Sie…

(lacht) Ja, da hat sich generell viel verändert. Die Mittelstürmer spielen viel mehr mit, so wie ein Götze oder Messi. Den Typen „bulliger Stürmer“ findet man viel seltener.

Es wird gerade diskutiert, ob dem BVB so ein Spielertyp gut tun würde…

Borussia Dortmund hatte immer tolle Angreifer. Lewandowski, Barrios, oder Aubameyang. Aber das muss der Trainer entscheiden, wie er spielen lassen will.



Am Samstag geht es gegen Liverpool. Zur Anstoßzeit werden 29 Grad und die typische hohe Luftfeuchtigkeit erwartet. Wie fit sind Sie denn noch?

(lacht) Es geht hoffentlich. Ich versuche täglich Sport zu machen, spiele viel Tennis und im Winter viel Eishockey. Sollte also kein Problem sein.

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